Route Nationale 7

Route Nationale 7 – Teil I

Von Paris nach Lyon

Die Route Nationale 7 beginnt, wie in Frankreich nicht anders zu erwarten, in Paris. Mitten in Paris. Genau vor der Cathédrale Notre-Dame. Alle französischen Nationalstraßen haben exakt hier ihren Startpunkt. Und die bekannteste und längste ist die mit der Nummer 7. Die alte Route Nationale 7, Achse und Lebensnerv aus der Vor-Autobahnzeit, um den geliebten Süden zu erreichen. Plaisir und Tortur zugleich – Plaisir für Auge und Gaumen, wenn man sich die Zeit dafür nahm, Tortur in meist sengender Hitze, natürlich ohne Klimaanlage, mit oder ohne quengelnde Kinder. Und häufig genug im Stau!

Point Zero – Paris ©Wikipedia
Point Zero – Paris ©Wikipedia

So kenne ich die Route Nationale 7 noch selbst von meinen Besuchen als Austauschschüler einer Städtepartnerschaft in den späten 1960er Jahren. Dann fiel die N7 der Autobahn und der Politik zum Opfer. Heute lässt sich auf den Resten dieser Fernstraße bei einem Nostalgie-Trip in den Süden Frankreichs das ganze Land regelrecht erfahren.

Die „Route Nationale 7“, in den fünfziger Jahren besungen von Charles Trenet, das war in Frankreich Jahrzehnte lang ein anderes Wort für Urlaub, besonders für die riesige Menge Menschen, die im Großraum Paris und Lyon lebten. Sonnengarantie und Urlaubssträume beflügeln die Franzosen von jeher, in den Ferienmonaten Juli oder August an die Mittelmeerküste zu fahren.

In den frühen 1970er Jahren hat sich auch der englische Folksänger Colin Wilkie mit dem Flower-Power-Trip an die Mittelmeerküste in einem seiner bekanntesten Lieder verewigt. Und er hat mit diesem Lied viele alternative Tramper und Lebenskünstler auf ihrem Autostopp-Trip in den Süden begleitet („The National Seven“ auf der LP Sunflower-Seed).

Meine Frau und ich starten meine Nostalgietour nicht am „Point Zero“ in Paris, sondern auf dem Campingplatz „Camping International de Maisons Laffitte Paris“. Großstädte mit dem Wohnmobil anzufahren ist ja grundsätzlich schon keine gute Idee, ganz besonders aber im Verkehrswahnsinn von Paris. Aber eine Runde auf dem Kreisverkehr um den Arc de Triomphe wäre schon „cool“ gewesen … wenn man versteht, wie Kreisverkehre in Frankreich funktionieren.*

* Franzosen sind einfach „Könner“ im Kreisverkehr fahren. Jeder, der schon einmal in Paris den Verkehr am Arc de Triomphe beobachtet hat, wundert sich immer wieder, dass es nicht „knallt“. Aber wer die Regeln beherrscht wird bald merken, wie zügig es im Kreisverkehr vorwärts geht. Bei mehrspurigen Kreiseln haben Fahrzeuge auf den Innenspuren Vorfahrt, ein im äußeren Kreis Fahrender muss Rücksicht nehmen! Die meisten Kreisverkehre sind zweispurig, jedoch sind die Spuren nicht immer durch Markierungen gekennzeichnet. Beim Einfahren links blinken, wenn man über die Hälfte im Kreisverkehr fahren will, beim Rausfahren vor der gewünschten Ausfahrt dann rechts blinken. Oft gehen vom Kreisverkehr die Ausfahrten auch zweispurig ab. Hier ist besondere Vorsicht geboten. Wer auf der äußeren Spur fährt und an der nächsten Ausfahrt den Kreisel nicht verlassen will, setzt zur Vorsicht den Blinker nach links, um dem Fahrer auf der Innenspur und dem einfahrenden Verkehr zu signalisieren, dass er im Kreis bleibt.

Der Campingplatz „Camping International de Maisons Laffitte Paris“ liegt nördlich von Paris und ist über die Autobahn schnell und einfach zu erreichen. Wir haben uns einen Platz reserviert, der Weg in die Innenstadt ist nach einen kurzen Fußweg zum Bahnhof mit der RER in gut 25 Minuten geschafft. Es gibt im Einzugsgebiet von Paris noch den Campingplatz im Bois du Boulogne (Camping de Paris), der ähnlich verkehrsgünstig liegt (von dort geht es mit Bus und Metro in die Innenstadt), sich aber je nach Tageszeit innerhalb der Umweltzone befindet.

Paris - Sacré-Cœur de Montmartre
Paris – Sacré-Cœur de Montmartre
Paris - Arc de Triomphe de l’Étoile
Paris – Arc de Triomphe de l’Étoile
Paris - La Defence
Paris – La Defense
Paris - Panthéon
Paris – Panthéon
Paris - Louvre
Paris – Louvre

Wir bleiben über die Osterfeiertage in Paris, pendeln jeden Tag mit der RER vom Campingplatz in die Innenstadt und lassen uns, meistens per Pedes, zu den Sehenswürdigkeiten treiben. Am Ostermontag bringe ich meine Frau zum TGV Bahnhof nach Massy (das liegt ganz im Süden schon etwas außerhalb von Paris) und am nächsten Tag beginne ich meinen Nostalgietrip auf den N7 Richtung Süden.

Beim durchqueren der Millionenstadt habe ich schon den ersten authentischen Eindruck von damals: Stau! Trotzdem – meine Stimmung steigt. Ich bin auf dem Weg in den Süden. Meine Navi führt mich mitten durch die Stadt. Ich komme, vorbei an La Defense, dem Triumphbogen immer näher. Und somit auch dem berühmt berüchtigten Kreisverkehr am Place Charles-de-Gaulle. Aber Gott sei Dank geht es dann doch rechtzeitig rechts ab auf den Boulevard Périphérique. Dann vorbei an Villejuif, der ehemaligen Judenstadt. Heute sehe ich auf den Straßen der Banlieue überwiegend Menschen mit nicht französischem Ursprung: Araber, Asiaten. Weiter zum Flughafen Orly, dessen Terminal die ehemalige N7 in einem vielspurigen Tunnel unterquert. Dann durch Évry, wo die Gesichter der Männer noch dunkler und die Schleier der Frauen noch dichter werden, und ich erreiche Fontainebleau.

Über handballgroße Steine der Zufahrt zu meinem Übernachtungsplatz holpere ich zu einem etwas abseits gelegenen Eingang zum Schlosspark. Unter einer Lindenallee stehe ich einige Tage herrlich ruhig und einsam (Achtung: die Türe zum Schlosspark wird um 18 Uhr geschlossen). Von hier aus geht es direkt durch die herrlichen Grünanlagen zum Schloss oder in die sehenswerte Altstadt.

Das Schloss Fontainebleau ist seit 1981 UNESCO-Welterbe welches fast 1000 jährige Geschichte vereint und das einzige Schloss ist, das von allen französischen Königen und Kaisern zwischen dem zwölften und neunzehnten Jahrhundert bewohnt wurde. Entsprechend üppig und prunkvoll ist die sehenswerte Innenausstattung. Napoleon selbst sorgte für die Wiederherstellung des Schlosses Fontainebleau, indem er es sofort nach der Französischen Revolution wieder komplett möblieren ließ und wieder bewohnbar machte.

Fontainebleau - Château
Fontainebleau – Château
Fontainebleau - Château
Fontainebleau – Château
Fontainebleau - Château
Fontainebleau – Château

In Fontainebleau gibt es noch eines dieser wunderschönen uralten Kinderkarussells, wahrscheinlich Anfang 1900 erbaut (und bestimmt hin und wieder renoviert). Generationen von Kindern sind schon damit gefahren. Und vor dem Karussell warten und winken die Kinder von damals, die heute Großeltern sind, bis die Enkel juchzend auf den Pferdchen den Schiffchen oder in der Prinzessinenkutsche an ihnen vorbeihuschen.

Fontainebleau - Kinderkarussell
Fontainebleau – Kinderkarussell

Als ich ins Wohnmobil zurückkomme erwartet mich eine unliebsame Überraschung: Hunderte von Ameisen haben sich eine beachtliche Straße gebaut und krabbeln durch die Gegend. Die alle zu erlegen ist nahezu unmöglich … außer man bedient sich der modernen Technik. Die Saugkraft der Dyson Staubsauger ist ja weithin bekannt, und die kleinen Viecher haben gegen den Sog keine Chance. Die meisten überleben die Zentrifugalkraft und ich kann sie draußen, in gebührlichem Abstand zum Wohnmobil, wieder aussetzen. Die Neuankömmlinge begrüße ich mit mit einer Ameisenfalle die ich noch im Kofferraum mit mir herumfahre. Aber ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt, immer wieder meinen „Saugtornado“ einzuschalten. Und es juckt und zwickt mich inzwischen überall …

Am Morgen breche ich auf, durchquere den beeindruckend weitläufigen Wald von Fontainebleau und fahre auf der D2007, der ehemaligen N7 Richtung Süden. Von der originalen Straßenführung ist hier nicht mehr viel erhalten, die neue Straße geht meistens vierspurig nach Nemours. Dort fahre ich über die noch mittelalterliche Kopfsteinpflasterbrücke über den malerischen Fluss Loing. Unterwegs sehe ich immer wieder die alten Hotels oder Restaurants die wohl vor 50 Jahren schon so hier gestanden sind.

D 2007 bei Nemurs - Hotel "Zum goldenen Fisch"
D 2007 bei Nemurs – Hotel „Zum goldenen Fisch“

Kurz hinter Nemours steht in Fontenay sur Loing am Straßenrand noch das kleine Kirchlein „Notre Dame de la Route“. Während die Nationale 7 Rekordbesucher erlebte, beschloss der örtliche Pfarrer, diese Kapelle schon 1954 zu eröffnen, um Autofahrern auf der Durchreise einen Ort der Besinnung zu bieten. Kunstgeschichte gibt es hier nicht zu sehen. Es ist ein Zwischenstopp, Zeit für ein Gebet oder Meditation, ein Ort zum Ausruhen auf dem Weg. Der Türe ist für Reisende immer offen, was dazu führte, dass in einem Sommer die Holzstatue der Notre Dame gestohlen wurde. Welke Blätter sind in den kleinen Innenraum geweht, frische Blumen stehen am Altar. Es scheint sich doch jemand um das Kirchlein zu kümmern. Und es ist herrlich kitschig.

Fontenay sur Loing - Notre Dame da la Route
Fontenay sur Loing – Notre Dame da la Route
Fontenay sur Loing - Notre Dame da la Route
Fontenay sur Loing – Notre Dame da la Route

In Montargis entdecke ich eine Pralinen- und Schokoladenmanufaktur „Maison de la Prasline Mazet“. Ich muss jedem Liebhaber von süßen Naschereien dringend davor abraten, hierher zu kommen! Wunderbare Köstlichkeiten in einem Ladenlokal aus dem 19. Jahrhundert.

Montargis - Maison de la Prasline Mazet
Montargis – Maison de la Prasline Mazet

Nur wenige Schritte vom meinem Übernachtungsplatz entfernt ist in Briare die Brücke des Schifffahrtskanals “Canal de Briare” über die gut 20 Meter darunter liegende Loire . Die Kanalbrücke (663 Meter lang) ist eine Metall-Konstruktion aus dem Jahr 1896 von Gustave Eiffel (der auch den Eiffelturm in Paris konstruiert hat). Das Netz der alten Kanäle und Wasserstraßen dient heute als Yachthafen der Stadt. Hier kann von den Booten und Schiffen über die Brücke vom Kanal auf die Seine gewechselt werden.

Die Loire mäandert hier zwischen weiten Sandbänken und sucht sich selbständig ihren Weg zum Meer. In Deutschland gibt es so etwas fast nirgends mehr: ein Strom, unbegradigt, unkontrolliert und wild, nicht für die Schifffahrt nutzbar und nahezu ohne kommerzielle Verwertung.

Eines der beiden Kanalwärterhäuschen ist zu einem Ausflugslokal umgebaut worden. Und auch hier muss ich vor den wunderbaren Kuchen, Pralinen und sonstigen Köstlichkeiten warnen!

Briare
Briare
Briare
Briare – Ortsdurchfahrt N7
Loire bei Briare
Loire bei Briare

Bei meinem Stadtbummel durch Briare entdecke ich die Reklame des örtlichen Rundfunksenders. Der sendet zeitgemäß nur Online, bedient sich in seinem Namen aber trotzdem der alten „Route Nationale 7“. Und in einem Kaffeehaus von Briare sehe ich eine Reklame der staatlichen französischen Post, wo sie für einen Briefmarkensatz mit Motiven der „RN7 – La Route de Vacances“ wirbt. Die Straße lebt!!

Briare - Webradio RN7
Briare – Webradio RN7

Ich verlasse Briare Loire aufwärts. Ich habe mir einen USB-Stick mit französischen Schlagern und Chansons der 60er und 70er Jahre bespielt. Und so singt Joe Dassin vom „Champs Elysee“, Gilbert Becaud von seiner „Natalie“ und Herve Vilard von seiner ersten großen Liebe in „Capri C’est Fini“. Und ich schwelge in Erinnerungen …

In Bonny-sur-Loire entdecke ich den ersten Kilometerstein der alten Nationale N7. Stolz steht er am Straßenrand und weist seit Jahrzehnten den Weg.

Kilometerstein in Bonny-sur-Loire
Kilometerstein in Bonny-sur-Loire
Tankstelle in Cosne-Cours-sur-Loire
Tankstelle in Cosne-Cours-sur-Loire

Cosne-Cours-sur-Loire ist ein angenehmes, unaufgeregtes Städtchen. Die N7 ging seinerzeit mitten durch den Ort. Kaum vorstellbar, wie das Stadtzentrum dem Verkehr gerecht werden konnte. Kilometerlange Staus waren an der Tagesordnung.

Heute ist Markttag im Ort. Nicht einer der schönen Bauermärkte, sondern ein großer Markt mit allerhand „fliegenden Händlern“, die Kleider, Blumen, Haushaltswaren, Unterwäsche, Lederwaren und manchen „Nippes“ anbieten. Ich bin überrascht, dass sich das für die Händler lohnt. Ich habe kaum Kunden auch kaufen sehen. Und wer kauft seine Büstenhalter oder Reizwäsche auf dem Markt?

In Cosne-Cours-sur-Loire ist das schönste Kino im Verlauf der N7. Das 1900 erbaute Eden beherbergte zunächst eine Gemeindehalle, bevor es 1915 in ein Kino umgewandelt wurde. Aber erst 1938 wurden seine spektakuläre Art-Déco-Fassade errichtet. Es steht unter Denkmalschutz und wird immer noch von Catherine Deneuve gesponsert.

Kino in Cosne-Cours-sur-Loire
Kino in Cosne-Cours-sur-Loire

Auf der Brücke über den Nohain finde ich einen schön gemalten alten Wegweiser. Ein älterer Herr schaut mir beim Fotografieren zu, wir kommen ins Gespräch, und er erzählt mir, dass er die RN7 noch als Hauptdurchgangsstraße durch den Ort erlebt hat. „C’était horrible“ meinte er. Und er wünscht mir für meine Reise gutes Gelingen und viele Abenteuer. Naja …

Brücke über die Nohain in Cosne-Cours-sur-Loire
Brücke über die Nohain in Cosne-Cours-sur-Loire

Die Dörfchen, die ich heute morgen durchquere sind menschenleer. So leer wie die Straße auf der ich unterwegs bin. Die „neue“ N7 nebenan ist 4 spurig und gut befahren, teilweise sogar als Autobahn klassifiziert. Ich lasse mir Zeit, fahre entspannt und fröhlich meines Wegs. Tempomat auf 60, alles ist gut!

Genau 200 Kilometer von „Point Zero“ in Paris entfernt ist eine Tankstelle. Damals eine halbe Tagesfahrt von Paris. „Les 200 Bornes“ ist heute immer noch eine Tankstelle, aber auch eine Bar und ein kleines Restaurant mit einem preisgünstigen Fernfahrermenü. Damals auch ein kleines Hotel, mit Zimmern „Grand confort“ genannt, also mit Waschbecken und Bidet. Es gab zwei Toiletten für vierzehn Zimmer. Die Dusche hat 12 Franc extra gekostet.

Ich bestelle mir einen Noisette (Espresso mit Milch) und komme mit Monsieur Gontard, dem Besitzer ins Gespräch und ins Schwärmen über die alten Zeiten der N7. So erklärt er mir ausführlich wie das damals so war, und dass vor den Zapfsäulen noch der originale Straßenbelag von damals liegt. Ich bin fasziniert! Ich mag mir das beschriebene Gedrängle der Wartenden die tanken wollten gar nicht vorstellen. Es gab tatsächlich nur zwei Zapfsäulen! Und eine zusätzliche mit Benzin/Ölmischung für die Zweitakter.

Pouilly-sur-Loire - Les 200 Bornes
Pouilly-sur-Loire – Les 200 Bornes

La Charité-sur-Loire ist ein herrlich verschlafener Ort. Aus seiner bedeutenden Vergangenheit als Klosterstadt hat das Städtchen nicht viel bewahren können. Imposant ist die Brücke über die Loire und das ehemalige Kloster, der Ort selbst macht mich melancholisch. Das trübe Wetter trägt seinen Teil dazu bei. Charité-sur-Loire soll sich der Welt des Buches verschrieben haben. Buchhandlungen, Straßenbuchhändler mit alten Büchern, Kalligraphen, Buchmaler und Buchbinder machen aus La Charité-sur-Loire ein bevorzugtes Ziel für alle Leseratten und Sammler.

La Charité-sur-Loire
La Charité-sur-Loire
La Charité-sur-Loire
La Charité-sur-Loire
La Charité-sur-Loire
La Charité-sur-Loire

Mich treibt es weiter, Nevers liegt vor mir. Die am Ufer der Loire gelegene Stadt ist eine Stadt der Kunst und der Geschichte und war ehemaliger Bischofssitz, die von ihrer gotischen Kathedrale überragt wird. Der Fußweg „Blauer Pfad“ ist gespickt mit Hinweisschildern und Lesetafeln und lädt dazu ein, die herausragenden Schmuckstücke von Nevers zu erkunden.

In der Nähe des Stadtparks befindet sich in der Kapelle des Klosters der barmherzigen Schwestern der aufgebahrte Leichnam der Heiligen Bernadette, die als kleines Mädchen in Lourdes angeblich mehrere Marienerscheinungen gehabt haben soll und die hier in Nevers als Klosterschwester gestorben ist.

Nevers
Nevers

In Magny-Cours sind noch viele Wegweiser der ehemaligen N7 gut erhalten oder sogar wieder restauriert worden. Ganz in der Nähe des Dörfchens befindet sich die Automobil- und Motorradrennstrecke von Magny-Cours. Wer möchte und dafür bezahlt, kann auf der Strecke seine Runden drehen. Da ich gegen die aufgemotzten Porsches und Ferraris mit meinem Wohnmobil sowieso keine Chance habe, verwerfe ich den Gedanken an ein kleines Rennen aber schnell wieder.

Magny-Cours
Magny-Cours
Magny-Cours
Magny-Cours
Übernachtungsplatz in Imphy bei Magny-Cour
Übernachtungsplatz in Imphy bei Magny-Cour

In vielen Städtchen und Dörfchen durch die ich fahre, sehe ich auf dem Dorfplatz immer wieder, dass sich am Nachmittag die Boule Spieler einfinden. Plätze, meist unter Platanen oder anderweitig sonnengeschützt, aus Sand oder feinem Kies, nicht immer schön, aber regelmäßig in Gebrauch. Stundenlang sind die Spieler damit beschäftigt, mal ernsthafter oder lockerer, ihrem Freizeitvergnügen nachzugehen. Jeder will dass seine Mannschaft gewinnt, aber zu ernsthaften Auseinandersetzungen oder sogar zu Streit kommt es dabei nicht, auch wenn schon mal ganz genau nachgemessen werden muss, welche der Eisenkugeln der kleinen Zielkugel am nächsten liegt.

Boulespieler
Boulespieler

Moulins ist ein wunderschöner Fleck in Frankreich mit bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten, schönen Plätzen und viel Grün. Moulins erlebte sein goldenes Zeitalter im 15. Jahrhundert, als die Herzöge von Bourbon in der Stadt am Allier residierten. Noch heute wird die Region des nördlichen Zentralmassivs nach ihnen „Bourbonnais“ genannt. Der Name der Stadt bezieht sich auf die Mühlenschiffe, die auf dem Allier noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts verkehrten und für den Transport der Getreideernten aus diesem Teil des Landes zuständig waren.

Moulins
Moulins
Moulins
Moulins – Cathédrale Notre-Dame
Moulins
Moulins – Cathédrale Notre-Dame
Moulins
Moulins – Hugues Aufray, schön dass er noch Konzerte gibt
Moulins
Moulins

Ich kann Moulins nicht verlassen, bevor ich dem Grand Café einen Besuch abgestattet habe. Es wurde 1898 erbaut und seine innere Architektur ist repräsentativ für den Neo-Rokoko-Stil des späten 19. Jahrhunderts. Es ist herrlich hier zu sitzen, seinen Morgenkaffee einzunehmen, ein leckeres frisches Croissant dazu und zu schauen und zu staunen.

Moulins - Le Grand Café
Moulins – Le Grand Café

Mir fällt immer mehr die Vielzahl der Hotels auf, die mich auf meinem Weg begleiten. Viele, sehr viele sind geschlossen, ob vorübergehend oder für immer lässt sich am Zustand der Fassade erahnen. Von Paris kommend hat es sich wohl hier das erste mal gelohnt, essen zu gehen (wenn nicht wie üblich in Frankreich am Straßenrand einfach ein Picknick abgehalten wurde) oder sogar die erste Etappe zu beenden und zu übernachten. Die Anzahl der „Relais routiers“ hat leider ebenfalls stark abgenommen. Das sind die Fernfahrer- und Handwerkerrestaurants, die ein besonders üppiges, und meist auch sehr schmackhaftes Mittagessen anbieten. Auf der „alten“ N7 fahren inzwischen einfach zu wenige LKW. Die sind auf dem vierspurigen Ausbau der N7 anzutreffen. Und so lohnen sich die Bars und Bistros und Hotels für die Besitzer einfach nicht mehr.

Saint-Gérand-le-Puy
Saint-Gérand-le-Puy

Lapalisse empfängt mich mit einer mannsgroßen Tafel des Künstlers Thierry Dubois, dem wohl bekanntesten Cartoonisten der Nationale 7. Das besondere Verhältnis dieses Städtchens zur N7 wird am Ortseingang schon ersichtlich.

Alle 2 Jahre (2022 am 8. Oktober) findet der „Bouchon de Lapalisse“ statt, eine Inszenierung des legendären Staus, wo sich in Lapalisse alljährlich zu Beginn der Schulferien in Frankreich ein kilometerlanger Stau Richtung Süden bildete.

Seit der Eröffnung der Umfahrung um Lapalisse im Jahr 2006, die der täglichen Durchfahrt von 3.000 Lastkraftwagen ein Ende setzte, hat sich die Stadt entschieden, der mythischen Nationalstraße 7 Tribut zu zollen, indem sie die Staus der 50er und 60er Jahre reproduziert. Diese originelle Idee entstand aus einem Treffen zwischen dem Historiker, Zeichner und Enthusiasten der Route Nationale 7 Thierry Dubois und der Gemeinschaft der Gemeinden des Pays de Lapalisse. Hunderte von Oldtimern (Autos, Wohnwagen, Reisebusse, Fahrräder) kommen aus allen Ecken Frankreichs, mit historischen Outfits und Accessoires, um die Stadt wie in den 50er und 60er Jahren zu durchqueren und einen wichtigen Aufbruch in den Urlaub zu simulieren. Szenen aus dieser Zeit werden mit Gendarmen, Mechanikern und Tankwarten nachgestellt (mehr als 1.000 alte Fahrzeuge, rund 3.000 Teilnehmer und fast 20.000 Besucher).

Lapalisse
Lapalisse
Lapalisse – Schloss
© Ville de Lapalisse
Lapalisse
Le grand embouteillage de la Nationale 7

Von Lapalisse geht es weiter nach Süden. Mehr oder weniger entlang der Loire, die hier an manchen Stellen schon mächtig breit ist und erahnen lässt, welch gewaltiger Strom aus ihr werden wird, wenn sie an den Schlössern der Loire und in Nantes angekommen ist.

Roanne ist ein sehr unspektakuläres Städtchen an der Loire. Zu gallo-römischer Zeit war sie wohl bedeutender, sieht man vom gastronomischen Ruf von Roanne heutzutage einmal ab. In der Geschichte der französischen Küche gibt es viele Dynastien. Die Familie Troisgros hat mehr als andere die französische Küche verkörpert. Und sie betreiben seit Generationen ein erstklassiges Speiserestaurant – allerdings außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten!

Roanne
Roanne
Roanne
Roanne
Roanne - Wochenmarkt
Roanne – Wochenmarkt

Nach Roanne wird die N7 immer schmaler, viele Serpentinen führen auf unerwartet hohe Berge, und ich kann mir vorstellen, dass mancher 2CV seinerzeit schwer ins Schnaufen gekommen ist, um den Anstieg zu meistern und dann mit heißen Bremsen die Abfahrt zu nehmen. Noch heute sind auf dem engen Sträßchen in den Haarnadelkurven maximal 30 Stundenkilometer erlaubt.

Lyon, die drittgrößte Stadt Frankreichs (und das zweitgrößte Ballungszentrum), ist wie Paris nur bedingt Wohnmobil tauglich. Ich habe mir auf dem örtlichen Campingplatz (Camping International de Lyon) einen Platz reserviert. Mit dem Bus und der Metro bin ich in knapp einer Stunde im Zentrum. Und ich bin begeistert! Lyon ist eine der schönsten Großstädte die ich kenne!

Ich verbringe mehrere Tage in dieser herrlichen Stadt und ich spüre … Südfrankreich ist nicht mehr weit! Und die ersten 450 Kilometer der „Route nationale 7“ sind geschafft.

Lyon
Lyon
Lyon - an der Saône
Lyon – an der Saône
Lyon - Musée des Confluences
Lyon – Musée des Confluences
Cathédrale Saint-Jean-Baptiste de Lyon
Lyon – Cathédrale Saint-Jean-Baptiste de Lyon
Lyon - Basilika Notre-Dame de Fourvière
Lyon – Basilika Notre-Dame de Fourvière
Lyon - Place des Jacobins
Lyon – Place des Jacobins
Lyon - Wandmalereien (Trompe L'Œil)
Lyon – Wandmalereien (Trompe L’Œil)
Lyon - Wandmalereien (Trompe L'Œil)
Lyon – Wandmalereien (Trompe L’Œil)
Lyon - Docks 40
Lyon – Docks 40
Lyon – Europazentrale euronews
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