Burgund

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Das Burgund und das Périgord sind meine Lieblingsregionen in Frankreich. Hier ist Frankreich für mich am ursprünglichsten und authentischsten. Und auch historisch am interessantesten. Und wer geschichtsträchtige Sehenswürdigkeiten und kulinarische Köstlichkeiten schätzt, ist im Burgund genau richtig.

Weinberge, grüne Weiden und gelb leuchtende Rapsfelder prägen im Frühjahr das Landschaftsbild. Zahlreiche Kanäle und Flüsse durchziehen die märchenhafte Landschaft. Und es gibt viele UNESCO-Weltkulturerbestätten und “Schönste Dörfer Frankreichs” zu bestaunen. Dazwischen liegen kleine Ortschaften, in die Harmonie der Landschaft eingebettet, verbunden durch schmale Straßen, die nicht für schnelles Fahren geeignet sind.

Ich bin leider kein Weinkenner, nicht einmal Weintrinker. Abgesehen von einem Gläschen, manchmal zu einem guten Essen. So mögen mir die Weinkenner verzeihen, dass mich die Städte und Dörfer, die Weiler inmitten saftig grüner Wiesen oder die Kulturlandschaft der Weinberge mehr interessieren. Die Flüsse, Bäche und Bächlein mit ihrem hervorragenden Fischbestand verleiten mich hin und wieder dazu, die Fliegenrute auszupacken und mich der Mediation des Fliegenfischens zu widmen.

Seit Mitte 2016 kann man nicht mehr vom Burgund sprechen, sondern nach der Gebietsreform von „Burgund-Franche-Comté“. Der Zusammenschluss war zwar sinnvoll, aber die alteingesessenen Bewohner taten sich schwer mit der Veränderung, auch wenn es schon einmal eine Fusion zwischen dem Burgund und dem Jura gab.

Nicht nur der Weinbau prägt das Burgund. Zahlreiche historische und mittelalterliche Sehenswürdigkeiten sind zu bestaunen. Das Burgund gilt als “Wiege des Christentums” und im Mittelalter als Zentrum des Abendlandes.

Nirgendwo in Frankreich gab es bedeutendere und wohlhabendere Klöster. Die Abtei von Cluny, die Kathedrale von Vézelay oder das Kloster von Fontenay sind weltberühmt.

bei Fontenay
bei Fontenay

Auch in den kleinsten Dörfern gibt es mitunter Denkmäler von kunsthistorischer Bedeutung, im Burgund vor allem romanische Klöster und Schlösser. Manchmal scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Ich beginne meine Reise im sehr frühen Frühling. Es ist Mitte März als mich das Fernweh packt. Ich will nicht allzu weit weg von Freiburg, damit ich mich über die Osterfeiertage mit meiner Frau treffen kann (sie kommt wie üblich mit dem TGV angereist). Und bis ins Burgund ist es ja von Freiburg aus wirklich nur ein Katzensprung.

Und warum reist man nach Burgund, wenn man weder ein Weinkenner noch ein Weintrinker ist? Wegen der Menschen, wegen der Stille der Landschaft … und wegen der Kunst!

Beaune
Beaune

Das Hôtel-Dieu in Beaune ist das Wahrzeichen der Stadt und wurde Mitte des 15. Jahrhunderts als Armenhaus erbaut. Es ist noch schöner und beeindruckender als der Herzogspalast von Beaune. Es war vermutlich eines der ersten Krankenhäuser Frankreichs. Das Gebäude mit den für das Burgund typischen glasierten Ziegeldächern beherbergt ein Museum mit bemerkenswerten Schätzen. Und eines der größten Weingüter von Beaune gehört zum Hôtel-Dieu. Jedes Jahr im November findet eine bedeutende Weinauktion statt. Der Erlös aus dem Verkauf wird seit jeher für den Unterhalt des Hôtel-Dieu und des angrenzenden Altenheims verwendet.

Beaune - Hôtel-Dieu
Beaune – Hôtel-Dieu
Beaune - Hôtel-Dieu
Beaune – Hôtel-Dieu

Ich betrete die Krankenstation und vergesse sofort, dass ich mich in einem ehemaligen Armenkrankenhaus befinde. So viel Prunk erwartet man normalerweise in einem Palast. Ich würde eher edle Damen in Samt und Seide erwarten, als dass hier Kranke auf Holzkrücken behandelt werden.

Beaune - Hôtel-Dieu
Beaune – Hôtel-Dieu
Beaune - Hôtel-Dieu
Beaune – Hôtel-Dieu

Ein Stadtbummel entlang der alten Stadtmauer lohnt sich. Weinliebhaber sollten sich einen Besuch im Weinmuseum nicht entgehen lassen und auch kulinarisch ist Beaune bestens aufgestellt. Wie fast immer in Weinbaugebieten ist das Essen von besonderer Qualität. Allerdings nicht ganz billig.

Beaune
Beaune
Beaune - Basilique Notre-Dame
Beaune – Basilique Notre-Dame

Entlang der Côte d’Or, die sich zwischen Beaune und Dijon erstreckt, fahre ich durch die im Frühling erwachenden Weinberge in die Hauptstadt Burgunds. Zwischen den Rebstöcken zeigt sich frisches Grün, sogar einige Löwenzahnblüten bilden leuchtend gelbe Farbtupfer in der Landschaft. Die Winzer beginnen mit der Pflege der Weinberge und dem ersten Rebschnitt.

Mich zieht es nach Dijon, die prachtvolle Residenzstadt der Herzöge des Burgund und lebendige Universitätsstadt mit vielen malerischen, mittelalterlichen Gebäuden. Und mit viel Fachwerk. Wohin ich schaue, überall gibt es etwas zu bestaunen.

Dijon
Dijon
Dijon
Dijon

Im Herzen der Stadt, in der Rue Musette, ragt die eigenwillige Fassade von Notre-Dame in den Himmel. Schlanke Säulen streben nach oben, fantastische Wasserspeier zieren die Fassade der schönsten gotischen Kirche Burgunds.

Dijon - Notre-Dame de Dijon
Dijon – Notre-Dame de Dijon
Dijon - Notre-Dame de Dijon
Dijon – Notre-Dame de Dijon
Dijon - Notre-Dame de Dijon - Wandfresko
Dijon – Notre-Dame de Dijon – Wandfresko

In der Kirche kann ich eine der ältesten Mariendarstellungen Frankreichs bewundern: Notre Dame de Bon Espoir. Eine “Schwarze Madonna” aus Eichenholz. Um 1500 wurde ihr Gesicht schwarz bemalt, man glaubte, dass dies der Mariendarstellung mehr Kraft verleihen würde. Erst 1945 wurde die schwarze Schicht wieder entfernt und die ursprüngliche rotbraune Madonna kam zum Vorschein.

Dijon - Notre Dame de Bon Espoir
Dijon – Notre Dame de Bon Espoir

Auf dem linken äußeren Stützpfeiler in der Rue de la Chouette ist eine kleine Figur, eine polierte Eule zu sehen. Wer sie mit der linken Hand berührt und die rechte Hand aufs Herz legt, kann sich etwas wünschen. Ob es in Erfüllung geht?

Dijon - Eine Eule als Glücksbringer
Dijon – Eine Eule als Glücksbringer
Dijon
Dijon

Wenn ich den Namen Dijon höre, denke ich zuerst an den gleichnamigen Senf. Tatsächlich wurde der Senf in Dijon erfunden. Allerdings ist der Name Dijonsenf nicht geschützt, sondern nur das Rezept, nach dem er hergestellt wird. Typisch für die Weinregion Burgund wird er nämlich aus Traubenmost und nicht aus Essig hergestellt.

Die kleinen familiären Senfmühlen sind jedoch längst aus Dijon verschwunden. Die industrielle Konkurrenz war einfach zu groß. Die beiden aus Dijon stammenden Senfhersteller Maille und Amora haben fusioniert und produzieren in einer Fabrik in einem Vorort von Dijon.

Die Souvenirläden sind voll von Senfgläsern. Vor dem Kauf sollte man aber genau auf das Etikett schauen. Oft kommt der Senf nicht mehr aus Dijon, sondern aus dem Ausland.

Überall im Burgund sieht man die prächtigen bunten Dächer der Häuser. Auf Schlössern, auf Kirchen und Kathedralen, manchmal sind sogar die Dächer der einfachen Stadthäusern damit gedeckt. Das einstige Status- und Machtsymbol hat auch das Bürgertum erreicht. Und die Herstellung der glasierten Dachziegel machte das Burgund reich.

Burgund Dach

Vorbei am Schloss Commarin fahre ich auf Nebenstraßen Richtung Westen. Kleine Serpentinen schlängeln sich die sanften Hügel hinauf, sogar einige kleine Pässe sind zu überwinden. Die Gegend ist überraschend bergig, manchmal sogar schroff. Ich stelle mir vor, wie schön die Landschaft im Sommer und Herbst sein muss. Die weiten Felder sind durch Hecken parzelliert, sogar die hübschen, blonden Kühe (Blonde d’Aquitaine) dürfen schon auf die Weide.

bei Nuits-Saint-Georges
bei Nuits-Saint-Georges
bei Commarin
bei Commarin

Die Region ist geprägt durch eine Vielzahl an Burgen und Schlössern. Die braunen Schilder der Fremdenverkehrsämter weisen alle paar Kilometer auf eine weitere Sehenswürdigkeit hin. Kunstliebhaber finden im Burgund eine schier unerschöpfliche Quelle an Sehenswürdigkeiten.

Schloss Commarin
Schloss Commarin

Aber mich zieht es nach Flavigny-sur-Ozerain! Aus zwei Gründen: Das Städtchen ist bekannt für seine leckeren Anisbonbons. Und hier wurden die wichtigsten Szenen des wunderbaren Kinofilms “Chocolat” gedreht.

Ich suche lange, bis ich das Haus finde, in dem Vianne im Film ihren Pralinenladen hatte. Nichts zu finden! Ich erinnere mich noch genau an die Szene im Film … aus der Kirche heraus, ein Stück den Berg hinunter, und dann war da auf der linken Seite die Chocolaterie von Vianne. Und den Laden gibt es immer noch! Aber so klein und unscheinbar und traurig, dass ich sehr enttäuscht bin. Leider ist der Laden geschlossen und verwaist. Die Scheiben des ehemaligen Schaufensters sind schwarz vor Ruß, aber es gelingt mir, hinein zu fotografieren. Es ist ein seltsames Gefühl, an diesem Ort zu sein. Heute Abend werde ich mir den Film ansehen!

Flavigny-sur-Ozerain - Filmkulisse "Chocolat"
Flavigny-sur-Ozerain – Filmkulisse “Chocolat”
Flavigny-sur-Ozerain - Filmkulisse "Chocolat"
Flavigny-sur-Ozerain – Filmkulisse “Chocolat”

Im 8. Jahrhundert erlangte Flavigny durch die Gründung der Benediktinerabtei große Bedeutung. Heute besticht das Dorf durch seine schönen Bürger- und Handwerkerhäuser. Ein Spaziergang durch die steilen Gassen und über die oft unwegsamen Treppen ist sehr interessant und unterhaltsam, kann aber auch sehr anstrengend sein.

An manchen Tagen wird der Ort von Filmliebhabern regelrecht überrannt. Doch an diesem Frühlingstag ist davon nichts zu spüren. Als ich in der Klostergaststätte zu Mittag esse, sitzen außer mir nur wenige andere Gäste an den Tischen. Von der Besitzerin erfahre ich, dass in der Küche ausschließlich Produkte aus der Region verarbeitet werden, die täglich frisch geliefert werden.

Und dass es heute als Vorspeise etwas mit Schnecken gibt. Ich entscheide mich sofort für das Menü ohne Vorspeise und nur mit Nachtisch. Gleich zu Beginn bekomme ich ein leckeres “Amuse-Gueule” (oder vornehmer “Amuse-Bouche”), einen “kleinen Gruß aus der Küche”. Eine Art Püree mit viel Knoblauch. Und Madame fragt mich später, ob mir die Schneckenpastete geschmeckt hat!

Als ich in Flavigny-sur-Ozerain betrete, rieche ich es schon: Es duftet nach Anis. Und dieser feine Duft kommt aus der alten Abtei. Hier werden sie produziert, “Les Anis de Flavigny”. Köstliche Bonbons mit einem Kern aus Anis. Sie sind erbsengroß. Und steinhart. Das Rezept ist natürlich streng geheim. Und sie werden in wunderschönen Blechdosen verkauft.

Flavigny-sur-Ozerain - Abtei
Flavigny-sur-Ozerain – Abtei
Flavigny-sur-Ozerain - Fabrique d'Anis
Flavigny-sur-Ozerain – Fabrique d’Anis

In Alise-Sainte-Reine fand eine berühmte Schlacht zwischen den Römern und den Galliern statt. Caesar siegte und die römische Herrschaft über Gallien begann. Genau an dieser Stelle wurde der MuséoParc Alesia errichtet. Interessante Führungen erklären die Eroberung Galliens durch die Römer.

MuséoParc Alesia
MuséoParc Alesia

Aus einer großen Schleife des Flusses Armacon erhebt sich die Silhouette von Semur-en-Auxois auf einem steilen Felsen über dem Tal. Ich verschiebe den Bummel durch den Ort und gehe erst einmal in ein Café, um das Städtchen und die Menschen auf mich wirken zu lassen. An einem sonnigen Frühlingsmorgen sitze ich auf einem kleinen Platz und genieße die Atmosphäre der Stadt.

Semur-en-Auxois
Semur-en-Auxois
Semur-en-Auxois
Semur-en-Auxois

Das Städtchen mit seinen hübschen Häusern, den steilen Gassen und Plätzen ist schnell durchstreift. Mich zieht es weiter zu einer im Burgund einzigartigen Klosteranlage, nach Fontenay.

Die im 12. Jahrhundert gegründete Zisterzienserabtei liegt abgeschieden in einem ruhigen Tal. Die beeindruckende Klosteranlage ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Burgunds. Hier wurden einst die strengen Ordensregeln und die Askese des Bernhard von Clairvaux gelebt.

Abbaye de Fontenay
Abbaye de Fontenay
Abbaye de Fontenay
Abbaye de Fontenay

Mich beeindruckt die harmonische Schlichtheit der Klosteranlage. Diese war auch das Vorbild für das klösterliche Leben. In einer für mich unvorstellbaren Einfachheit stand nur das geistliche Leben im Mittelpunkt der Mönche.

Abbaye de Fontenay
Abbaye de Fontenay
Abbaye de Fontenay
Abbaye de Fontenay

Auf einem breiten Bergrücken liegt das Städtchen Vézelay. Als ich mich Vézelay nähere, ist die Abtei und spätere Wallfahrtskirche “Sainte-Marie-Madeleine” schon von weitem zu sehen. Vor mir liegt, in einem nach einem Regenschauer fast unnatürlichen Licht, einer der größten Schätze Frankreichs.

Seit fast 800 Jahren kommen Könige, Heilige und Pilger nach Vézelay. Heute sind es vor allem Kunstliebhaber, denn die Skulpturen der Kirche sind weltweit einzigartig. Zum Wallfahrtsort wurde Vézelay, als die Reliquien der Maria Magdalena von Jerusalem nach Vézelay kamen. Vézelay wurde zur Hochburg des Christentums.

Vézelay - Sainte-Marie-Madeleine
Vézelay – Sainte-Marie-Madeleine

Als ich das riesige Kirchenschiff betrete bin ich begeistert. Und demütig. Der Blick durch das Mittelschiff zum Chor ist überwältigend. Was für ein unglaublich schönes Bauwerk!

Vézelay - Sainte-Marie-Madeleine
Vézelay – Sainte-Marie-Madeleine
Vézelay - Sainte-Marie-Madeleine
Vézelay – Sainte-Marie-Madeleine

In der Vorhalle der Kirche befindet sich eines der schönsten romanischen Tympana. Erstaunlicherweise hat es die meisten Beschädigungen der Französischen Revolution unbeschadet überstanden, so dass man ihm nicht ansieht, dass er schon fast 800 Jahre alt ist.

Vézelay - Sainte-Marie-Madeleine - Vorhalle
Vézelay – Sainte-Marie-Madeleine – Vorhalle
Vézelay - Sainte-Marie-Madeleine - Seiteneingang
Vézelay – Sainte-Marie-Madeleine – Seiteneingang
Vézelay - Sainte-Marie-Madeleine
Vézelay – Sainte-Marie-Madeleine

Schweren Herzens trenne ich mich von Vézelay und fahre durch das Tal des Cousin, eines der schönsten Täler der Region, in Richtung Avallon. Es riecht nach Wiese und Bach. Die Fahrt durch dieses kleine Tal ist wie ein Ausflug in eine andere Welt. Ich widerstehe der Versuchung die Fliegenrute auszupacken, um die Idylle nicht zu stören. Steile Granitfelsen kündigen die tiefen Täler um Avallon an. Nach vielen engen Kurven und Serpentinen erreiche ich die Höhe der Stadt.

Die Altstadt von Avalon liegt ähnlich wie Vézelay auf einem steilen Felsrücken. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind etwas versteckt in der mittelalterlichen Altstadt: der Uhrturm und die Stiftskirche Saint-Lazare.

Avallon - Uhrturm
Avallon – Uhrturm

Diese Kirche ist die letzte romanische Kirche im Burgund. Sie wurde mehrmals beschädigt und umgebaut, aber die Portale blieben erhalten. Leider wurden beide während der Französischen Revolution stark beschädigt.

Avallon - Collégiale Saint-Lazare
Avallon – Collégiale Saint-Lazare
Avallon - Collégiale Saint-Lazare
Avallon – Collégiale Saint-Lazare

In der Apsis der Stiftskirche kann ich ein sehr gut erhaltenes Deckengemälde bewundern. Trotzdem ist die Kirche stark renovierungsbedürftig. Während bei uns der Staat solche Restaurierungen zumindest bezuschusst, sind in Frankreich die Kirchengemeinden selbst für den Erhalt der Gotteshäuser verantwortlich. Wie übrigens auch für die Bezahlung der Priester. Eine kleine Spende in den Opferstock der Kirche ermöglicht manche Renovierung und ist ein angemessenes Entgelt für die Besichtigung.

Avallon - Collégiale Saint-Lazare
Avallon – Collégiale Saint-Lazare

Auxerre ist das nördliche Tor zum Burgund. An den Ufern der Yonne und in der Altstadt stelle ich fest: Auxerre ist äußerst charmant und sehenswert. Und ganz oben auf dem Bergrücken stehen zwei mächtige Kirchen: die Kathedrale Saint-Étienne und die Abtei Saint-Germain.

Schnell finde ich einen Parkplatz am Flussufer gegenüber der Altstadt. Ganz in der Nähe führt eine kleine Fußgängerbrücke über die Yonne und bietet einen herrlichen Blick auf den Hafen und die prächtigen Kirchen.

Auxerre
Auxerre

Ich schlendere zwischen Fachwerkhäusern zum Uhrturm, über charmante Plätze und durch reizvolle Gassen zur Kathedrale und bis zur Abtei. Ich folge dabei den kleinen Bronzesymbolen auf dem Boden, die mich durch die Stadt führen.

Auxerre
Auxerre

Der Uhrturm aus dem 15. Jahrhundert ist das Wahrzeichen von Auxerre. Er ist ein Statussymbol, da er mit den Mitteln der Bürgerschaft errichtet wurde.

Auxerre - Tour de l’Horloge
Auxerre – Tour de l’Horloge
Auxerre - Tour de l’Horloge
Auxerre – Tour de l’Horloge

Die gotische Kathedrale Saint-Etienne hat eine Besonderheit: Sie hat nur einen Turm! Sie steht an der Stelle, an der vor ihr fünf Kirchen standen. Die ersten drei sind abgebrannt, die vierte wurde abgerissen, um Platz für den Neubau zu schaffen.

Auxerre - Cathédrale Saint-Étienne
Auxerre – Cathédrale Saint-Étienne
Auxerre - Cathédrale Saint-Étienne
Auxerre – Cathédrale Saint-Étienne
Auxerre - Cathédrale Saint-Étienne
Auxerre – Cathédrale Saint-Étienne
Auxerre - Cathédrale Saint-Étienne
Auxerre – Cathédrale Saint-Étienne

Auf dem Weg nach Autun durchquere ich den regionalen Naturpark Morvan. Er ist einer der ältesten Naturparks Frankreichs. Im Maison du Parc in Saint-Brisson gibt es verschiedene Ausstellungen. Für Naturliebhaber ein Muss.

Der Morvan bietet eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten. Darunter Radtouren oder Wanderungen, z.B. auf den Haut-Folin oder den Mont-Beuvray. Der Morvan ist ein Paradies für Radfahrer. Aber Vorsicht: die Gegend ist sehr bergig und kann anstrengend sein!

Morvan
Morvan

Die Cathédrale St-Lazare ist die größte Sehenswürdigkeit von Autun. Für Liebhaber romanischer Kunst ist das Portal der Kirche ein Leckerbissen. Zusammen mit dem Portal von Vézelay gehört es zu den Höhepunkten Burgunds. Was wäre unsere westeuropäische Kultur ohne diese Schätze der Vergangenheit!

Im 18. Jahrhundert missfielen dem damaligen Domherrn die Darstellungen des Portals und er ließ den Tympanon kurzerhand mit Gips überdecken. Glücklicherweise überstanden die Figuren so die Zerstörungswut der Französischen Revolution.

Autun - Cathédrale St-Lazare
Autun – Cathédrale St-Lazare
Autun - Cathédrale St-Lazare
Autun – Cathédrale St-Lazare
Autun - Cathédrale St-Lazare
Autun – Cathédrale St-Lazare

Die Stadt Autun wurde von den Römern gegründet, von denen noch einige beeindruckende Zeugnisse erhalten sind. So die Porte d’Arroux im Norden der Stadt oder die Porte Saint-André im Süden. Zwei große Arkaden für Fahrzeuge und zwei kleinere für Fußgänger führen durch die Stadttore.

Autun - Porte d'Arroux
Autun – Porte d’Arroux

Ein Bummel durch Autun ist lohnend und kurzweilig … und anstrengend, denn wie im Burgund üblich, liegt die historische Altstadt hoch oben auf einem Bergrücken.

Der zweite touristische Höhepunkt in Autun ist das Musée Rolin, das städtische Museum für Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte. Das Museum befindet sich in Sichtweite der Kathedrale Saint-Lazarus. Besonders sehenswert sind die Ausstellungsstücke aus gallo-römischer Zeit. Leider ist das Museum wegen Renovierungsarbeiten voraussichtlich bis 2028 geschlossen.

Autun - Theater
Autun – Theater
Autun
Autun
Autun - Passage Balthus
Autun – Passage Balthus

Das Herz von Chalon-sur-Saône ist die Altstadt mit der Place Saint-Vincent. Der Platz mit seinen schönen alten Fachwerkhäusern wird von der Silhouette der Kathedrale überragt. Kleine Bars und Restaurants laden nach einem Stadtbummel auf dem Platz vor der Kirche zum Verweilen ein. Bei einem Kaffee oder einem Pastis lässt sich die Pracht in aller Ruhe bewundern.

Chalon-sur-Saône - Cathédrale Saint-Vincent
Chalon-sur-Saône – Cathédrale Saint-Vincent
Chalon-sur-Saône - Cathédrale Saint-Vincent
Chalon-sur-Saône – Cathédrale Saint-Vincent
Chalon-sur-Saône - Cathédrale Saint-Vincent
Chalon-sur-Saône – Cathédrale Saint-Vincent
Chalon-sur-Saône
Chalon-sur-Saône

Wer sich für die Geschichte der Fotografie interessiert kennt den Namen Nicéphore Niépce (1765-1833), neben dem Franzosen Louis Daguerre und dem Engländer William Henry Fox Talbot einer der Erfinder der Fotografie. Mit Hilfe einer Lochkamera und einer sehr langen Belichtungszeit (von über acht Stunden) gelang es ihm, ein haltbares Bild auf eine beschichtete Metallplatte zu bannen. Es war der Blick aus einem Fenster seines Landsitzes Saint-Loup de Varennes. Dieses Bild “Le Point de vue du Gras” von 1826 oder 1827 gilt als das erste Foto in der Geschichte der Fotografie.

Chalon-sur-Saône - Musée Nicéphore Niépce
Chalon-sur-Saône – Musée Nicéphore Niépce
Nicéphore Niépce - Le Point de vue du Gras - © Musée Nicéphore Niépce, Chalon-sur-Saône
Nicéphore Niépce – Le Point de vue du Gras – © Musée Nicéphore Niépce, Chalon-sur-Saône

In Saint Loup de Varennes (nur wenige Kilometer südlich von Chalon-sur-Saône) kann man im “Maison Niépce” ein kleines Museum besichtigen. Hier befindet sich auch die Dunkelkammer von Niépce und der Blick auf die ersten Motive in der Geschichte der Fotografie.

Das ganze Burgund steht unter Wasser. Über Ostern hat es ununterbrochen geregnet. Die Saône und ihre Nebenflüsse sind teilweise über die Ufer getreten, einige Straßen sind unpassierbar. An einigen Orten wurde die erste Stufe des Katastrophenalarms ausgelöst. In Verdun-sur-Doubs musste ich vor einigen Tagen den Übernachtungsplatz verlassen, weil der Doubs die Zufahrt zum Platz überflutet hatte. Vorsichtshalber wurden alle Strom- und Frischwasseranschlüsse abgestellt.

bei Chalon-sur-Saône
bei Chalon-sur-Saône

In Tournus ist die Lage nicht ganz so dramatisch. Lediglich die Uferpromenade an der Saône ist teilweise überflutet und gesperrt.

Die am Ufer der Saône gelegene Stadt lädt mich zur Entdeckung seiner Abtei und der bemerkenswerten Abteikirche Saint-Philibert ein, einem Juwel romanischer Architektur. Rund um die Abtei erstrecken sich kleine Gassen mit alten, mittelalterlichen Häusern.

Tournus
Tournus
Tournus
Tournus
Tournus
Tournus

Von Tournus nach Cluny ist es nur ein Katzensprung. Doch die Fahrt hat es in sich. Schmale, kurvige Sträßchen, manchmal sogar einspurig. Mein Navi schickt mich gerne auf solche “Abkürzungen”. Aber so lerne ich Frankreich kennen! Die Fahrt führt mich durch eine wunderschöne Landschaft. Die Rapsfelder leuchten, frisches Grün wohin man schaut, der Frühling ist nach den letzten regnerischen Tagen zurückgekehrt.

Inmitten von Weinbergen liegt das kleine Dorf Cluny. Ein achteckiger Kirchturm überragt das Dorf, dem man seine große Vergangenheit nicht auf den ersten Blick ansieht. Denn bei dem Turm handelt es sich nur um einen Nebenturm des Querschiffs einer ehemals riesigen Abteikirche.

Cluny - Cluny III um 1700
Cluny – Cluny III um 1700

Cluny ist eine merkwürdige Stadt. Die Hauptsehenswürdigkeit ist verschwunden, nur in meiner Phantasie kann ich mir noch die größte Kirche der Christenheit vorstellen. Und die war gewaltig. Vor dem Bau des Petersdoms in Rom war sie ein Superlativ der damaligen Zeit. Eine Kirche mit zwei Querschiffen, vier Seitenschiffen und mehreren Kapellen in der Apsis. Nur der prächtige achteckige Glockenturm, der ehemalige Turm des rechten Querschiffs, ist von dieser Pracht erhalten geblieben, einem mittelalterlichen Kloster, das neben Rom als wichtigstes geistiges Zentrum des Abendlandes galt.

Cluny
Cluny
Cluny
Cluny
Cluny - Seitenschiff
Cluny – Seitenschiff

Nach der Französischen Revolution sollte die Kirche abgerissen werden. Der gesamte Komplex wurde an einen Bauunternehmer verkauft, der das Kloster Stein für Stein weiterverkaufte. Damit wäre die Geschichte des Klosters Cluny beinahe ausgelöscht worden. Erst 1823 wurde die Zerstörung gestoppt. Leider ist von der einst monumentalen Kirche nur noch wenig erhalten.

Cluny - Klostergebäude
Cluny – Klostergebäude

Zwölf Mönche ließen sich 910 hier nieder, um die Ordensregeln Benedikts wieder strenger zu befolgen als es üblich geworden war. Diese Reform breitete sich über ganz Europa aus. Etwa 1200 Klöster mit mehr als 20.000 Mönchen gehörten schließlich den Cluniazensern, dem benediktinischen Reformorden.

Cluny
Cluny
Cluny
Cluny
Cluny
Cluny

Ganz im Süden des Burgunds und bereits am Rande des französischen Juras liegt Brou bei Bourg-en-Bresse. Hier befindet sich eines der Juwelen der Region. Die königliche Abtei von Brou. Es wurde ab 1506 von der 24-jährigen verwitweten Prinzessin Margarete von Österreich als Grablege für sie und ihren 1504 verstorbenen Gemahl Philibert, Herzog von Savoyen, erbaut. Eine Liebeserklärung der Fürstin an ihren verstorbenen Gatten.

Der Gesamteindruck der Abteikirche aus weißem Kalkstein ist überwältigend schön. Ich habe das große Glück, genau in der Pause zwischen dem Besuch zweier Schulklassen anzukommen. So bin ich ganz allein in der Kirche und kann die ganze Pracht ungestört auf mich wirken lassen. Wunderschön!

Monastère royal de Brou
Monastère royal de Brou
Monastère royal de Brou
Monastère royal de Brou
Monastère royal de Brou
Monastère royal de Brou
Monastère royal de Brou
Monastère royal de Brou
Monastère royal de Brou
Monastère royal de Brou

Im Mittelpunkt stehen die Grabmäler von Margarete von Österreich, Herzog Philibert und seiner Mutter sowie die Margarethenkapelle. Ich bin überwältigt von der Fülle der Dekorationsmotive. Ähnliche Kirchen soll es nur in Belgien geben.

Monastère royal de Brou - Grabmal der Margarete von Österreich
Monastère royal de Brou – Grabmal der Margarete von Österreich
Monastère royal de Brou - Margarete von Österreich
Monastère royal de Brou – Margarete von Österreich
Monastère royal de Brou - Kapelle der Margarete von Österreich
Monastère royal de Brou – Kapelle der Margarete von Österreich

Hier endet meine Reise durch das Burgund. Ein Ausschnitt aus der Fülle der Sehenswürdigkeiten und Landschaften. Und es gibt noch viel mehr zu entdecken. Aber das ist eine andere Geschichte.

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