Route Nationale 20,  Route Nationale 7

Route Nationale 20 – Von Paris nach Andorra

So wie alle französischen Nationalstraßen beginnt die Route Nationale 20 in Paris. Mitten in Paris. Direkt vor der Kathedrale Notre Dame ist der „Nullpunkt“.

Zertrampelt von den Touristenhorden die den Place Jean-Paul II vor der Kathedrale Notre Dame überqueren, liegt ein kleines Stück französischer Geschichte verborgen – der „Point Zéro des Routes de France“. Die Pariser Punkt-Null-Markierung, die kaum einen Meter breit ist, ist also leicht zu übersehen. Und alle Straßen in Frankreich, Straßenschilder, Ortsentfernungen, Landkarten etc. etc. werden von genau dieser Stelle aus berechnet.

Und hier beginnt die legendäre Route Nationale 20. Ganz so berühmt wie die Nationale 7 ist sie nicht, jedoch ebenfalls voller Charme, Mystik, Nostalgie und Verheißung. Sie führt durch halb Frankreich, teilt es in 2 Teile und durchquert Landschaften von großer Vielfalt. Die Ebene von Beauce, durch die Wälder der Sologne und die grünen Hügel von Berry und Limousin, bis zu den schneebedeckten Bergen der Pyrenäen und dann noch bis nach Andorra.

Paris - Point Zero  © Wikipedia
Paris – Point Zero © Wikipedia

Die RN20 wurde nacheinander „königlich“, „kaiserlich“, dann „national“ getauft. Ihre Blütezeit begann mit der Entwicklung des Automobils und dem Aufkommen des bezahlten Urlaubs im Jahr 1936. Und bis 1996 verband ein 864 Kilometer langes ununterbrochenes Asphaltband Paris mit der französisch-spanischen Grenze in einer einzigen, ziemlich geraden Linie. Leider ist von der originalen Streckenführung nur noch sehr wenig erhalten. Bis kurz hinter Paris trägt sie noch die Bezeichnung N20, dann aber wurde sie in D2020 und D920 und weiter im Süden in D820 umbenannt. Erst kurz vor Spanien hat sie die ursprüngliche Bezeichnung wieder zurück erhalten: Route Nationale 20! Es ist also höchste Zeit, dieser Ferienstrasse in den Süden zu folgen. Denn jahrzehntelang war die Route Nationale 20 ein Synonym für Ferien, Urlaub, Vorfreude. Für Fernfahrer, Pendler oder Außendienstmitarbeiter eine Straße zur Erfüllung der beruflichen Pflichten. Für die Urlauber der Weg nach Spanien oder an den westlichen Teil des Mittelmeers.

Noch heute sind viele Zeugnisse dieser goldenen Zeit präsent und für jeden zugänglich, der sie beobachten möchte: nostalgische Architektur, alte überholte Geschäfte, marode Straßenschilder, gemalte Wand-„Werbung“ von heute nicht mehr existierenden Marken oder die typischen Platanenreihen der Straßen Südfrankreichs.

Es ist auch ein Teil der Geschichte Frankreichs die sich auf dieser Straße ereignet hat. Exodus während der Besatzung, dann die Befreiung der Hauptstadt.

Ich beginne meine Reise natürlich in Paris. Dem immer schönen, interessanten, lauten und verrückten Paris. Ich war einige Tage in dieser phantastischen und anstrengenden Metropole. Ich habe mich auf dem Campingplatz „Camping International de Maisons Laffitte Paris“ einquartiert. Der Platz liegt nördlich von Paris und ist über die Autobahn schnell und einfach zu erreichen. Der Weg in die Innenstadt ist nach einem kurzen Fußweg zum Bahnhof mit der RER in gut 25 Minuten geschafft.

Paris - La Defence
Paris – La Defence
Paris - Louis-Vuitton-Foundation
Paris – Louis-Vuitton-Foundation
Paris - Louvre
Paris – Louvre

Ich verlasse Paris gut gelaunt auf der Avenue de la Porte Orléans Richtung Süden. Es geht los! Ich freue mich auf meine Reise. Richtung Pyrenäen.

Der Verkehr ist auch an einem Sonntag Nachmittag dicht, der erste Stau lässt nicht lange auf sich warten. Authentischer kann diese Reise eigentlich nicht beginnen. Die Reise in den Süden war in den 1960er und -70er Jahren immer mit Staus, Wartezeiten und leider vielen, vielen Unfällen verbunden.

Zwischen Neubauten und Einkaufszentren geht es ins hauptstadtnahe Umland. Es ist hässlich, zwar praktisch für den Verbraucher, aber furchtbar langweilig für mich.

Bald durchquere ich Montrouge, schnell bin ich in Arcueil, dann in Bourg-la-Reine (vorbei am Trainingszentrum des Französischen Rugby-Verbandes), schon komme ich nach Linas (bedeutendes Autodrom), dann Marcoussis. Und dann verlasse ich den Ballungsraum von Paris. Ich bin froh, dieses „Verkehrsgewusel“ hinter mir zu haben. Dicht an dicht fahren in 2er Kolonnen die PKWs und immer wieder rasen Motorräder in einem „Affenzahn“ zwischen den Fahrzeugen nach vorne. Lebensmüde! Das macht mir Angst.

Ich erreiche Arpajon, die Gartenstadt von Paris. Die Ware wird nachts in die Hauptstadt gebracht. Auf der Route Nationale 20 war das Fahren anstrengend und lang. Deshalb schlug der Ingenieur Henri Vieillard 1881 den Bau einer Eisenbahn vor, die hauptsächlich neben der RN20 zwischen Arpajon und Paris angelegt wurde. Und so werden von Mitternacht bis vier Uhr morgens Lebensmittel aus den Gärtnereien nach Paris transportiert.

Die Landschaft ändert sich radikal von einer massiven Urbanisierung zu den weiten Ebenen von Beauce. Paris, seine Hektik und seine Abgase sind nur noch eine ferne Erinnerung. 

Reuilly
In La Croix-Briquet sind noch zwei bemerkenswerte Michelin-Schilder zu sehen
Reuilly
La Croix-Briquet

Gestern habe ich bei meiner täglichen Internetrecherche zufällig ein Buch über die RN20 entdeckt. Im Internet gibt es nur sehr spärliche Informationen zu dieser Reiseroute. Und so bin ich glücklich, dieses Buch von Andre Reix zu entdecken. Je mehr Details ich zu dieser Strecke habe, desto intensiver kann ich die Reise genießen. Denn: Man sieht nur, was man weiß!

Doch wie soll ich das Buch bekommen? Ich habe ja keinen Briefkasten am Wohnmobil. Vorsichtshalber melde ich mich schon mal beim Paketstationsanbieter Mondial Relay an. Kann ja nicht schaden. Dann rufe ich die nächst größere Buchhandlung an, ob sie mir das Werk bestellen können. Geht nicht, weil kleiner Verlag. Bei der nächsten Buchhandlung geht es, Lieferzeit 1 Woche. Da bin ich aber längst wieder weitergefahren.

Dann maile ich doch mal den Verlag direkt an. Schildere denen meine Situation. Bin auf Reisen, fahre genau diese Strecke, habe keine Postadresse, ein Verweis auf meine Webseite kann auch nicht schaden. Und der Verlag reagiert prompt und leitet meine Mail an den Autor, Monsieur Reix weiter. Keine Stunde später meldet er sich und wir überlegen, wo er das Buch hinschicken könnte. Aber da passt leider nichts zu meinen Reiseplänen oder es dauert zu lange. Und dann regeln wir das ganze unbürokratisch: Ich bezahle den Kaufpreis via PayPal, bekomme dafür eine PDF-Datei des Buches (verbunden mit meinem Versprechen, dass ich diese niemals weitergeben werde) und 10 Minuten später kann ich zu lesen beginnen! Und … Herr Reix schickt zusätzlich ein Exemplar des Buches an seine Heimatadresse nach Limoges. Das liegt auf meinem Weg und ich kann das Buch bei seinen Eltern abholen. Perfekt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Herrn Reix. „Monsieur, vous êtes génial!“

Raststätte "Relais 20" in Santilly
Raststätte „Relais 20“ in Santilly

Ich bin auf dem Weg nach Orléans. Die Strasse schlängelt sich zwischen Hügeln und Tälern. Unterwegs komme ich zur bekannten Fernfahrerraststätte „Relais 20“. Unter Truckern seit Jahrzehnten eine Institution. Für kleines Geld bekommt man dort ein komplettes Menü mit Vorspeisenbuffet, Hauptgericht, Dessert, einem Glas Wein, einem Espresso und einem halben Baguette.

In der Nähe von Orléans, am Rande der RN20, gab es eine Autowerkstatt, die 7 Tage die Woche geöffnet war. Dort arbeitete Edgar Lhullier. Am Mikrofon von France 2 erinnert er sich: „Es gab viele, viele Unfälle, Zusammenstöße“ . Für ihn ist die RN20 eine Geschichte von 60 Jahren und 2.000 Fahrzeugen pro Stunde in den 70er Jahren, gegenüber kaum hundert heute.

Mit Orléans erreiche ich die erste „Großstadt“ auf meiner Route. Die Besichtigung der Stadt geht zu Fuß problemlos, alle Sehenswürdigkeiten liegen dicht beieinander. Beherrscht wird das Stadtbild wie von keinem anderen Gebäude von der Kathedrale Sainte-Croix. Über 200 Jahre wurde an der Bischofskirche gebaut, bis sie 1829 eingeweiht wurde.

Das gotisches Meisterwerk flößt mir Ehrfurcht ein. Sowohl vom Stil als auch hinsichtlich ihrer Größe ähnelt die Kirche der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Ihre ganz einzigartige Geschichte wird jedoch auf den wunderschönen Buntglasfenstern lebendig. Die Bilder erzählen die Geschichte der Johanna von Orléans die hier die Abendmesse besuchte, während sie sich in Orléans aufhielt, um gegen die vor der Stadt liegenden englischen Angreifer zu kämpfen.

Mitten auf dem Platzes Martroi steht das Reiterstandbild der Jungfrau von Orleans. Der riesige Platz hatte früher einen Kreisverkehr und die RN20 ging genau hier mitten durch die Stadt.

Orléans - Cathédrale Sainte-Croix
Orléans – Cathédrale Sainte-Croix
Orléans - Cathédrale Sainte-Croix
Orléans – Cathédrale Sainte-Croix
Orléans - Cathédrale Sainte-Croix
Orléans – Cathédrale Sainte-Croix

Die Stadt Orléans und die Figur der Johanna von Orléans sind untrennbar miteinander verbunden. Jeanne d’Arc, wie sie in Frankreich heißt, ist eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters. Sie lebte ein kurzes und gleichzeitig ereignisreiches Leben das am 30. Mai 1431 in Rouen ein grausames Ende nimmt.

Johannas Einsatz ist es zu verdanken, dass die Engländer am 8. Mai 1429 die Belagerung von Orléans aufgaben. Johanna war damals erst 17 Jahre alt. In Compiégne wurde Johanna 1430 gefangen genommen und an die Engländer ausgeliefert. 1431 verurteilte sie in England ein geistliches Gericht als Hexe und Ketzerin und sie starb den Tod auf dem Scheiterhaufen.

Orléans - Jeanne d’Arc
Orléans – Jeanne d’Arc
Loire bei Orléans
Loire bei Orléans

Die eintönige Landschaft wird umso grüner und vielfältiger, je weiter ich mich von Orléans entferne. Sanfte Hügel liegen in einer abwechslungsreichen Landschaft. Die Strasse schlängelt sich kurvig durch die Gegend. Französische Schlager vom USB-Stick heben meine Stimmung.

Es tauchen immer wieder Wegweiser auf, die zur Loire und den berühmten Loire-Schlössern zeigen: Valençay, Chambord, Beaugency … Wohlbekannte Namen mit wunderschönen Schlössern, Gärten und Landschaften.

In Lamotte-Beuvron werde ich durch ein Schild darauf aufmerksam, dass in diesem Ort die berühmte „Tarte Tatin“ erfunden wurde. Die Tarte Tatin ist ein karamellisierter Apfelkuchen mit Zucker und Butter. Der Teig wird jedoch vor dem Backen über die Füllung gelegt. Der Kuchen liegt also „auf dem Kopf“. Er wird dann nach dem Backen auf einem Teller umgedreht und warm serviert. Durch ein Missgeschick beim Kuchenbacken soll die Tarte Tatin entstanden sein.

Ich habe grade erst zu Mittag gegessen, aber reizen würde mich so ein Stückchen Kuchen schon… und es schmeckt wunderbar!

Die Strasse nach Vierzon führt durch eine grüne Landschaft und taucht ein in dichte, ursprüngliche Wälder mit viel altem Baumbestand. Am Waldrand entlang der Straße sind Wege angelegt und am Abend parken dort Lieferwagen, deren Insassinnen sich um zahlungswillige Kunden bemühen. Da ich am helllichten Tag vorbeikomme, bleibe ich aber verschont.

Leider ist das Städtchen Vierzon etwas trist. Es macht mich melancholisch. Man sieht dem Ort an, dass er seine beste Zeit wohl hinter sich hat. Viele Geschäfte sind geschlossen und werden augenscheinlich auch nicht mehr geöffnet. Leider ist dieses Phänomen immer öfter zu sehen. Aber wundern braucht man sich manchmal auch nicht. Der 3. Dönerladen im Dorf, das 2. Nagelstudio oder der 3. Hundefrisör … da kann man den Misserfolg schon vorhersehen. Das geht mir immer sehr aufs Gemüt, denn hinter jeder Neueröffnung steckte viel Enthusiasmus und Engagement. Und am Ende bleiben nur eine Menge Schulden übrig.

Gleichwohl sang Jacques Brel im Jahr 1968 in seinem schönen Chanson „Vesoul“: „Du wolltest Vierzon sehen, und wir sahen Vierzon. Du mochtest Vierzon nicht mehr, und wir verließen Vierzon“.

Landschaftlich ist es rund um das Städtchen Vierzon allerdings wunderschön. Der Ort ist von den Gewässern von Cher und Yèvre umgeben und liegt eingebettet zwischen den Naturgebieten der Sologne, der Champagne und dem Cher-Tal.

Vierzon
Vierzon
Vierzon
Vierzon – Canal de Berry
Vierzon – Stau in der Rue des Ponts im Jahr 1972 – © Archives municipales de Vierzon

Das Städtchen La Ferté-Saint-Aubin gefällt mir sofort. Die Straße führt über eine mittelalterliche Brücke unter der ein kleines Bächlein plätschert, rechts ab geht es auf einen kleinen Parkplatz unter alten Bäumen. Hier bleibe ich erstmal! Vorbei am netten Schlösschen des Ortes marschiere ich ins Zentrum. Viel ist hier zwar nicht geboten, aber ein Bäcker, eine Brasserie und ein Restaurant sollten fürs Erste genügen. Ich reserviere mir im Restaurant einen Platz zum Mittagessen. „À tout à l’heure“. Bis es soweit ist trinke ich in der Brasserie einen Kaffee. Der Kellner ist hochgradig schwerhörig, aber sehr nett. Und irgendwann weiß er auch was ich bestellen möchte. Neben mir sitzen Madame und Monsieur bei einem Tässchen Espresso. Als sie grade gehen wollen, kommt eine Bekannte von Madame vorbei. Monsieur geht schon mal nach Hause, denn das wird dann wohl länger dauern. Und tatsächlich: als ich nach dem Mittagessen wieder hier vorbeikomme, sitzen die beiden immer noch da. Bei einem Fläschchen Rosé Wein! Ob Monsieur sie irgendwann abholen kommt, weiß ich allerdings nicht!

La Ferté-Saint-Aubin
La Ferté-Saint-Aubin

Die N20 verläuft als D920 Richtung Süden, parallel zur Autobahn A20. Die alte Nationalstraße schlängelt sich um die Autobahn, über oder unter der neuen Straße hindurch. Es macht Spaß hier zu fahren. Wenig Verkehr, schöne enge Sträßchen mit Achterbahnkurven. Ich spüre die Hügel und Täler und das Lenkrad vibriert in den Kurven …

A20 (ehemalige N20) bei Vierzon
A20 (ehemalige N20) bei Vierzon

Und man merkt, dass die Route Nationale 20 einmal viel befahren war. Aber viele Tankstellen, Restaurants, Autowerkstätten oder Hotels sind geschlossen. Nach dem Zustand der Fassaden zu schließen wohl für immer. Für diese Eigentümer und Selbständige war der Bau der Autobahn A20 ein Desaster.

bei Vatan
bei Vatan

Ich fahre durch eine leere Landschaft ohne Charme. Kerzengerade Straßen, kilometerlang. Ich sehe nur die Straße, sommerlich verbrannte Wiesen und abgeerntete Getreidefelder, weit in der Ferne der Horizont, und alles absolut flach. Und so erreiche ich nach langweiliger Fahrt Vatan. Nicht einmal die französischen Chansons auf meinem USB-Stick können mich erheitern.

bei Artenay

Es gibt in Vantan einen sehr schönen Stellplatz mit Stromanschlüssen. Es ist brütend heiß, vor und im Wohnmobil gute 38 Grad. Und so will ich meine neu eingebaute Klimaanlage benutzen. Es ist zwar ein bisschen gewöhnungsbedürftig im Wohnmobil mit geschlossenen Fenstern und Türen zu sitzen, aber dafür ist es herrlich kühl. Diese Anschaffung scheint sich wirklich zu lohnen.

Um die Mittagszeit schaue ich ins Dorf, ob sich das einzige Restaurant im Ort zu einem kleinen Mittagessen anbietet. Es ist schon sehr gut gefüllt, aber ich bekomme noch einen Platz auf der Terrasse. Ich bestelle mir eine „Plat du jour“, es gibt ein Fleischgericht mit Gemüse und Pommes Frites. Alles schmeckt wirklich gut, bis auf das Gemisch von grünen Bohnen, Brokkoli und kleingeschnittener Paprika. Leider ziemlich zermatscht. Ich lasse das einfach auf dem Teller übrig. Und werde gleich darauf von der Chefin energisch belehrt, dass Gemüse wohl gesünder wäre als die Pommes! Und ihre Zurechtweisung unterstreicht sie mit einem kräftigen Ellenbogenpuff in meine Rippen. Autsch … Aber sie meint es bestimmt nur gut … Ein paar Tage später verschlägt es mich noch einmal hierher. Und ich esse den Teller blitzeblank leer. Und sie kann sich ein verschmitztes Grinsen nicht verkneifen!

Wer sich für den Zirkus interessiert kann in Vatan ein nettes kleines Museum zu diesem Thema besuchen. Das Museum für Zirkuskunst und -traditionen präsentiert die Geschichte des Zirkus im Laufe der Zeit anhand von Plakaten, Modellen, Kostümen. Sogar der typische Zirkusduft liegt in der Luft …

In Vatan steht die Esso-Tankstelle der Familie Thibault seit 1932. Jeanne verwaltet die Zapfsäulen, während Jacques, der seit 1952 die Citroën-Werkstatt leitet und so das Familienunternehmen fortführt, das 1902 begann!

Vatan
Vatan

Vor Châteauroux ist die Raststätte L`Escale. Sie liegt nicht einmal direkt an der Autobahn A20 sondern etwas versteckt an der ehemaligen N20. Und trotzdem ist es die größte Raststätte Frankreichs! Sie ist eine echte Institution. 7 Tage die Woche und mindestens 21 Stunden am Tag geöffnet, empfängt sie LKW-Fahrer aus ganz Frankreich. Und das Essen ist außergewöhnlich gut. Die Spezialität: Meeresfrüchte und Fisch aller Art. Das ist für eine Fernfahrerraststätte schon was ganz Besonderes. Und das alles zu sehr moderaten Preisen. Und die Speisekarte ist seit 25 Jahren die Gleiche.

Für alleinreisende Wohnmobil-Fahrer gibt es hier sehr saubere Duschen und sogar Waschmaschinen.

Raststätte L'Escale
Raststätte L’Escale
Raststätte L'Escale
Raststätte L’Escale

Direkt nebenan war der ehemalige NATO-Flugplatz der Amerikaner (1951-1967). Mehr als 10.000 amerikanische Soldaten ließen sich mit ihren Familien damals in Châteauroux nieder. 

Und plötzlich gab es in der französischen Provinz den „American Way of Life“! Alles verändert sich, alles beschleunigt sich: Cadillac, Jazzcafés, Jeans, Kaugummi, Hamburger usw. beeinflusste das tägliche Leben der Anwohner. In einem kleinen aber feinen Museum in Châteauroux kann man sich auf die Spuren dieser besonderen Zeit begeben.

Amerikanische NATO Militärbasis in Châteauroux-Déols
Amerikanische NATO Militärbasis in Châteauroux-Déols

Das bemerkenswerteste an Châteauroux ist die Kirche Saint-André. Mächtig und stolz ragen die beiden Türme in den blauen Himmel. Direkt an der Indre liegt die Stadt, eine typisch französische Provinzhauptstadt. Das historische Herz von Châteauroux bewahrt zahlreiche Zeugnisse aus dem Mittelalter: alte Straßenzüge, schöne Hausfassaden. Aber ein bisschen verschlafen ist das Städtchen schon auch.

Châteauroux - Èglise Saint-André
Châteauroux – Èglise Saint-André
Châteauroux - Èglise Saint-André
Châteauroux – Èglise Saint-André
Châteauroux - Mediathek
Châteauroux – Mediathek
Châteauroux - Mediathek
Châteauroux – Mediathek

Ich erreiche die ersten Ausläufer des Massif Central. Nach einer etwas trostlosen Landschaft beginnt sich die Gegend allmählich zu verändern. Zwischen Tälern, Mulden und Buckeln schlängelt sich der Asphalt der ehemaligen N20 durch Wälder, umgeben von Feldern, auf denen hübsche hellbraune Limousin-Kühe grasen.

Von Châteauroux aus sind es nur ein paar Kilometer bis nach Argenton-sur-Creuse, das auch als „Klein Venedig“ des Berry bezeichnet wird. Ich finde das Städtchen, dessen alte Häuser mit einem besonders malerischen Charakter und mit den schönen Galerien sich in der Creuse spiegeln, sehr hübsch.

Argenton-sur-Creuse

Hinter Argenton-sur-Creuse verschwindet die historische Nationalstraße nach wenigen Kilometern unter dem Asphalt der Autobahn. Und ich nähere mich der zweiten Großstadt dieser Reise: Limoges, die Hauptstadt des Porzellans. Die Hauptattraktion der Stadt, die Kathedrale Saint-Étienne, ist ein bedeutendes Beispiel der gotischen Kunst. Neben der Kathedrale liegen die Bischofsgärten, wundervolle Terrassengärten , die den Fluss Vienne überragen. Ein idealer Ort zum Schlendern und Innehalten.

Ein weiterer touristischer Höhepunkt von Limoges ist das malerische Viertel „La Boucherie“. Früher befanden sich viele Fleischstände in diesem Stadtteil, was dem Viertel den Namen gab.

Limoges - Cathédrale Saint-Étienne
Limoges – Cathédrale Saint-Étienne
Limoges - Cathédrale Saint-Étienne
Limoges – Cathédrale Saint-Étienne
Limoges - Cathédrale Saint-Étienne
Limoges – Cathédrale Saint-Étienne
Limoges - Cathédrale Saint-Étienne
Limoges – Cathédrale Saint-Étienne
Limoges - Quartier de la Boucherie
Limoges – Quartier de la Boucherie
Limoges - Quartier de la Boucherie
Limoges – Quartier de la Boucherie

Die D920 windet sich in einer ländlichen Landschaft aus Feldern und Wäldern und ich erreiche Uzerche, ein kleines mittelalterliches Städtchen, das auf einem Felsvorsprung mit Blick auf den Fluss Vézère erbaut wurde. Es ist schön, die steilen Treppen und Durchgänge zu erkunden und alte Steinhäuser und Fachwerkhäuser, die alle mit blühenden und duftenden Blumen geschmückt sind zu bestaunen. Die Zeit ist hier stehen geblieben und ich lasse mich ziellos durch die Gassen treiben, um diese hübsche Stadt voller Charme zu entdecken.

Uzerche
Uzerche
D920 bei Uzerche

Brive-La-Gaillarde ist dagegen eher nüchtern. Im Herzen des historischen Zentrums entdecken ich die Stiftskirche Saint-Martin, für mich architektonisch und kunsthistorisch nicht besonders aufregend. Das Städtchen ist ganz nett, einige wenige Restaurants laden zum Verweilen.

Brive-La-Gaillarde
Brive-La-Gaillarde – Saint-Martin
Brive-La-Gaillarde
Brive-La-Gaillarde

Die D920 steigt und windet sich hinter Brive Richtung Süden. Gleich hinter Brive-La-Gaillarde Richtung Souillac ist das nur noch ein Sträßchen. Über mehrere Kilometer mit einer 30er Geschwindigkeitsbegrenzung – schneller würde auch nicht gehen bei den steilen Serpentinen nach oben, und den rasanten Abfahrten nach unten. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Fahrzeuge in den 60er und 70er Jahren hier an ihre Grenzen gekommen sind. Mit kochendem Kühlwasser die Berge hinauf und mit heißen Bremsen nach unten. Die vielen Autowerkstätten am Weg hatten sicher alle gut zu tun.

Im Sommer stehen in Souillac alle Urlauber Europas im Stau, der an die „schweren“ Stunden der N20 erinnert. Eine plausible Erklärung: die parallele Autobahn A20 ist gebührenpflichtig geworden.

In Souillac fahre ich den örtlichen Stellplatz an. Hier gibt es Strom und ich kann meine Klimaanlage starten. Es ist unerträglich heiß: im Schatten 36 Grad, im Wohnmobil 42! und mit Kühlung sind es noch sehr erträgliche 25 Grad.

Ich telefoniere mit dem örtlichen Reifenhändler, denn das Wohnmobil braucht dringend auf der Vorderachse neue „Schuhe“. Da ich ganzjährig Winterreifen fahre (damit komme ich auch schon mal aus einer nassen Wiese wieder raus), müssen die Teile bestellt werden. Und Monsieur wundert sich, dass er im Hochsommer Winterreifen bestellen muss. Aber übermorgen sollen sie da sein.

Heute war so ein richtig gebrauchter Tag. Ich fahre zu meinem Termin zum Reifenhändler um die Reifen zu wechseln. Aber … die Reifen sind nicht da. Angeblich noch auf dem LKW, aber keiner weiß genau wo der gerade ist und wann er kommt. Vorsichtshalber telefoniert der Chef noch mit dem Großhändler und der meint, dass die Reifen schon gestern geliefert wurden. Und tatsächlich, im Lager stehen sie, bereit zur Montage. Ordnung wäre das halbe Leben! Ich setze mich nebenan ins Kaffee und warte bis alles fertig ist. Nach einer Stunde ist alles perfekt erledigt.

Ich will noch einmal nach Brive-La-Gaillarde zurückfahren (das sind nur ein paar Kilometer). Meine Free-Telefonkarte ist abgelaufen und ich muss dringend den Gastank auffüllen. Beides kann ich in Brive erledigen. Die Free-SIM-Karte gibt es in einem Automaten in einem „Tabac-Laden“ (der Automat hier am Ort ist kaputt!). Es dauert, bis ich in Brive einen Parkplatz finde, denn die halbe Innenstadt ist mit Parkverbotschildern versehen. Auf dem großen Parkplatz in der Stadtmitte stehen hunderte von Kühen und Ochsen (vierbeinige). Als ich dann nach einem langen Fußmarsch zu dem besagten Tabac-Laden komme, werde ich mit einem kleinen Schild begrüßt: „Wir freuen uns, sie am 1. September wieder begrüßen zu dürfen“. Na toll. Wenigstens ist direkt daneben ein kleines, aber feines Restaurant!

Etwas außerhalb von Brive soll es in einem Einkaufszentrum noch einen Free-Automaten geben. Also los, der Laden ist schnell gefunden, der Automat funktioniert und ich kann mir die neue Telefonkarte kaufen. Als ich sie dann ins Smartphone einlege wird sie nicht erkannt. Offensichtlich kaputt das Ding. Jetzt muss ich herausfinden, wo auf meiner Strecke ein Free-Laden ist, damit ich das Gelumpe reklamieren kann.

Gleich nebenan gibt es an der Supermarkttankstelle auch LPG-Gas. Aber nur wenn man vormittags kommt, denn die Kasse ist nur bis 13 Uhr besetzt. Oh Mann! Ein paar Kilometer weiter gibt es an einer Total-Tankstelle LPG-Gas. Ja, wenn nicht der Zapfhahn defekt ist und der Monteur zur Reparatur irgendwann mal aufkreuzt. Also fahre ich notgedrungen auf die (gebührenpflichtige) Autobahn, denn an der dortigen Tankstelle kann ich dann endlich meinen Gastank füllen.

Ich fahre nochmal zurück zum Reifenhändler um die Radmuttern nachziehen zu lassen. Und das ist dann auch das einzige, was heute problemlos funktioniert.

Hinter Souillac schlängelt sich die RN20 (als D820) am Rand des Causse de Gramat entlang bis nach Cahors. Eigentlich sehr gut erhalten und stark befahren, da die angrenzende A20 gebührenpflichtig ist. Und sie ist über lange Strecken wechselseitig 2-spurig. Früher waren die drei Spuren nicht voneinander abgegrenzt. Die mittlere Spur konnte von jeder Fahrtrichtung zum Überholen benutzt werden. Schwerste Unfälle waren vorprogrammiert. Eingeschert beim Überholvorgang ist immer derjenige mit den schwächsten Nerven.

Cahors ist berühmt für seine Weinberge und seine Gastronomie, für Trüffel und Gänseleber und allem was sich daraus anfertigen lässt. Das Besondere an Cahors ist die Lage auf einer Halbinsel in einer Schleife des Lot. Das bekannteste Bauwerk der Stadt ist die Brücke über den Fluss (gebaut im 14. Jahrhundert, heute Welterbe der UNESCO). Das Einmalige der Brücke sind die drei Brückentürme. Das gibt es so angeblich sonst nirgends.

Das zweite bedeutende Bauwerk von Cahors ist die majestätische Kathedrale Saint-Etienne mit zwei Kuppeln und einem schönen romanischen Portal mit prächtigem Tympanon.

Cahors
Cahors
Cahors - Cathédrale Saint-Etienne
Cahors – Cathédrale Saint-Etienne
Cahors – Cathédrale Saint-Etienne

Die alte N20 ist für den Reisenden zwischen Cahors und Montauban teilweise trist und langweilig. Über viele, viele Kilometer zeigt das Asphaltband kerzengerade nach Süden. Nicht die kleinste Kurve schafft Abwechslung. Einzig eine Handvoll Abschnitte mit alleeartigen Bäumen können mein Gemüt ein bisschen aufhellen.

Der französische Staatspräsident Georges Pompidou persönlich hat 1970 die folgende Anweisung gegeben: „Frankreich ist nicht nur dafür geschaffen, Franzosen das Autofahren zu gestatten, und bei aller Bedeutung von Verkehrssicherheitsproblemen sollte dies nicht dazu führen, dass seine Landschaft verunstaltet wird. Der Schutz der entlang der Straßen gepflanzten Bäume, und ich denke dabei besonders an die prächtigen, von Platanen gesäumten südlichen Straßen, ist unabdingbar für die Schönheit unseres Landes, für den Schutz der Natur, für den Schutz einer menschlichen Umwelt“

Und es sind die mit Platanen gesäumten Alleen, die Südfrankreich so schön und einzigartig machen!

D820 bei Caussade

In einer Landschaft die zunehmend von der Hitze des Südens geprägt ist, führt die Straße entlang der Festungsstadt Montpezat-du-Quercy und nähert sich Caussade (ein Städtchen, das einmal für ein Drittel der Hutproduktion von ganz Frankreich verantwortlich war), wo die weite Ebene der Garonne und ihrer Nebenflüsse beginnt. Und von hier sind es nur noch wenige Kilometer bis nach Montauban.

In Montauban gibt es einen Laden des Telefonanbieters Free. Also nichts wie hin, um die nicht funktionierende SIM-Karte zu reklamieren. Die junge Dame kann es gar nicht glauben, dass die Karte nicht funktionieren soll. Also wird sie von ihr erstmal in mein Smartphone gesteckt. Wenn ich eines nicht leiden kann, dann sind es fettige Fingerabdrücke auf meinem Smartphone-Bildschirm. Die Dame muss sich grade erst die Hände eingecremt haben. Bäh! Die SIM funktioniert nicht, wie von mir reklamiert. Dann wird sie halt in einem anderen Handy des Geschäfts ausprobiert. Funktioniert nicht. Dann halt noch mal eben in einem anderen Smartphone. Ebenfalls nicht. Und die junge Dame kommt zu der glasklaren Analyse: die Karte ist defekt! Der Austausch funktioniert erst, nachdem ich sehr energisch geworden bin. Trotzdem muss ich für den Materialwert der SIM-Karte bezahlen. Unterirdisches Serviceverhalten! Ach ja, die neue SIM-Karte funktioniert!

Montauban ist eine wunderbare Stadt! Das Zentrum bildet der Place Nationale. Der ist umgeben von einem doppelreihigen, gewölbten Laubengang und Häusern mit eleganten Backsteinfassaden. Rund um den Platz laden kleine Fußgängerstraßen mit Geschäften zum Shoppen und Flanieren (und zum Geld ausgeben) ein. Ein Spaziergang durch das alte Montauban ist eine Entdeckungsreise vorbei an schönen Bauwerken wie die Kirche Saint-Jacques mit ihrem tollen achteckigen Glockenturm im typisch südfranzösischen Toulouse-Stil, der alten Brücke über den Tarn, der Kathedrale und vielen wunderschönen Patrizierhäusern.

Montauban
Montauban - Place Nationale
Montauban – Place Nationale
Montauban - Place Nationale
Montauban – Place Nationale
Montauban - Place Nationale
Montauban – Place Nationale
Montauban
Montauban
Montauban - Cathédrale Notre-Dame-de-l'Assomption de Montauban
Montauban – Cathédrale Notre-Dame-de-l’Assomption de Montauban

Mitten auf dem Place Nationale ist ein großer Springbrunnen, fast schon ein Wasserkunstwerk. Wer möchte, und das sind vor allem die Kinder, kann sich ungestört darin austoben. Nur die Schuhe musss man sich vorher ausziehen. Und am Ende sind alle pitschenass!

Montauban - Place Nationale - Wasserspiele
Montauban – Place Nationale – Wasserspiele
Montauban - Place Nationale - Wasserspiele
Montauban – Place Nationale – Wasserspiele

Südlich von Montauban ist ein großer Teil der historischen Route unter der Autobahn A20 begraben. Ich bin noch viele Kilometer von Toulouse entfernt und doch ist der höllische Verkehr rund um die Hauptstadt von Okzitanien bereits zu spüren! Ich will nicht direkt in das Zentrum von Toulouse fahren, sondern zum Luftfahrtmuseum AEROSCOPIA einige Kilometer vor der Stadt. Hauptsächlich zieht es mich hierher, weil es einen kleinen Parkplatz für Wohnmobile gibt und weil ich von hier mit der Tram in die Innenstadt fahren kann.

Das Museum befindet sich in der Nähe des internationalen Flugplatzes von Toulouse. Und der ist geschichtsträchtig. 1919 war er der Ausgangspunkt der ersten Luftpostroute nach Marokko und der Aéropostale in Richtung Südamerika. Heute ist es bekannt für die Airbus-Werke und eben für das Aerospace Museum.

Ich mache nur ein paar Fotos „über den Zaun“ denn ich habe Toulouse im Visier. Die „rosa Stadt“, denn hinter ihren schönen Backsteinmauern gibt es so viel zu sehen und zu entdecken. Ich marschiere also vom Parkplatz des Museums zur Straßenbahnhaltestelle (gute 10 Minuten) und will mir eine Fahrkarte lösen. Das Display des Automaten ist so ungünstig angebracht, dass ich bei bestem Willen nichts darauf erkennen kann, weil der Bildschirm zu stark spiegelt. Ich bitte eine tiefverschleierte Frau (die gut einen Meter kleiner ist als ich) mir zu helfen. Aus einem anderen Blickwinkel könnte das mit dem Display ja passen. Natürlich hilft sie mir, aber dann kommt auch schon die Tram, sie will, zusammen mit ihrem kleinen Sohn, schnell einsteigen und sie bedeutet mir, ich solle einfach auch mitkommen. Ohne Fahrschein. Sie hätten auch keinen!! In der Innenstadt kaufen wir dann zusammen mein Tagesticket (die „Schwarzfahrt“ wurde also nachträglich bezahlt). Und dann verschwindet sie in der Metro Station, indem sie einem Rollstuhlfahrer hilft und so ohne Kontrolle und ohne Fahrschein zu den Bahnsteigen kommt. Clever. Ich finde es nur bedenklich, dass ihr kleiner Sohn von Kindheit an „bescheißen“ lernt!

Toulouse - AEROSCOPIA
Toulouse – AEROSCOPIA – Concord

Toulouse ist groß, laut, hektisch und wunderschön! Hier ließe es sich bestimmt gut leben. Die Straßen sind voller Leben und in der historischen Altstadt verführen eine große Anzahl von Cafés und Boutiquen zum schlendern, schauen und verweilen.

Ich komme mit der Tram direkt in das Zentrum (Place de Justice) und kann von hier aus die Sehenswürdigkeiten erlaufen. Aber es sind große Entfernungen zu gehen. Auf dem Rückweg nehme ich die Metro und mit der Straßenbahn geht es wieder zurück zum Aerospace und zum Wohnmobil.

Toulouse - Pont Saint-Pierre und Kuppel von La Grave
Toulouse – Pont Saint-Pierre und Kuppel von La Grave
Toulouse - Cathédrale Saint Etienne
Toulouse – Cathédrale Saint-Étienne
Toulouse - Cathédrale Saint Etienne
Toulouse – Cathédrale Saint-Étienne
Toulouse – Cathédrale Saint-Étienne
Toulouse - Capitole
Toulouse – Capitole
Toulouse - Basilique Saint-Sernin
Toulouse – Basilique Saint-Sernin
Toulouse
Toulouse
Toulouse
Toulouse

Die ganze Nacht über bin ich auf dem riesigen Parkplatz am Museum ganz alleine. Und ich sehe tatsächlich eine der wenigen legendären Transportflugzeuge von Airbus: die Beluga. Ich bin so überwältigt, dass ich sogar das Fotografieren vergesse!

AIRBUS BELUGA – © Stéphane Chadourne

Zu beiden Seiten der N20 liegt kurz vor Pamiers das ehemalige Internierungslager „Camp du Vernet“, das Lager der Unerwünschten. Zwischen Februar 1939 und Juni 1944 schritten etwa 30.000 Menschen aus allen fünf Kontinenten über die Bahnsteige von Le Vernet d’Ariège. Der Bahnhof war Teil eines Lagers zwischen Saverdun und Pamiers. Seit 1992 ist es ein Nationaldenkmal. Die dreiteilige Anlage mit Bahnhof, Friedhof und Museum steht damit als „Mémorial National des Camps d’Internement en France“ stellvertretend für alle Internierungslager Frankreichs.

1918 wurde es für die österreichischen und deutschen Gefangene des Ersten Weltkrieges gebaut und später als Militärdepot verwendet. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden ab Oktober 1939 alle feindlich eingestuften Ausländer und Franzosen nach Le Vernet verbracht und unter schrecklichen Bedingungen interniert. Es waren deutsche und französische Kommunisten, Italiener, ausländische Juden, Elsässer, Lothringer, Weißrussen, Bolschewiki und belgische Faschisten. Sie wurden aufgrund ihrer politischen Einstellung, ihrer Teilnahme am Widerstand oder ihrer jüdischen Abstammung inhaftiert.

Vom Lager selbst ist nicht mehr viel zu sehen. Das Museum gibt mir aber einen guten, aber schrecklichen Eindruck über die Ausmaße und die damaligen Zustände.

Camp du Vernet
Camp du Vernet
Camp du Vernet
Camp du Vernet
Camp du Vernet
Camp du Vernet

Und dann tauchen sie im Dunst des Horizonts auf: die Pyrenäen. Ich habe die ersten Ausläufer erreicht. Noch in weiter Ferne, aber das Ziel meiner Reise kommt näher. Meine Stimmung steigt, aber das baldige Ende meiner Fahrt macht mich auch ein bisschen traurig.

Ich nähere mich Foix und sehe seit vielen, vielen Kilometern wieder einmal das rote Wegweiser Schildchen der N20. Die originale Straßenbezeichnung wird mich ab jetzt wieder bis zur Staatsgrenze von Andorra begleiten.

Der Parkplatz des riesigen Krankenhauskomplexes der Region Foix bietet sich zum Übernachten an. Ein Platz größer als mehrere Fußballfelder. Und ich, nachts, mutterseelenalleine mittendrin. Und dann kommt das angekündigte Unwetter. Sintflutartiger Regen, Sturmböen die das Wohnmobil mehr als nur schaukeln lassen, und im Sekundentakt Blitz und Donner in aller nächster Nähe. Oh Mann habe ich Schiss! Und die Weltuntergangsstimmung dauert die ganze Nacht bis in den Morgen. Ich mache die ganze Nacht kein Auge zu. Und ob so eine Pappschachtel von Wohnmobil wirklich als Faradayscher Käfig schützt, kann ich nur hoffen!

Lost Place bei Foix
Lost Place bei Foix

Das herausragende Bauwerk von Foix ist die Burg. Wuchtig und sehr wehrhaft thront die mittelalterliche Festung auf einem hohen Felsen weit über dem Städtchen . Sie ist schon von Weitem das Erkennungszeichen des Örtchens. Ein erstes Bollwerk gegen das nahe Spanien. Der Weg hinauf ist recht steil und mühsam, aber von dort oben habe ich einen schönen Ausblick auf die Stadt im Tal der Ariège. Die kleine Altstadt lässt sich dagegen gut zu Fuß erkunden.

Foix - Château
Foix – Château
Foix
Foix

Mir ist Foix vor allem durch die „Tour de France“ ein Begriff. Viele Male war die Stadt Start- oder Zielort der Tour auf dem Weg in die Pyrenäen. Ein Radsportfan hat ein ganzes Schaufenster mit alten Fotos der Tour dekoriert. Das seltsam-schöne Gefühl der Tour de France überkommt mich …

Foix - Tour de France Dekoration
Foix – Tour de France Dekoration

Vorbei an Tarascon komme ich nach Ax-les-Thermes. Die 720 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Stadt ist mit ihren vielen heißen Quellen ein anerkannter Kurort: Es gibt tatsächlich mehr als fünfzig davon! Die Wasserquellen, welche die Stadt mit Temperaturen zwischen 18 und 77 Grad versorgen, werden seit langem für die Behandlung von Atemwegsinfektionen geschätzt.

Die RN20 verlässt Ax-les-Thermes und schlängelt sich durch Schluchten Richtung Andorra und Spanien. Und dann teilt sich die RN20 endgültig um die jeweiligen Ziele zu erreichen: die andorranische und die spanische Grenze. Hier, vor den Toren Spaniens, bin ich 864 km von Notre-Dame de Paris und 171 km von Barcelona entfernt. Die Landschaft ist grandios und beeindruckend.

RN 20 Richtung Andorra
RN 20 Richtung Andorra
Pyrenäen bei Andorra
Pyrenäen bei Andorra

Auf der Passhöhe erreiche ich bei L’Hospitalet-près-l’Andorre die Staatsgrenze nach Andorra. Und das Einkaufsgebiet für alle, die legale Drogen billig einkaufen wollen. Zigaretten, Tabak, Parfüm, Uhren und vielen Krimskrams. Die Parkplätze sind voll, die Franzosen kommen in Scharen. Und auf der Paßstrasse (2401 Meter) von Frankreich her fahren unzählige Tanklastwagen mit Benzin oder Diesel beladen nach Andorra. Denn dort kann man genau diesen französischen Sprit 40 Cent billiger Tanken. Verrückt.

Andorra la Vella, die Hauptstadt, liegt auf knapp 1010 Höhenmetern im Südwesten des kleinen Landes Andorra. Von der Passhöhe aus geht es also erst mal 24 Kilometer lang runter. Zu den bekanntesten historischen Gebäuden von Andorra la Vella zählen die Kirche Sant Esteve aus dem 12. Jahrhundert und der ehemalige Parlamentssitz Casa de la Vall. Beides eingepfercht in Straßenschluchten wo große Modelabels und lokale Designer um die Gunst der Ausflügler und Urlauber buhlen, denn Andorra la Vella ist aufgrund der Steuervergünstigungen eine beliebte Shoppingstadt. Ich empfinde die Hauptstadt von Andorra überhaupt nicht attraktiv. Schade!

Andorra la Vella - Sant Esteve
Andorra la Vella – Sant Esteve
Andorra la Vella
Andorra la Vella

864 Kilometer bin ich der Strecke der Route Nationale gefolgt. Bin ich am Ziel angekommen? Der Weg war das Ziel und die Nostalgie und die Sehnsucht! Ich bin glücklich über diese Reise. Mein Horizont hat sich erweitert, mein Blick geweitet und ich fühle mich bereichert. „C’était merveilleux“.

Route Nationale 20
Route Nationale 20
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