Frankreich von Ost nach West – Teil III

4.7
(73)

Heute geht es in einem großen Sprung weiter Richtung Westen. Auf schmalen Sträßchen und durch interessante Landschaften schaukeln wir nach Paimpol. Hier merken wir zum ersten Mal, dass die Bretagne eines der wichtigsten Urlaubsziele der Franzosen ist. Das Städtchen empfängt uns mit einem Stau weit vor der Ortsmitte. Der Wohnmobilstellplatz ist völlig überfüllt, ein Fahrzeug steht neben dem anderen. Schrecklich! Wir finden einen Parkplatz an der Zufahrt zum Stellplatz mit Blick auf den Hafen und entgehen so der Enge.

Es ist Mittag und wir wollen in der Stadt essen gehen. Wir entdecken ein ansprechendes Restaurant, TripAdvisor gibt mit sehr guten Bewertungen grünes Licht, einen freien Tisch finden wir auch.

Wir beschließen, die Nacht in Paimpol zu verbringen. Unser Parkplatz ist auch kein schlechter Schlafplatz. Abends kommt die Polizei vorbei und gegen eine kleine “Gebühr” dürfen wir hier übernachten.

Paimpol

Von Paimpol nach Tréguier sind es nur wenige Kilometer. Wir haben uns sofort in diese kleine Stadt verliebt. Der Hafen, an einer Flussmündung gelegen, die von den Gezeiten beeinflusst wird, verfügt über einen Handelshafen, wird aber hauptsächlich als Jachthafen genutzt.

Diese alte Bischofsstadt besitzt eine Kathedrale, die im 14. und 15. Jahrhundert erbaut wurde. Die gotische Kathedrale Saint-Tugdual ist eine der schönsten der Bretagne. Sie verfügt über einen prächtigen Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert. Die Besucher kommen von weit her, um diese wunderschöne Kirche zu bewundern.

Tréguier – Cathédrale Saint-Tugdual
Tréguier – Cathédrale Saint-Tugdual
Tréguier – Cathédrale Saint-Tugdual
Tréguier – Cathédrale Saint-Tugdual
Tréguier – Cathédrale Saint-Tugdual

Der historische Stadtkern mit seinen Fachwerkhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert, seinen Gassen, versteckten Plätzen und Stadthäusern erstreckt sich bis zum Hafen. Ein Drittel des Stadtgebietes steht unter Denkmalschutz.

Tréguier
Tréguier

Obwohl Tréguier über einen schönen Wohnmobilstellplatz verfügt, wollen wir den Tag nutzen und fahren weiter nach Trégastel. Der Ort liegt an der sogenannten Côte de Granit Rose. Ein Küstenstreifen, an dem sich rosa Granitfelsen und feine Sandstrände abwechseln. Wir machen einen langen Spaziergang zu den Felsen und ins Watt.

Trégastel

Der Wohnmobilstellplatz in Trégastel ist groß und ziemlich voll, aber er liegt sehr nah am Meer und ein HyperU ist auch in der Nähe. Was will man mehr?

Entlang der Küste geht es am nächsten Tag auf kleinen Sträßchen über Trébeurden (ein hübsches Dörfchen mit einem langen Sandstrand), Locquirec (an der Grenze der Cotes d’Armor zum Finistère) nach Carantec. Früher lebte das kleine Dorf vom Fischfang und der Algenernte, heute ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle.

Wir finden einen schönen Übernachtungsplatz in der Nähe der Sportanlagen, schauen fern und lassen uns von der Faszination der Übertragung der “Tour de France” anstecken.

Küste bei Carantec

Mehr oder weniger “um die Ecke” von Carantec liegt Saint-Pol-de-Léon. Diese alte Bischofsstadt besitzt zwei bemerkenswerte Bauwerke: die Kathedrale und den Turm der Chapelle du Kreisker. Die mittelalterliche Architektur hat das gesamte Stadtbild geprägt. Die Kathedrale, die Kapellen, die Bischofsresidenz – überall Frömmigkeit.

Saint-Pol-de-Léon – Cathédrale Saint-Paul-Aurélien
Saint-Pol-de-Léon – Cathédrale Saint-Paul-Aurélien
Saint-Pol-de-Léon – Cathédrale Saint-Paul-Aurélien

Roscoff liegt nur wenige Kilometer von Saint-Pol-de-Léon entfernt. Wir wollen einen kurzen Abstecher machen und einen Kaffee trinken. Der Ort empfängt uns mit dem Hinweis, den P&R-Parkplatz und den kostenlosen Pendelbus ins Städtchen zu nutzen. Perfekt. Die haben sich was dabei gedacht. Nur nicht an Wohnmobile. Die Parkplätze für den Shuttlebus sind alle mit einer Höhenbegrenzung versehen, ansonsten absolutes Halteverbot! Also doch nicht zu Ende gedacht!

Für ein schönes Panoramafoto des Örtchens halte ich aber doch an. Den besten Blick habe ich, wenn ich meinen rechten Fuß 20 Zentimeter in die Einfahrt eines noblen Privathauses stelle. Und sofort kommt der strenge Hinweis des dort beschäftigten Gärtners(?): “Monsieur, c’est un terrain privé!” Ich kann es nicht glauben. Aber mein Foto habe ich ja schon gemacht!!!

Roscoff

Wir verlassen die Küste wieder und begeben uns ins Landesinnere, um zwei bedeutende Kalvarienberge und ummauerte Kirchhöfe der Bretagne zu besuchen. Das bedeutet zwar einen kleinen Umweg auf unserer Reise nach Westen, aber diese Sehenswürdigkeiten wollen wir uns nicht entgehen lassen.

In Saint-Thégonnec sehen wir zum ersten Mal auf dieser Reise diese für die Bretagne typischen Bauwerke.

Saint-Thégonnec
Saint-Thégonnec

Vorbei an Weizen- und Artischockenfeldern geht es weiter nach Guimiliau. Die Speisekarte einer netten Crêperie lädt zum Verweilen ein. Und wir bestellen gefüllte Artischocken aus der Region. Wenn so eine ganze Artischocke vor einem liegt, muss man erst einmal überlegen, wie man so etwas isst. Oder man schaut einfach dem Nachbarn zu. Die einzelnen Blätter werden mit den Fingern abgezupft (das geht ganz leicht, weil gekocht) und das bisschen Fruchtfleisch ausgelutscht. Dazwischen mit einem Löffel die Füllung. Und so isst man, bis der Artischockenboden erreicht ist. Schmeckt sehr gut, ist aber eine ziemliche Sauerei!

Blühende Artischocken

Guimiliau weist die typische Architektur bretonischer Dörfer auf. Die Pfarrmauer umgibt die Kirche und den Kalvarienberg.

Guimiliau
Guimiliau

Zurück an der Küste landen wir in Brignogan-Plages, einem hübschen, quirligen Städtchen. Einen Schlafplatz finden wir in Meneham auf einem Stellplatz direkt an den Dünen, keine 50 Meter vom Meer entfernt.

Meneham

Entlang der Küste führt die Straße immer weiter nach Westen. Wir versuchen so nah wie möglich an der Küste entlang zu fahren, denn die Ausblicke sind atemberaubend. Viele Wohnmobile stehen in den Dünen, niemand scheint sich daran zu stören. Das gibt es nur in Frankreich!

Küste bei Tremazan

Kurz vor Lampaul-Plouarzel steht einer der größten stehenden Menhire Frankreichs. Er ist über 9 Meter hoch.

Menhir von Kerloas

Etwas weiter südlich befindet sich die Landspitze Pointe de Corsen. Dieser Felsen ist der westlichste Punkt Frankreichs (und nicht der Pointe de Raz).

Pointe de Corsen

Nur noch ein kurzes Stück, dann sind wir am Ziel unserer Reise. Lampaul-Plouarzel. Die westlichste Gemeinde des französischen Festlandes. Der Ferienort mit einem kleinen Fischereihafen und einer Anlegestelle für Sportboote hat etwas mehr als 2000 Einwohner. Ansonsten ist es trotz seiner geographischen Bedeutung ein sehr unscheinbarer Ort.

Unser Fazit: Wir haben eine wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Reise von der östlichsten bis zur westlichsten Gemeinde Frankreichs erlebt. Wir sind durch sehr unterschiedliche Regionen gefahren: Elsass-Lothringen, Ile-de-France, Pays de la Loire, Normandie, Bretagne. Rau, lieblich, bezaubernd. Eine perfekte Mischung. Wie wunderbar vielfältig unser europäischer Nachbar doch ist.

Hat dir mein Reisebericht gefallen?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!