Route Nationale 7

N7 – Straße der Sehnsucht – Prolog

Von Paris nach Menton

Die „Route Nationale 7“, die „Straße der Sehnsucht“ in den Süden, war einst für Millionen Franzosen Synonym für Ferien und Urlaub. Der Name ist seit 2006 zwar offiziell verschwunden, der Mythos der legendären Straße aber lebt.

“Die Touristen kommen vom Ende der Welt, um die Nationale 7 hinunterzufahren, bei Troisgros oder Pic zu schlemmen, den Chorégies d’Orange beizuwohnen, Aix, Antibes oder Nizza zu entdecken und hinter jeder Kurve die unzähligen Spuren unserer Geschichte zu finden”, sagen die eingeweihten Franzosen. Sie nennen die Strecke heute liebevoll «route bleue», «route de vacances» oder auch «route du soleil».

Die Route Nationale 7 beginnt wie alle großen Fernverkehrsstraßen von Frankreich in Paris. Wo auch sonst. Bien sûr! Und führt dann durch die Porte d’Italie nach Süden.

Der lange Weg ans Meer hat seinen ganz persönlichen Charme und verspricht eine kulinarische Reise durch weite Weinberge und die facettenreiche Landschaft des zweitgrößten Anbaugebietes Frankreichs. Von hohen Bergen bis zu duftenden Lavendelfeldern, das Rhône-Tal hinunter bietet sie eine große Vielfalt an Sehenswürdigkeiten.

Streckenverlauf N7  -  Paris-Menton
Streckenverlauf N7 – Paris-Menton

„On est heureux Nationale 7“, singt Charles Trenet 1959 in seinem Chanson über die berühmte Ferienroute der Franzosen und beschreibt das Glück und die Sehnsucht auf der Reise in den Süden. Seit über 100 Jahren zieht der Sommerhimmel der Côte d’Azur die Massen aus Paris und Umgebung an. Zwischen 1950 und 1960 gab es kaum einen Franzosen, der während der Sommerferien nicht den Weg ans Mittelmeer auf sich nahm, um schon nach den ersten Kilometern im Stau zu stehen.

Aber es ist immer noch die Aufbruchsstimmung zu spüren, wenn es damals, fast immer mit dem Auto, möglichst mit den legendären 2 CV oder den Renaults 4, 6 oder 8 gen Süden ging. Und mit dem Picknick am Straßenrand (welches die Franzosen bis heute noch immer lieben). 

Mit dem Startschuss am 14. Juli stürzte man sich kollektiv auf diese Route und kurvte in drei oder mehr Tagen durch die grünen Wälder um die Loire, über die weiten Felder der Auvergne, entlang der Rhône und unter die Alleen der Provence bis ans Meer.

Durch den Ausbau vierspuriger Schnellstraßen wichen Urlauber dem hohen Verkehrsaufkommen der „Nationale 7“ aus, doch auch heute noch erliegen Nostalgiker ihrem legendären Charme. Eine Straße, die oft auf eine einzige Fahrspur reduziert ist, was die meiste Zeit dazu zwingt, Fahrzeuge zu überholen und dabei das Risiko eines Frontalunfalls einzugehen … was häufig genug passierte. Eine verstopfte Straße am Eingang jeder kleinen Stadt, die sich kreuzt, und wo nach Diesel riechende Lastwagen ihre ganze Energie darauf verwenden, den Verkehr zu blockieren.

Für die Bewohner der durchquerten Städte war die große Karawane im Juli und August die Gelegenheit, die neuesten Automodelle zu entdecken. Modelle, die oft wohlhabenden Parisern und Lyonern vorbehalten waren. Manches Städtchen, das bis dahin von den sommerlichen Tourismuskolonnen profitiert hatte, versinkt heute im Halb- bis Tiefschlaf.

Nationale 7 ist auch die Straße der Pannen und Unfälle. Mit den alten zwei Pferden (2CV), die sich auf den Hügeln abmühen um die “Gipfel” mit weniger als 50 km/h zu erreichen. Renault R8s, verlassen am Straßenrand, mit einem Kühler, der den ganzen Dampf aus seinem Inneren spuckt. Der schöne Ford Taunus 17m mit offener Motorhaube steht seinem Besitzer gegenüber, der mit besorgter Miene den Ölmessstab kontrolliert. Und die Kinder stöhnen in der Hitze eines Autos, das natürlich immer noch nicht weis, was eine Klimaanlage ist. Und Tramper, die einem Traumziel den Daumen hoch geben.

Point Zero – Paris ©Wikipedia

Und was ist aus der Nationale 7 geworden? Ein Stückwerk, unterbrochen von zig Umbenennungen in Departemental-Straßen, gelegentlich mit der Fortführung der «7», zum Beispiel «D 607», «D 6007», «DN 7».

Und was bleibt bei Mythen? Die Nostalgie! Mit den entsprechenden Landkarten, Büchern und Bildbänden. Und sogar eine “Assoziation Route Nationale 7 Historique” wurde gegründet, die einige der Anliegergemeinden zwecks Erhaltung der Erinnerung vertritt. Ein Museum darf auch nicht fehlen: das “Musée Memoire de la Nationale 7” befindet sich in Piolenc, etwas 5 Kilometer nördlich von Orange.

© Thierry Dubois

Die Auswahl an Reiseliteratur zur N7 ist vielfällig. Aber hauptsächlich sind es nostalgisch anmutende Bildbände aus den 60er Jahren. Selbst der Fernsehsender “arte” hat sich der N7 angenommen. Und für Nostalgiker, die auf der Suche nach dem fantasievollen Zauber dieser “Ferienstraße” sind, bleibt der Blog von Thierry Dubois, dem “Schutzpatron” der N7. Er liebt sie, verteidigt sie, zeichnet sie und fördert sie, indem er jedes Jahr “Retro-Camping”-Veranstaltungen oder Vintage-Fahrten mit DS oder 2CV organisiert. Ob tot oder lebendig, die Nationale 7 ist zum Kult geworden.

Ist es immer noch interessant, diese französische “Route 66” zu bereisen? Ja, dringend, bevor alles verschwindet! 

Im Frühling mache ich mich auf den Weg! Wer möchte, darf gerne virtuell mitfahren. Ich habe noch Platz …

Quellennachweise: DCI, NZZ, Martin Stäbe, RivieraPress, Thierry Dubois, arte

de_DEDE