Fahrt von der nördlichsten bis zur südlichsten Gemeinde in Frankreich.

Klassische Reiserouten durch Frankreich verlaufen meist von Ost nach West. Entlang der Loire, von der Normandie in die Bretagne, entlang der Pyrenäen. Die Ausnahme ist vielleicht die Atlantikküste zwischen Nantes und Biarritz. Eine Reise von Nord nach Süd dagegen ist eher unüblich. Der Startpunkt ist die nördlichste Gemeinde Frankreichs Bray-Dunes. Das Ziel wird Lamanère sein, weit unten in den Pyrenäen.

Unsere Reiseroute soll auf besonders sehenswerten Strassen verlaufen, so wie sie in den Michelin Straßenkarten verzeichnet sind. Also die grün hinterlegten Streckenabschnitte der Karten.

© Google Maps
Bray-Dunes, die nördlichste Gemeine Frankreichs

Bray-Dunes ist die nördlichste Gemeinde in Frankreich auf dem europäischen Festland. Direkt nebenan liegt die westlichste Gemeinde Belgiens, La Panne.

Wir fahren durch La Panne und sehen der Strasse entlang einen Verkaufsstand neben dem anderen. Alle bieten sie Zigaretten und andere Tabakwaren an. Diese sind hier wesentlich billiger als in Frankreich. Dafür können die Belgier in Frankreich erheblich günstiger zum Tanken fahren oder Lebensmittel einkaufen.

Die französische Kleinstadt ist noch im Winterschlaf. Viele Restaurants, Bistros und Cafes sind geschlossen, die Rollläden zu und die Stühle stehen auf den Tischen. Man kann erahnen, welchen Touristenrummel es im Sommer am Strand und in der Stadt gibt.

Es bläst ein heftiger Wind, wir haben für den Spaziergang durch Bray-Dunes unsere Winterjacken angezogen, um nicht zu frieren. Wir finden leider kein offenes Restaurant, welches uns zusagen würde, um diese Reise mit einem guten Essen zu beginnen. Also kochen wir unser Abendessen im Wohnmobil.

Es sind für die Jahreszeit und für das schlechte Wetter viele Wohnmobile unterwegs. Einen ausgewiesenen Stellplatz für Wohnmobile hat Bray-Dunes keinen. Deshalb stehen alle auf dem zentralen Busparkplatz. Wie in Frankreich üblich, stört sich niemand daran.

Morgens regnet es in Strömen, ein Sturm tobt um das Wohnmobil. Da gibt es nur eins … liegenbleiben und abwarten. Gegen Mittag kommt ab und zu die Sonne durch und wir beschließen, nach Bergues (einer Kleinstadt in französisch Flandern) weiterzufahren.

Bergues erwartet uns mit allen Vorurteilen, welche man durch den Kinofilm „Willkommen bei den Sch`tis“ haben kann. Es ist kalt, es regnet, es stürmt. Das schmucke Städtchen wurde durch den erfolgreichsten französischen Film berühmt. In jedem Bistro, in jedem Restaurant, überall hängen Bilder und Plakate des Films. Und tatsächlich, wer aufmerksam durch den Ort schlendert (natürlich immer noch im Regen), der kann manche Szene des Films der örtlichen Lokalität zuordnen. So genießen wir unseren „Noisette“ (Expresso mit Milch) im Café de la Poste, einem der Drehorte des Films.

Kulinarisch hat Bergues nicht viel zu bieten. Wir brauchen lange, bis wir ein nettes, kleines Restaurant entdecken. Schnellrestaurants und Dönerbuden gibt es dagegen genug.

Einen geeigneten Stellplatz zum Übernachten hat Bergues leider keinen. Wir nutzen deshalb das schlechte Wetter zur Weiterfahrt. Entlang an kleinen Kanälen und Schleusen fahren wir durch herrlich grüne Gegend Richtung Süden nach St. Omer.

St. Omer hat einen sehr schönen Wohnmobilstellplatz. Aber … sehr, sehr laut. In 10 Meter Entfernung donnern endlos lange Güterzüge an unserm Wohnmobil vorbei. Glücklicherweise sind es nachts deutlich weniger Züge, und so schlafen wir trotzdem erstaunlich gut.

Cathédrale Notre-Dame de Saint-Omer

Da der Stellplatz etwas außerhalb liegt, fahren wir sehr früh ins Zentrum, um einen Parkplatz zu bekommen. Dann sehen wir uns die elegante Kleinstadt mit den vielen Bürgerhäusern und natürlich die Kathedrale an. Der majestätische Bau soll der schönste Sakralbau der Region sein.

Cathédrale Notre-Dame de Saint-Omer
Cathédrale Notre-Dame de Saint-Omer
Cathédrale Notre-Dame de Saint-Omer

In Lens wollen wir Mittagessen gehen (wie immer eine preisgünstige „Plat du Jour“), aber wir kommen zu spät zum Essen. Die Lokale haben zu. Wir braten uns kurzerhand unsere Steaks und holen uns dazu von McDonalds von gegenüber frische, goldgelbe Pommes.

In Avion finden wir einen sehr schönen, ruhigen Übernachtungsplatz.

Übernachtungsplatz in Avion

Um mit dem Wohnmobil einen Parkplatz zu bekommen, fahren wir wieder zeitig in die Stadt und können tatsächlich sehr zentral parken.
Arras hat zwei sehr schöne flämisch anmutende Plätze, die schon im Mittelalter Bauvorschriften hatten. Nur dadurch konnte sich der sehr harmonische Eindruck dieser Plätze ergeben und erhalten. Die Fassaden ruhen auf Arkaden, so daß die Markthändler und die Kunden vor dem Wetter geschützt sind und auch bei schlechten Wetter flaniert werden kann.

Wir gehen in einem Bistro einen Kaffee trinken. Beim Umrühren bemerke ich, dass irgendetwas in der Tasse schwimmt. Ein undefinierbares Teil zwischen Plastik oder Haut. Der Kellner ist jedenfalls sehr erstaunt, als ich ihm dieses Objekt zeige. Fast noch mehr wundert er sich aber, dass ich eine neue Tasse Kaffee haben möchte!

Im Reiseführer ist eine sehenswerte Kathedrale beschrieben. Per Google Maps machen wir einen laaangen Fußmarsch quer durch die ganze Stadt, um vor einem Klarissenkloster zu landen, welches geschlossen hat und nicht besichtigt werden kann. Gott sei Dank fährt uns von dort ein kostenloser Stadtbus zurück ins Zentrum.

Nach dem Mittagessen suchen wir die Kathedrale erneut. Das ist deswegen nicht einfach, weil sie keinen hohen Turm hat, der schon von weitem zu sehen wäre. Als wir fündig werden und dort ankommen, ist auch dieses Gotteshaus geschlossen.

Wir machen uns zeitig daran, einen Übernachtungsplatz zu finden. In einer entlegenen Straße, entlang einer Parkanlage, finden wir einen sehr schönen Platz. Einige andere Wohnmobile stehen auch da. Aber je später es wird, fährt eins nach dem anderen weg, und so stehen wir plötzlich mutterseelenalleine an einem sehr einsamen Ort. Wir fangen also erneut mit der Stellplatzsuche an und finden die anderen Wohnmobile wieder, ein paar Straßen weiter. Merkwürdig!

Arras
Arras
Arras

Auf schmalen Sträßchen fahren wir nach Amiens und genießen den Frühling. Herrlich frisches Grün und rechts und links, goldgelb blühende Rapsfelder. Leider sind die Temperaturen noch nicht sehr frühlingshaft.
Amiens ist eine Stadt mit einer großen Universität und vielen Studenten. Sehr harmonisch wurde neue und alte Architektur miteinander kombiniert.
Nach einem schnellen Frühstück in einem netten Studentenlokal, besichtigen wir ein Juwel der gotischen Kunst: die Kathedrale Notre-Dame. Eingeschrieben im Welterbe der UNESCO. Sie ist mit ihren 145 Meter Länge und ihren 42 Meter Höhe das größte gotische Bauwerk und die grösste Kathedrale in Frankreich! Sie hat einen sehr einheitlichen Baustil, da sie innerhalb eines Jahrhunderts errichtet wurde.
In der Nähe der Kathedrale befindet sich das Viertel Saint-Leu, genannt „kleines Venedig des Nordens“. Dieses ehemalige Viertel der Gerber, Weber und Färber ist wirklich charmant mit seinen kleinen farbigen Häusern, welche sich längs des Kanals aufreihen. Amiens ist übrigens die Geburtsstadt von Jules Verne („In 80 Tagen um die Welt“).

Cathédrale Notre-Dame de Amiens
Cathédrale Notre-Dame de Amiens
Cathédrale Notre-Dame de Amiens

Auf schmalen kurvenreichen Sträßchen geht unsere Reise weiter nach Beauvais.
Die dortige Kathedrale Saint-Pierre blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Ihr einzigartiges Aussehen liegt in den technischen Dramen ihrer Errichtung. Die Kirche fiel zwei Feuersbrünsten zum Opfer, und zwei Mal ist die Kirche während der Errichtung eingestürzt. Geplant war eine Kathedrale mit gigantischen Ausmaßen. So groß, daß der Kölner Dom leicht zwei Mal darin Platz gefunden hätte. Und so blieb nach fast 400 jähriger Bauzeit nur das Querschiff stehen. Im Innenraum sind viele neuzeitliche Holzstützen angebracht. Auch heute scheint das Bauwerk noch sehr instabil zu sein.

Cathédrale Saint-Pierre de Beauvais
Cathédrale Saint-Pierre de Beauvais

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Übernachtungsplatz in Beauvais machen wir das Wohnmobil reisefertig (Frischwasser auffüllen, Brauchwasser entsorgen, Toilette entsorgen). Und genau jetzt fängt es wieder an ordentlich zu regnen. Das Problem dabei ist, dass der sandige Untergrund des Platzes immer matschiger wird.
Als alles erledigt und wir patschnass sind, machen wir uns auf den Weg Richtung Fontainebleau. Laut Navi gute zwei Stunden Fahrzeit. Wir sind dann mehr als 4 Stunden unterwegs, weil die Schnellstraße mit Ampeln versehen ist. In unserer Fahrtrichtung ist sehr starker Verkehr Richtung Paris (wie immer!). Die roten Ampeln stoppen den Verkehrsfluss, aber an den Einmündungen zur Hauptstraße steht vielleicht mal ein (1!) Auto zur Einfahrt. Tolle Verkehrsplanung. Könnte auch bei uns zuhause so sein.
In Fontainebleau finden wir einen Übernachtungsplatz direkt am Schlosspark. Wir müssen nur durch die wunderschönen Parkanlage spazieren um in die Innenstadt zu kommen. Allerdings ist die Zufahrt zu diesem Traumplatz abenteuerlich. Es ist ein Weg mit Kopfsteinpflastersteinen so groß wie Handbälle. Und so werden wir auf gut 300 Metern kräftig durchgeschüttelt.
Im Zentrum gehen wir zu einem Tabakladen, in welchem ein Automat der Telefonfirma „Free“ steht. Man kann an diesen Automaten SIM-Karten kaufen. Für € 30.- bekommen wir 100 (!) GB Datenvolumen ins Internet. Ohne Abo. Im Wohnmobil haben wir einen kleinen Router, der mit dieser Karte und über WLAN alle unsere Geräte ins Internet bringt. Perfekt.

Heute Nacht hast es kräftig geregnet, morgens scheint aber wieder die Sonne. Wir wollen uns nach einem schnellen Frühstück in Fontainebleau das Schloss ansehen. Das Schloss war im Mittelalter die Residenz für königliche Jagdausflüge und es ist ein wahres Juwel der französischen Kunst. Es gehört zum Welterbe der UNESCO. Wir haben mit der Besichtigung Glück, denn es sind so früh nur wenige Besucher im Schloss. Im Laufe des Rundgangs werden es aber immer mehr. Die Touristenbusse und die Schulklassen sind eingetroffen. Bei unserem Rundgang im Schloss entdeckt wir prächtige Gemächer. Das Schloss von Fontainebleau war auch der Lieblingsort von Napoleon Bonaparte.

Fontainebleau
Fontainebleau
Fontainebleau

Nach dem ausführlichen Rundgang wollen wir Richtung Loire weiterfahren. Deshalb machen wir uns auf den Weg nach Sully-sur-Loire. Der Übernachtungsplatz dort liegt direkt an der Loire. Leider ist wieder schlechtes Wetter.

Am Morgen regnet es in Strömen, über Nacht ist es sehr kalt geworden. Im Nachbarort gibt es einen großen Supermarkt. Wir müssen dringend unseren leeren Kühlschrank mit leckeren Lebensmitteln auffüllen.

Wir wollen heute entlang der Loire weiter Richtung Süden fahren. In der Nähe von Gien fallen uns Hunderte von Wohnwagengespannen mit Zigeunern auf. Auf einer riesigen Wiese stehen bestimmt Tausende. Weshalb sie sich alle in Gien versammeln, ist uns unklar.

Da das Wetter immer schlechter und kälter wird, wollen wir unseren Gasvorrat auffüllen. Dazu müssen wir eine französische Gasflasche kaufen und mit einem Adapter an unserer Gasanlage anschließen. Im Supermarkt in Gien ist Gas ausverkauft (Gasflaschen kann man in Frankreich an den Tankstellen der Märkte kaufen). Kein Wunder bei den Massen an Wohnwagen der Zigeuner.
In Briare können wir im SuperU aber Gas kaufen. Die Gasflaschen sind aus Stahl (unsere eigenen sind aus leichtem Alu) und sind deshalb „sackschwer“. Aber sie passen in unseren Gasflaschenkasten und auch der Adapter passt. Gut so, denn heute Nacht wird es nur noch 3 Grad haben.

Zigeuerlager bei Gien

Heute Nacht war es richtig kalt. Da ist es im warmen Wohnmobil gemütlich. Wir sehen uns in Briare die nur wenige Schritte vom Übernachtungsplatz gelegene Brücke des Schifffahrtskanals „Canal de Briare“ über die gut 20 Meter darunter liegende Loire an. Die Kanalbrücke (663 Meter lang) ist eine Metall-Konstruktion, die 1896 von Gustave Eiffel (der mit dem Turm) errichtet wurde. Das Netz der alten Kanäle und Wasserstationen dient heute als Yachthafen in der Stadt Briare.

Briare – Kanalbrücke über die Loire

Wir fahren entlang der Loire und dem kleinen Schifffahrtskanal daneben Richtung Süden bis nach Apremont-sur-Allier. Das mittelalterliche Dorf ist eines der schönsten Dörfer von Frankreich (Les Plus Beaux Villages de France). Seine hübschen typischen Häuser wurden entlang der Allier errichtet. Ein schöner Ort für einen Spaziergang.
Als wir die Kirche erreichen, hören wir von drinnen Musik. Am Abend ist ein Kammerkonzert geplant und wir können den Musikern bei der Orchesterprobe zuhören. Wunderschön. Wir haben es einfach gut …

Apremont-sur-Allier
Apremont-sur-Allier

Entlang der Allier machen wir uns auf den Weg Richtung Auvergne. In Moulins lädt zu einem kleinen Spaziergang ins Zentrum ein. Auf dem Übernachtungsplatz direkt am Fluss verbringen wir einen faulen Tag bei herrlichem Sonnenschein. Allerdings hat es im Schatten nur 12 Grad.

Moulins
Übernachtungsplatz in Moulins
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One Comment

  1. Hallo Jo, hier ist Rudi, habe gerade den ersten Teil deiner Berichterstattung über deine Frankreichfahrt gelesen. Toll, mach weiter so 😀
    Ich hoffe es geht euch gut und wünsche euch alles gute für die weitere Fahrt
    Liebe Grüße Rudi

    Rudolf Przibylla

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