Côte d’Azur und Provence – Teil II

Heute steht ein Ausflug nach Menton auf dem Programm. Vorbei an Monte-Carlo fahren wir mit Bus und Zug immer an der Küste entlang bis in die Grenzstadt zwischen Frankreich und Italien. Menton hat selbst für die Côte d’Azur ein außergewöhnlich mildes Klima. Der Mont-Agel schirmt den Urlaubsort von Westwinden und die letzten Ausläufer der Alpen von starken Brisen aus nördlicher und nordöstlicher Richtung ab.

Perle Frankreichs“ ist am Ortseingang zu lesen, als wir am späten Vormittag ankommen. Warum, das zeigt sich auf den ersten Blick: Dichtgedrängt stehen erdfarbene Häuser mit bunten Türen und Fensterläden in der sehenswerten Altstadt. Mediterranes Flair wohin man blickt.

Einen Mittelpunkt der Stadtkultur und -tradition stellt die Zitrone dar. In Menton gibt es so ziemlich alles, was sich aus der gelben Frucht herstellen lässt: Eau de Parfum und Seife, Zitronenhonig, Limonade, Zitruskekse und mehr! Jedes Jahr im Februar findet das spektakuläre “Fête du Citron“ statt – so auch jetzt. Drei Wochen lang werden die Zitrusfrüchte mit Veranstaltungen, Paraden und Shows ausgiebig gefeiert – und ganze 145 Tonnen echter Früchte werden dafür zu aufwändigen Skulpturen arrangiert, die schon einmal bis zu 10 Meter hoch werden können. Wir sind beeindruckt!

* Ergänzung: Wegen der Corona Epidemie wurden alle weiteren Veranstaltungen abgesagt!

Wir bummeln durch die engen Gassen der Altstadt und genießen den herrlichen Frühlingstag. Eine bunte Mischung aus französischer und italienischer Lebensart bestimmt die Stadt. Unseren Plan, heute auch noch Monte-Carlo zu besuchen, geben wir rasch auf. Lieber streifen wir noch eine Weile länger durch die hübschen Gassen und Treppen.

Die Rückfahrt gestaltet sich recht problematisch. Einige Züge Richtung Nizza fallen wegen Gleisbauarbeiten aus. Aber mit eingesetzten Sonderzügen kommen wir trotzdem zügig und müde zurück zum Wohnmobil.

Menton – Fête du Citron
Menton – Fête du Citron
Menton
Menton
Menton

Wir wachen auf, weil ein Sturm um das Wohnmobil tobt und es ziemlich stark ins Wanken bringt. Die Wetternachrichten hatten die Unwetterwarnung gestern angekündigt und tatsächlich pfeift der Wind nun durch alle Ritzen. Keine guten Voraussetzungen für unser heutiges Reiseziel: Gourdon, ein kleiner Ort in den Bergen. Wegen seiner exponierten Lage nennt sich der Ort auch „Adlernest“. Je höher wir kommen, umso heftiger wird der Sturm. Die kräftigen Böen machen das Fahren auf den kleinen Sträßchen sehr ungemütlich – und wir haben noch nicht einmal ein Drittel der Fahrtstrecke zurückgelegt. Wir befürchten, dass der Sturm immer schwerer werden wird, je weiter wir in die Berge kommen. Und so beschließen wir kurzerhand, wieder zurück ans Meer und nach Frejus zu fahren. Und in der Tat ist der Sturm hier bedeutend zahmer!

Die Hauptsehenswürdigkeit von Frejus ist das römische Amphitheater. Das einst 28 Meter hohe Bauwerk fasste zu Hochzeiten ganze 14.000 Zuschauer, die sich hier im 1. Jahrhundert von ungleichen Kämpfen zwischen Mensch und Raubtier, sowie Gladiatorenkämpfen belustigen ließen. Später hielt man im aus Sandstein erbauten Amphitheater Stierkämpfe ab. Doch auch das ist Geschichte. Heute finden in dem nur noch 13 Meter hohen Bau lediglich kulturelle Veranstaltungen und Aufführungen statt. Leider sind die Besuchszeiten nicht passend und wir müssen uns mit dem Anblick von außen begnügen.

In Ste-Maxime finden wir schnell den örtlichen Stellplatz. Ein einziger freier Platz ist noch vorhanden, direkt unter einem alten, im wieder deutlich stärkeren Sturm ächzenden Baum. Ob der dem Wind auch standhält? Wir wollen es nicht darauf ankommen lassen. Also alles wieder einpacken und weiterfahren bis nach Gassin, wo wir am Ortseingang auf einem einsamen Parkplatz einen schönen Übernachtungsplatz finden.

Küste zwischen Frejus und St-Tropez

Gassin (Les Plus Beaux Villages de France) ist ein kleines, mit schmalen, kurvigen Gässchen versehenes Dorf voller Ruhe und Gelassenheit. Der Ort ist von einer sagenhaft schönen Landschaft mit sanften Hügeln, grünen Hängen, verträumten Tälern, Palmen, Pinien, Korkeichen, Eukalyptusbäumen, üppigen Lavendelfeldern, terrassenförmig angelegten Weinbergen, wildwachsenden Kräutern, herrlichen Stränden, idyllischen Buchten und malerischen, roten Felsvorsprüngen umgeben.

Nach der sehr ruhigen Nacht auf dem Parkplatz vor dem Ort marschieren wir hoch ins Städtchen, um einen Kaffee und Croissants zu frühstücken. Aber alle Bistros und Restaurants haben geschlossen. Der Ort ist wie ausgestorben. Auf unserem Rundgang begegnet uns keine Menschenseele. Herrlich! Im Sommer ist hier bestimmt die Hölle los, denn von Saint-Tropez sind es gerade 10 Autominuten bis hierher.

Gassin

Heute wollen wir einen Ruhetag einlegen. Das Wetter ist etwas trüb. Ab und zu regnet es sogar ein bisschen. Wir fahren zurück nach Ste-Maxime auf den örtlichen Stellplatz. Dieses Mal bekommen wir ein schönes Plätzchen, welches nicht unter Bäumen liegt. Und das ist auch gut so! In der Nacht fegt ein orkanartiger Sturm über die Côte d’Azur. Das Wohnmobil wankt und schwankt – wir können keine Sekunde schlafen! Gegen Morgen legen sich die Böen. Das schlechte Wetter ist wie weggeblasen und die Sonne lacht vom Himmel.

Nach Saint-Tropez geht‘s entlang der Küstenstraße. Zum Parken finden wir am alten Hafen einen großen Parkplatz für Reisebusse. Die Schranke lässt sich nicht öffnen. Erst als wir den Rufknopf betätigen, kommt das Parkticket. Jetzt können wir die Stadt erkunden!

Ein Hauch von Luxus, pompöse Yachten, teure Sportwägen, angesagte Strandclubs und natürlich Promis wohin man blickt – das ist es, was den meisten in den Sinn kommt, wenn sie Saint-Tropez hören. Doch Saint-Tropez ist längst nicht nur Klischee und „Wiege des internationalen Jet-Sets“, sondern ein ganz bezauberndes Städtchen. Jetzt im Februar ist davon aber nichts zu spüren. Nur wenige Touristen haben den Weg hierher gefunden. Mit kleinen, schmalen Gassen, malerischen Vorhöfen und Olivenbäumen kann aber kaum jemand dem Charme des kleinen Hafenorts widerstehen, wenn er sich einmal auf ihn eingelassen hat.

Der Alte und der Neue Hafen von Saint-Tropez gehören zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt. Hier kann man wunderbar die Hafenpromenade entlang flanieren und die Umgebung bestaunen: Segelboote sowie Luxusyachten auf der einen Seite und die malerischen Häuserfassaden mit edlen Boutiquen, Restaurants und Cafés auf der anderen Seite.

Das „Musée de la Gendarmerie et du Cinéma“ wurde im Jahr 2016 in der alten Gendarmerie-Station eröffnet, in der auch die berühmte Serie „Le Gendarme“ mit Louis de Funés gedreht wurde. Das Kinomuseum widmet sich überwiegend der Geschichte von Schauspielerin und Sängerin Brigitte Bardot, die untrennbar mit der Verwandlung von Saint-Tropez vom einfachen Fischerdorf zur schillernden Riviera verbunden ist. Ebenso Thema sind im Museum Louis de Funés selbst sowie die anderen Figuren der Serie.

Da uns der Schlafplatz in Gassin so gut gefallen hat, fahren wir am Abend die wenigen Kilometer dorthin zurück und stehen wieder mutterseelenalleine inmitten von Kieferbäumen vor dem Ort.

Saint-Tropez
Saint-Tropez
Saint-Tropez
Saint-Tropez
Saint-Tropez

Heute Nacht geht der Inhalt der Gasflasche zur Neige. Das passiert bei uns immer mitten in der Nacht! Aber die automatische Umschaltung auf die zweite, volle Flasche funktioniert tadellos und es bleibt schön warm im Wohnmobil. An der nahe gelegenen Tankstelle bekommen wir am nächsten Tag schnell Ersatz, der Transport mit unserer neuen Sackkarre funktioniert tadellos. Perfekt!

Am Meer entlang fahren wir anschließend bis nach Le Lavandou. Die Ortschaft erstreckt sich über 12 Kilometer an der Mittelmeerküste entlang und ist gekennzeichnet durch feine Sandstrände und kleine Buchten in einer schönen Naturumgebung mit Kiefern, Mimosen, Eukalyptus, Sukkulenten und Palmen. Nahe von Le Lavandou befindet sich das Meeresschutzgebiet Sanctuaire Pélagos. Im Sommer kann man dort mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Meeressäugetiere sichten. „Whale watching“ ist daher zu einer beliebten Attraktion geworden. Heute zeigt sich der Ort wie ausgestorben. Wir können zwar in einem kleinen Bistro eine wunderbare Paella essen, aber Ende Februar ist die Küste kaum besucht.

Unser momentanes Fazit: Die Côte d’Azur ist für uns kein bevorzugtes Reisegebiet. Selbst im Winter sind alle Parkplätze mit Höhenbegrenzungen verrammelt und am Straßenrand gilt für Wohnmobile Parkverbot. Offizielle Stellplätze gibt es nur sehr wenige (und die sind sogar jetzt im Winter teilweise überfüllt). Campingplätze sind unverschämt teuer oder in den Wintermonaten geschlossen. Trotzdem genießen wir es, ohne Touristenmassen, wie sie im Sommer hier aufkreuzen, die liebenswerten Dörfer und Städtchen anzusehen und die Küstenstraße ohne den sommerlichen Stau zu befahren!

Gassin
Le Lavandou

Durch Regentropfen, die auf unser Wohnmobildach fallen, werden wir geweckt. Wir können uns also mit Frühstücken und Wohnmobil ver-/entsorgen Zeit lassen. Der wirklich teure Stellplatz (im Winter 20 Euro) in Cavalaire-sur-Mer ist mittlerweile zum dreckigen Matschplatz geworden. Die VE ist unterirdisch schlecht. Alles ist ungepflegt und überholungsbedürftig. Aber es ist der einzige Übernachtungsplatz weit und breit.

In Le Lavandou finden wir schnell einen Parkplatz und entschädigen uns für den Frust mit einem wunderbar frischen Croissants und dampfendem Kaffee.

Le Lavandou
Le Lavandou

Keine halbe Autostunde von Le Lavandou entfernt ist das Städtchen Bormes-les-Mimosas. Im Dorf blühen im Februar die Mimosenbäume an allen Ecken. Die mittelalterliche Altstadt gehört zu den schönsten Orten Frankreichs. Bormes-les-Mimosas ist wahrlich eines der schönsten Dörfer der Provence. Wir genießen den Charme der gewundenen, steilen Gassen, die herrlichen Hinterhöfe, die Brunnen und das pittoreske Stadtbild. Von der Burgruine, dem höchsten Punkt der Stadt, hat man einen sehr schönen Blick auf das Meer und die angrenzenden Orte, und natürlich auf Bormes-les-Mimosas selber.

Bormes-les-Mimosas
Bormes-les-Mimosas
Bormes-les-Mimosas

Auf der Weiterfahrt nach Hyères sehen wir ein Schild zur Chartreuse de la Verne und lassen uns spontan auf den Abstecher ein. Auf immer engeren und verwinkelten Sträßchen kommen wir dem Kloster immer näher, bis 6 Kilometer vor dem Ziel die Straße so eng wird, dass die Durchfahrt für uns unmöglich und schließlich auch verboten ist. Schade! Und zu Fuß ist es uns dann doch zu weit.

Dafür finden wir in Collebrieres einen herrlichen Schlafplatz auf einer Wiese an einem kleinen, plätschernden Bächlein. Super!

Collebrieres

Mit Starkregen und orkanartigem Sturm beginnt der Morgen. Die angekündigte Unwetterfront ist bei uns angekommen. Die Wetteraussichten sind leider für den ganzen Tag nicht gut. Wir fahren erst einmal aus der Wiese raus, denn je länger es regnet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns im nassen Gras festfahren.

In La Londe-les-Maures verbringen wir den Tag schließlich auf einem sicheren Stellplatz. Nur einen kleinen Spaziergang in den eher unscheinbaren Ort unternehmen wir bei dem schlechten Wetter.

La Londe-les-Maures

Auch heute Nacht hat der Sturm ums Wohnmobil getobt. Wenigstens der Regen hat nachgelassen. Am Morgen scheint durch die Wohnmobilfenster strahlend die Sonne. Die Schlechtwetterfront hat sich anscheinend verzogen. Der Morgen lädt zur näheren Erkundung der Umgebung ein.

So unscheinbar das Zentrum von La Londe-les-Maures ist, umso schöner sind der Jachthafen und die Strände. Alles scheint neu angelegt zu sein und ist sehr großzügig und schön gemacht. Sogar einige Bistros sind geöffnet, so dass wir eine leckere „Plat du Jour“ essen können.

Leider müssen wir bei unserer Rückkehr an den Stellplatz feststellen. dass der Wasserhahn der VE nicht funktioniert. Unsere Bankkarte wird nicht akzeptiert. Die Karte eines hilfreichen Franzosen aber genauso wenig. Da es in dieser Gegend kaum andere Übernachtungsplätze gibt, fahren wir bis nach Hyères, aber die Ent-/Versorgungs-Einrichtung ist nicht mehr vorhanden. Also in den verschiedenen Stellplatzführern weitergesucht, einige Kilometer gefahren, wieder kein Glück. Kein Wasserhahn weit und breit. Erst in St-Mandrier-sur-Mer können wir unseren leeren Wassertank auffüllen. So erfolglos haben wir schon lange nicht mehr suchen müssen!

Der Übernachtungsplatz in St-Mandrier-sur-Mer liegt in einem stillgelegten Industrieviertel. Er ist dementsprechend trist, aber für eine Nacht muss es reichen. Und wir ergattern einen der letzten freien Plätze.

La Londe-les-Maures
St-Mandrier-sur-Mer
St-Mandrier-sur-Mer
St-Mandrier-sur-Mer
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