Jahresrückblick

Rückblick 2023

4.8
(98)

Das wirklich Bemerkenswerte zum Start in die neue Reisemobil-Saison – wir müssen uns nicht mehr nach “Corona” richten. Endlich scheint dieses Übel ein Ende zu haben und wir können unsere Reisen wieder frei planen!

Bereits Anfang März machen wir uns auf den Weg nach Südfrankreich. In Deutschland ist der Frühling, wie meistens um diese Jahreszeit, noch weit entfernt, auch bei uns im tiefen Südwesten, obwohl das Frühlingswetter hier meist fast 4 Wochen früher beginnt als im übrigen Deutschland.

Die Wetteraussichten für Südfrankreich sind hervorragend. Sonnig, tagsüber bis zu 16 Grad. Unser Ziel ist die “Route du Mimosa”, die Mimosenstraße entlang der Côte d’Azur.

Straße der Mimosen
Straße der Mimosen

Von Ende Januar bis Mitte März ist es wieder soweit. An der südfranzösischen Mittelmeerküste erwacht die Natur und ein berauschender Blütenduft überzieht das gesamte Departement Var und Alpes-Maritimes. In dieser Zeit blühen die zarten gelben Mimosen und verzaubern die Landschaft mit ihrem Frühlingsglanz.

Entlang der “Route du Mimosa” verwandeln die leuchtend gelben Blüten der Mimosen die Landschaft in ein Farbenmeer. Die Sträucher und Bäume mit den flauschigen gelben Blüten bilden einen fantastischen Kontrast zum blauen Himmel, den schneebedeckten Gipfeln der Alpen und dem azurblauen Meer.

Mimosen
Mimosen

Die reizvolle Mimosenstraße führt auf 130 km von Bormes-les-Mimosas über Le Rayol-Canadel-sur-Mer, Sainte-Maxime und Saint-Raphaël nach Mandelieu-la-Napoule und weiter über Tanneron und Pégomas in die Parfümstadt Grasse. Überall duftet es nach Mimosen und die Wälder sind golden!

Wir beginnen unsere Reise in Grasse, fahren also die Route “rückwärts” von Grasse nach Bormes-les-Mimosas. Auf teilweise abenteuerlich schmalen Sträßchen folgen wir den Seealpen der Côte d’Azur, fahren immer wieder steil hinunter zur Küste, um dann wieder über steile und kurvenreiche Anstiege nach Bormes-les-Mimosas zu gelangen.

bei Mandelieu-la-Napoule
bei Mandelieu-la-Napoule
Bormes-les-Mimosas
Bormes-les-Mimosas

Würden wir diese Tour noch einmal machen, wäre es sinnvoll, ca. 2 Wochen früher zu starten, zumindest wenn das Wetter so konstant sonnig ist wie bei dieser Reise. Einige der vielen Mimosenbäume und -sträucher waren leider schon am Verblühen.

Den ausführlichen Bericht über die Reise entlang der Mimosenstraße gibt es hier: Link.

Eigentlich war geplant, dass meine Frau mit dem TGV nach Hause fährt (sie muss leider noch zur Arbeit) und ich weiter an der Mittelmeerküste entlang fahre. Doch daraus wurde nichts, denn die Franzosen hatten beschlossen, in den Generalstreik zu treten. Kein Zug, kein Bus, nichts fuhr mehr. Die Flugpreise ab Nizza oder Marseille stiegen nach der Streikankündigung minütlich ins Unbezahlbare. So blieb nur die gemeinsame Rückfahrt mit dem Wohnmobil nach Staufen.

Le Lavandou
Le Lavandou

Ich habe eine neue Leidenschaft. Ich “sammle” Nationalstraßen. Französische Nationalstraßen. Ich folge ihnen und versuche, die manchmal längst verschwundenen Strecken, ihre Besonderheiten und ihre Veränderungen zu “erfahren” und zu erleben.

Route Nationale
Route Nationale

Ich liebe die alten französischen Nationalstraßen. Die alten Michelin-Schilder, die verblassten Werbetafeln an den Häuserfassaden und alles andere, was den Charme der Straßen von damals ausmacht. Das historische, kulturelle und industrielle Erbe der Städte, durch die diese Straßen führen. Sie sind die würdigen Erben des königlichen und später kaiserlichen Verkehrsnetzes Frankreichs. Jede von ihnen erzählt auf ihre ganz eigene Art und Weise ein Stück der Geschichte Frankreichs.

Schon Anfang April hatte ich wieder Fernweh. Ich fuhr auf der Route Nationale 12 in den Norden Frankreichs.

Route Nationale 12
Route Nationale 12

Wie fast alle Nationalstraßen in Frankreich hat auch die RN12 ihren Ursprung auf dem Platz vor der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Wo sonst? Bien sûr! Ein Schild auf dem Boden markiert den Nullpunkt der wichtigsten französischen Nationalstraßen. Leider trampeln die Touristenhorden darüber hinweg, so dass er viel zu wenig beachtet wird. Aber die Markierung ist auch recht klein und daher leicht zu übersehen.

bei Verneuil-sur-Avre
bei Verneuil-sur-Avre
bei Verneuil-sur-Avre
bei Verneuil-sur-Avre

Die Normandie berührend, die Perche und die zentralen Regionen des Landes überfliegend, führt die historische Nationalstraße 12 in das Land der Menhire … buchstäblich das Ende der Welt!

Die Streckenführung der N12 wurde mehrfach geändert. Vierspurige, standardisierte und seelenlose Ausbauten wurden installiert, die Straße wurde mehrfach zu verschiedenen Departementstraßen herabgestuft und wieder zur Nationalstraße aufgewertet. Ich folge (soweit das noch möglich ist) der Route aus dem Jahr 1963, aus dem Jahr, aus dem meine antiquarische Michelin-Straßenkarte stammt. Die Nationalstraße 12 ist immer noch die Hauptverkehrsader, welche die Bretagne zwischen Brest und Rennes mit Paris verbindet.

In den 1960er Jahren, mit Beginn des bezahlten Jahresurlaubs in Frankreich, wurde die N12 zur Ferienroute in die Bretagne. Pünktlich am 14. Juli machten sich Abertausende aus dem Großraum Paris auf den Weg in den Westen. Noch heute spürt man die Aufbruchstimmung, wenn es damals fast immer mit dem Auto, am liebsten mit den legendären 2 CV oder den Renault 4, 6 oder 8 gen Westen ging. Und mit dem Picknick am Wegesrand (das die Franzosen bis heute lieben).

Ist es noch interessant, diese französische Nationalstraße zu befahren? Ja, unbedingt, bevor alles verschwindet! Ich mache mich auf den Weg und die Nostalgie begleitet mich!

Guingamp
Guingamp

Unterwegs holen mich die Streiks wieder ein. Leider nutzen einige Chaoten die Streiks, um durch Randale auf sich aufmerksam zu machen. Selbst in der Provinz kommt es zu Ausschreitungen. Deshalb habe ich mich schweren Herzens entschlossen, nicht nach Rennes zu fahren. Leider sind dort in den nächsten Tagen schwere Ausschreitungen zu befürchten, der Mob ist wieder aktiv. Ich unterstütze jede gewaltfreie Demonstration, für oder gegen was auch immer. Dass dabei, wie gestern Abend, mehrere Autos angezündet werden, ist der Sache nicht dienlich. Stellplatznachbarn haben mich eindringlich davor gewarnt, nach Rennes zu fahren.

Und so erreiche ich die Bretagne und das Meer, ohne diese schöne Stadt gesehen zu haben (zumindest auf dieser Reise).

Bucht von Saint-Brieuc
Bucht von Saint-Brieuc

Und nach 618 Kilometern von Paris aus erreiche ich das Finistère, einst das Ende der Welt! Meiner alten Landkarte folgend, bin ich durch eine beeindruckende und abwechslungsreiche Landschaft mit schönen Städtchen und liebenswerten Menschen gefahren. Begleitet von Wehmut und Nostalgie!

Den ausführlichen Bericht über die Reise entlang der Route Nationale 12 gibt es hier: Link

Route Nationale 12 (D712) bei Plounévez-Moëdec
Route Nationale 12 (D712) bei Plounévez-Moëdec

Ich habe meine Reise auf der Route Nationale 12 so geplant, dass ich meine Frau in Paris treffen kann. Sie ist mit dem TGV von Straßburg aus in weniger als drei Stunden in der französischen Hauptstadt. Sie hat ein paar Tage Urlaub und wir genießen die Stadt.

Und für mich ist es der Startpunkt einer neuen Tour: Entlang der Route Nationale 10 von Paris nach Biarritz!

Route Nationale 10
Route Nationale 10

Wie die meisten großen Verkehrswege in Europa hat auch die Nationalstraße 10 ihren Ursprung in der Antike. Die Gallier legten hier die ersten Wege an, damit die verschiedenen Stämme miteinander kommunizieren konnten. Die meisten dieser gallischen Wege wurden von den Römern übernommen, um den Durchmarsch der Legionen zu den aufständischen Galliern zu erleichtern. Ab dem 10. Jahrhundert benutzten unzählige Pilger diesen Weg, um nach Santiago de Compostela zu gelangen. Die “Via Turonensis” war die meistgenutzte Pilgerverbindung von Nordfrankreich, Holland und England nach Spanien.

Ende der 1960er Jahre erlebte Frankreich eine Periode außergewöhnlichen Wachstums und Wohlstands. Das Automobil hielt Einzug in die französischen Familien. Der bezahlte Jahresurlaub wurde eingeführt und weckte den Wunsch, die Ferien in den Pyrenäen, am Atlantik oder in Spanien zu verbringen. Damals kam eine Reise von 500 Kilometern auf der Route Nationale 10 einer Expedition ans Ende der Welt gleich. Doch die N10 wurde zur Ferienstraße! Und im Sommer zur Route der Gastarbeiter aus Spanien, Portugal, Algerien und Marokko.

Paris
Paris

Der erste Höhepunkt ist das Schloss von Versailles. Das Schloss ist grandios. Und total überlaufen. Ich bin an einem Samstag hier und obwohl ich mir vorsichtshalber schon eine Eintrittskarte im Internet besorgt habe, muss ich in einer langen Schlange warten, bis ich eingelassen werde. Dann noch eine Ganzkörper-Sicherheitskontrolle … und schon bin ich im Schloss, zusammen mit gefühlt einer Million anderer Besucher. Ganz so schnell geht es dann doch nicht, denn ich muss mich nach und nach von meinem Portemonnaie, dem Schlüsselbund und der Ersatzbatterie für die Kamera in den Jackentaschen trennen. Immer wieder piept das Kontrollgerät. Warum es bei meinem Ersatzschlüssel im Gürtel nicht anschlägt, ist mir im Nachhinein aber doch ein Rätsel.

Versailles
Versailles

Die N10 verläuft teilweise dreispurig in Richtung Süden. Immer abwechselnd zwei Spuren in eine Richtung und eine Gegenfahrbahn, getrennt durch eine durchgezogene Linie. Bis Anfang der 1980er Jahre war das anders. Die mittlere der drei Spuren war für beide Fahrtrichtungen freigegeben. Und man durfte in beide Richtungen überholen … wenn kein Gegenverkehr kam. Viele, zum Teil schwere Unfälle waren zu beklagen, weil man um jeden Preis so lange wie möglich auf der mittleren Spur blieb. Ein echter Nervenkitzel.

Die Höhepunkte dieser Reise waren neben Paris und Versailles die Städte Chartres, Tours, Poitiers und Bordeaux, Und natürlich ganz weit im Süden das Meer.

Chartres - Cathédrale Notre-Dame
Chartres – Cathédrale Notre-Dame
Tours – Place Plumereau
Tours – Place Plumereau
Poitiers – Notre-Dame-la-Grand
Poitiers – Notre-Dame-la-Grand

Am Meer angekommen beginnt die letzte Etappe, das Ende dieser langen Fahrt. Der Kilometerzähler zeigt mehr als 760 Kilometer an. Die N10 endet auf zwei verschiedenen Strecken. Wer es eilig hat bleibt bis zur Grenze in Biriatou auf der Route Nationale. Liebhaber atemberaubender Landschaften und Panoramen wählen die N10c, die der baskischen Corniche bis nach Spanien folgt. In jedem Fall sind diese letzten Kilometer eine angemessene Belohnung für die Reise.

Atlantik bei Biarritz
Atlantik bei Biarritz

An der Grenze wird die Route Nationale 10 in Spanien endgültig zur N-1, der Carretera Nacionale 1, die als spanisches Pendant bis nach Madrid führt oder einer der Ausgangspunkte für den Jakobsweg in Spanien ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Den ausführlichen Bericht über die Reise entlang der Route Nationale 10 gibt es hier: Link

Auvergne
Auvergne

In wenigen Tagen beginnt der Jahresurlaub meiner Frau. Ich fahre wieder gemütlich Richtung Nordwesten nach Bordeaux. Dort treffe ich meine Frau, die mit dem Flugzeug aus Mulhouse kommt. Natürlich will ich sie mit dem Wohnmobil vom Flughafen abholen. Dort sind einige Parkplätze ausgeschildert. Doch ehe ich mich versehe, bin ich auf der Spur zu einem Pkw-Parkplatz. Wenden unmöglich, rechts und links hohe Bordsteine. Und hinter mir eine lange Schlange ungeduldiger Autofahrer. Gott sei Dank gibt es an der Einfahrt keine Höhenbeschränkung, aber die Durchfahrt ist schmal. Sehr schmal. Also klappe ich die Außenspiegel ein und zwänge mich mit 2 Zentimeter Abstand rechts und links durch die Schranke. Aus den Augenwinkeln nehme ich noch die angeschriebenen Parkgebühren wahr. Wahnsinn! Da ahne ich noch nicht, dass der Flieger fast 4 Stunden Verspätung hat. Für die Parkgebühr hätten wir beide fürstlich essen gehen können.

Es ist Anfang Juni … und es ist sehr, sehr heiß. Wir beschließen, in die Auvergne zu fahren. Durch die Höhenlage erhoffen wir uns etwas weniger hochsommerliche Temperaturen. Trotzdem suchen wir uns immer Stellplätze mit garantiertem Stromanschluss aus, wir nennen das nur noch “Klimaanlagen-Hopping”, denn ohne Kühlung ist es im Wohnmobil kaum auszuhalten.

Auvergne
Auvergne

Empfehlenswert ist ein Besuch von Vulcania in der Nähe des Puy de Dôme bei Clermont-Ferrand. Ein weltweit einzigartiger Themen- und Freizeitpark inmitten der Vulkanlandschaft der Auvergne. Das Museum und die multimedialen Präsentationen befinden sich auf verschiedenen Ebenen unter der Erde. Hier kann man die Geheimnisse des Vulkanismus, der Naturphänomene und des Sonnensystems entdecken. Und natürlich fehlen auch einige Attraktionen nicht. Und das alles mit einer guten Prise französischem Kitsch.

Auvergne - Vulcania
Auvergne – Vulcania

Nach drei schönen Urlaubswochen fahren wir gemeinsam mit dem Wohnmobil nach Staufen. Auch weil bei mir einige notwendige Arztbesuche anstehen. Und leider zeichnet sich da schon Unangenehmes ab.

Aber jetzt will ich trotzdem erst einmal wieder los. Schon lange hatte ich mir vorgenommen, der Rhône von der Quelle bis nach Lyon zu folgen. Die Rhône, der wasserreichste Fluss Frankreichs, entspringt am Rhônegletscher im Kanton Wallis im Schweizer Gotthardmassiv. Sie durchfließt die Schweiz und Frankreich und ist mit einer Länge von 812 km (davon 522 km in Frankreich) nach der Loire und der Maas der drittlängste Fluss Frankreichs.

Rhône Verlauf bis Lyon
Rhône Verlauf bis Lyon

Es ist Anfang August. Die Schweizer feiern ihren Nationalfeiertag, entsprechend dicht ist der Verkehr auf der Autobahn Richtung Gotthardtunnel. Ich stecke mitten im Feiertagsstau, obwohl ich eigentlich nur die letzte Ausfahrt der A2 vor dem Tunnel Richtung Furkajoch nehmen muss. Doch dann entschädigen mich grandiose Bergpanoramen. Und auf dem Furkapass erreiche ich den höchsten Punkt vor dem Gletscher.

Rhônegletscher
Rhônegletscher

Kaum ein Gletscher in den Alpen ist so leicht zu erreichen wie der Rhônegletscher. Nur 800 Meter sind es zu Fuß bis zur Gletscherzunge. Der Gletscherlehrpfad vermittelt auf mehreren Schautafeln viele historische und geologische Fakten und zeigt, wie sensibel die Natur auf äußere Einflüsse reagiert.

Als kleines Wildbächlein verlässt die junge Rhône den Gletscher, um nach mehreren hundert Kilometern als mächtiger Strom das Mittelmeer zu erreichen. Im Walliser Rheintal führt die Furkastraße steil hinunter und folgt der immer mächtiger werdenden Rhône über Brig und Sion bis zum Genfer See.

Genfer See
Genfer See

Hinter Genf zwängt sich die Rhône bei La Balme zum letzten Mal durch die Schluchten des Jura. Ab hier geht es gemächlich und ruhig bis nach Lyon.

Den ausführlichen Bericht über die Reise entlang der Rhône gibt es hier: Link

Lyon
Lyon

Ich fahre nach dieser Tour wieder nach Hause. Weitere Untersuchungen stehen an. Ich hätte mir andere Ergebnisse gewünscht.

Trotzdem fahre ich weiter, Richtung Westen, der Loire entlang nach Nantes. Es ist Anfang September, meine Frau hat in wenigen Tagen den zweiten Teil ihres Jahresurlaubs. Sie kommt mit dem TGV nach Nantes, keine sechs Stunden von zu Hause entfernt. Mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde ist sie pfeilschnell unterwegs. Wir wollen gemeinsam von Nantes am Atlantik entlang nach Bordeaux fahren.

Reiseverlauf Nantes-Bordeaux
Reiseverlauf Nantes-Bordeaux

Mit seinen idyllischen Inseln, riesigen Dünen, ausgedehnten Kiefernwäldern, großen Seen, malerischen Fischerdörfern, historischen Städten und nicht zuletzt den endlosen feinen Sandstränden ist dieser Abschnitt des Atlantiks (und seines Hinterlandes) eine der schönsten Regionen Frankreichs. Ohnehin wollen wir nicht nur der Küste folgen, sondern auch die Städte und Dörfer im Landesinneren besuchen. Abseits der üblichen Touristenströme, die vor allem in den Sommermonaten die Badeorte entlang der Strände bevölkern.

Atlantik bei Pornic
Atlantik bei Pornic

Wir wollen auf die Noirmoutier, eine der der Küste vorgelagerten Inseln, die alle mit dem Wohnmobil gut zu erreichen sind. Egal wo ich an den Atlantik komme, es ist immer Ebbe! Nur jetzt nicht. Denn wir wollen über die Passage du Gois auf die Insel übersetzen. Aber es ist Flut und die Straße steht unter Wasser. Wir müssen also die Brücke benutzen, die erst seit 1971(!) auf die Insel führt.

Und weiter ins Landesinnere zu den Abteien der Vendée und des Marais Poitevin. In dieser Gegend gibt es eine Vielzahl sehr gut erhaltener und ebenso alter Abteien und Klöster zu besichtigen.

Abbaye Saint-Pierre de Maillezais
Abbaye Saint-Pierre de Maillezais

Vorbei an Les-Sables-d’Olonne und La Rochelle wollen wir auf die Insel  Île Madame, der kleinsten Insel im Mündungsgebiet der Charente. Auf der Insel soll es einen wunderbar einsamen und abgelegenen Stellplatz geben. Aber … keine Brücke führt auf die Insel. Es gibt nur eine Passage durch das Watt, die aber nur bei Ebbe passierbar ist, die Passe aux Bœufs, die Ochsenfurt! Als wir ankommen, ist der niedrigste Wasserstand gerade überschritten, die Flut setzt ein. Für uns ist die Durchfahrt leider nicht mehr möglich.

Wie gefährlich solche Übergänge sein können, erleben wir in diesem Moment hautnah. Ich schnappe mir den Fotoapparat, um ein paar Bilder vom Übergang zu machen. Teile des Übergangs sind bereits mit Wasser bedeckt. Ich bemerke, dass Menschen auf dem Weg sind, ein Auto rast auf den Übergang zu und fährt so weit wie möglich auf den noch trockenen Teil. Und jetzt bemerke ich den Grund für die Aufregung: Ein Hund ist im Wasser und paddelt wie verrückt, offensichtlich kann er nicht mehr stehen. Und durch die Wellen hat er anscheinend die Orientierung verloren. Ständig schwimmt er hin und her und weiß nicht wohin. Mal Richtung Insel, mal Richtung Land. Er scheint die Rufe der Menschen nicht zu hören. Entweder ist er völlig verwirrt oder es ist zu laut in der aufkommenden Brandung. Was tun? Wie ruft man einen Hund … man pfeift! Also pfeife ein paar Mal laut durch die Finger. Der Hund reagiert! Ich pfeife weiter, und tatsächlich schwimmt er jetzt in meine Richtung. An Land ist er völlig kopflos, übersieht seine Menschen, rennt an ihnen vorbei und ich kann ihn gerade noch stoppen und festhalten, bevor er völlig hysterisch das Weite suchen kann. Puh, das war knapp. Es sind noch keine 5 Minuten vergangen, da flitzte er noch spielend über die Passage und kann dann plötzlich nicht mehr stehen. Es ist faszinierend, wie schnell die Flut durch die Bucht kommt. Das Herrchen des Hundes, der Monsieur umarmt mich vor lauter Dankbarkeit, Madame ist in Tränen aufgelöst. Wie schön!

Blick von der Pointe de la Fumée auf Fouras-les-Bains
Blick von der Pointe de la Fumée auf Fouras-les-Bains

Meine Frau hat wieder einen Platz im TGV ab Bordeaux gebucht. Von dort aus fährt der Hochgeschwindigkeitszug in knapp 8 Stunden sogar bis nach Freiburg im Breisgau. Also fast bis vor unsere Haustür.

Den ausführlichen Bericht über die Reise von Nantes nach Bordeaux gibt es hier: Link

bei Talmont-sur-Gironde
bei Talmont-sur-Gironde

Auch ich mache mich auf den Weg. Aber immer auf der Route Nationale 89, die von Bordeaux nach Lyon führt. Die Weinberge des Bordeaux und die rauen Berge der Auvergne bilden einen starken Kontrast auf dieser Reise, die mich auch durch die wilde Corrèze und das sanfte Périgord führt. Aber auch durch die raue Auvergne.

Route Nationale 89
Route Nationale 89

Bordeaux ist einer der Höhepunkte dieser Reise. Eine bemerkenswert schöne Großstadt mit eleganten Straßen und monumentalen Plätzen, einer schönen Promenade entlang der Garonne sowie verwinkelten Gassen, Innenhöfen und hübschen Plätzen. Mit vielen Cafés und Restaurants. Und viel Trubel!

Bordeaux – Place de la Bource
Bordeaux – Place de la Bource

Je näher ich Saint-Émilion komme, desto mehr verändert sich die Landschaft. Aus den grauen Vororten von Bordeaux werden liebliche Weinberge voller reifer Trauben. Ich befinde mich mitten im weltberühmten Weinbaugebiet der Bordelaise. Die zum Weltkulturerbe gehörende Wein- und Kulturlandschaft umfasst mehrere einzigartige Weingebiete, z.B. Pomerol, Fronsac oder Saint-Émilion.

Und dann erreiche ich mein geliebtes Périgord. Runde Hügel mit Kastanien- und Kiefernwäldern, Täler mit Walnussbäumen, Tabakfeldern und Obstgärten. Eine Gegend der Hügel mit fetten, grünen Wiesen und hübschen Kühen. Viele kleine und große Bäche durchschneiden das Land. Endlose Eichenwälder säumen meinen Weg. Es gibt Trüffel und alles vom Wildschwein, die Enten- und Gänseprodukte sind weltberühmt. Ein wahres Paradies!

Périgord
Périgord
Périgord
Périgord

Es ist ein Mittwoch als ich in Périgueux ankomme. Und das ist kein Zufall, denn ich weiß, dass immer an diesem Wochentag rund um die Kathedrale und in den Gassen der Altstadt ein wunderschöner Wochenmarkt stattfindet. Für mich ist das, neben dem Wochenmarkt in Sarlat (immer samstags), der schönste Markt im Périgord.

Hinter Ussel verlasse ich die Corrèze und erreiche die Auvergne und damit das Zentrum des Zentralmassivs. Die alte N89 wird nun immer schmaler und kurviger, Serpentinen und kleine Pässe sind zu bewältigen. Vorbei an Bourg-Lastic und Rochefort-Montagne fahre ich an einem herrlichen, sonnigen Herbstmorgen Richtung Clermont-Ferrand, die Vulkankette der Puys und den Gipfel des Puy de Dôme immer im Blick.

Die Straße schlängelt sich zwischen den Bergen des östlichen Zentralmassivs hindurch. Die Gegend ist sehr gebirgig, ich muss einige kleine Pässe überqueren, die aber alle gut 1000 Meter hoch sind. Ich kann mir gut vorstellen, wie sich in den 60er Jahren ein Simca 1000, ein Renault R4 oder eine Renault Dauphine auf dem Weg nach Bordeaux mühsam nach oben quälten. Und dann mit überhitztem Motor am Straßenrand liegen blieben.

Ich bin früh morgens unterwegs, kein Verkehr, himmlische Ruhe, es ist paradiesisch schön. In steilen Serpentinen mit teilweise bis zu 14% Gefälle geht es hinunter ins Rhônetal nach Lyon.

Den ausführlichen Bericht über die Reise auf der Route Nationale 89 von Bordeaux nach Lyon gibt es hier: Link

Lyon - Europazentrale von euronews
Lyon – Europazentrale von euronews
Lyon – Docks 40
Lyon – Docks 40

Es ist Ende Oktober. Ich bin auf dem Weg nach Hause. Ich lasse mir Zeit, mache noch einen Abstecher an den Bodensee und nach Oberschwaben, bevor ich Mitte November wieder zu Hause bin. Seit ein paar Tagen ist es kalt, der Herbst ist da.

Und dann beginnen die Krankenhausaufenthalte und Operationen, alles ist gut überstanden Und ich werde darin bestärkt, nichts mehr auf die lange Bank zu schieben. Wenn ich mal in Rente bin… wenn ich dies tue und wenn ich das tue. Alles kann sich von heute auf morgen ändern und alle Pläne zunichte machen!

Carpe diem

Wie immer an dieser Stelle ein großes Dankeschön an meine Frau, die meine touristischen “Alleingänge” akzeptiert!

Weinberge bei Libourne
Weinberge bei Libourne

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