Rund um Deutschland

Rund um Deutschland – Deutsche Alpenstraße

Auf dieser Route meiner Reise rund um Deutschland erwarten mich tiefgrüne Almwiesen in sanftem Hügelland, steile Berggipfel, dunkelgrüne Wälder, romantische Täler und glitzernde Seen. Ich bin auf dem Reiseabschnitt zwischen dem Bodensee und dem Königsee angekommen. Auf dem malerischen Weg von West nach Ost beginnt die Route in Lindau und führt über Oberstaufen, Füssen, Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz, den Tegernsee und den Chiemsee bis nach Berchtesgaden. Und natürlich zu den wunderschönen Königsschlössern von Ludwig II.

Die Deutsche Alpenstraße gilt als die älteste Ferienstraße Deutschlands. Erstmalig erwähnt wird der historische Routenverlauf in einem 1879 erschienenen Bericht einer Reise des Bayerischen Königs Maximilian II. aus dem Jahre 1858, der in weiten Teilen mit dem heutigen Verlauf und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke übereinstimmt.

Ich kann diesen Reiseabschnitt zusammen mit meiner Frau erleben, denn sie hat Urlaub. Ansonsten bin ich ja leider überwiegend alleine unterwegs.

Für Wohnmobilisten ist Lindau schwer zu besuchen. Alle Parkplätze sind ausnahmslos für PKW reserviert. Wohnmobile können nirgends parken um die Stadt auf der Insel im Bodensee zu besuchen. Der wirklich schöne Wohnmobilstellplatz wurde geschlossen und mit einer Höhenbegrenzung verbarrikadiert. Dass Wohnmobilisten keine gern gesehenen Gäste in der Stadt sind, hatte sich auch schon früher im grenzwertigen Preis für den bisherigen Platz gezeigt: Der war unverschämt teuer. Jetzt gibt es einen neuen Stellplatz rund vier (!) Kilometer vor der Stadt direkt am Straßenrand und die Infrastruktur besteht aus einem Dixi-Klo. So etwas ist für eine Stadt wie Lindau unwürdig!

Wir beschließen, ins benachbarte Wasserburg zu fahren, denn dort gibt es direkt am Bahnhof einen Tagesparkplatz für Wohnmobile. Kostenlos und ideal gelegen, um mit dem Zug direkt ins Zentrum von Lindau zu fahren. Geht doch!

Lindau ist eine wunderschöne Stadt (übrigens schon am bayrischen Teil des Bodensees gelegen). Gebäude mit Jahrhunderte alten Fassaden, Gassen voller Geschichten, Parks zum Verweilen, Villenstraßen zum Flanieren, einsame Buchten mit eindrucksvoller Aussicht, belebte Plätze mit quirliger Atmosphäre. All das entdecken wir in Lindau. Mit ihren verwinkelten Gassen und den mittelalterlichen Bauten hat die Altstadt einen ganz besonderen Charme.

Wir bummeln stundenlang durch die Gassen, lassen uns natürlich auch kulinarisch verwöhnen, beobachten das emsige Treiben am Hafen (von hier fahren Passagierschiffe u.a. zur Insel Mainau) und erleben einen herrlichen Spätsommertag.

Lindau
Lindau
Lindau
Lindau

Am nächsten Morgen geht die Fahrt richtig los. Die sieben Kehren, in denen sich der Rohrach Anstieg 400 Höhenmeter zwischen Lindau und Scheidegg mit bis zu neun Prozent Steigung nach oben windet, stimmen uns auf das Fahrerlebnis Deutsche Alpenstraße ein.

Scheidegg im Allgäu ist die Sonnenterrasse über dem Bodensee und der sonnenreichste Ort Deutschlands. Das meint zumindest der Deutsche Wetterdienst. Dass das nicht immer so stimmen muss, zeigt sich leider heute: Regen und schwarze Wolken. Der hübsche kleine Ort liegt auf einem Hochplateau bis zu 1.000 Meter über dem Bodensee. Von hier aus hat man eine herrliche Aussicht auf die Alpen. Wenn‘s eben nicht gerade regnet so wie heute…

Scheidegg

Die Scheidegger Wasserfälle erwarten uns mit mehreren kleinen und größeren Wasserfällen, die sich über steile Felskanten in türkisblaue Becken ergießen. Karge Felswände wechseln sich ab mit moosbewachsenen Steinen. Insgesamt fällt der Rickenbach hier über 40 Meter in die Tiefe, um sich danach in die Rohrachschlucht zu graben.

Scheidegger Wasserfälle
Scheidegger Wasserfälle

Nicht mehr weit ist es von Scheidegg nach Lindenberg. Die Geschichte des Städtchens wurde geprägt von der Hutindustrie. Die erste Hutfabrik wurde in der Biedermeierzeit gegründet. 1890 gab es 34 Strohhuthersteller, die jährlich um die acht Millionen Strohhüte herstellten. „Klein-Paris“ der Hutmode wurde das Städtchen Anfang des 20. Jahrhunderts genannt. Heute gibt es nur noch genau eine Hut- und Mützenfabrik (Firma Mayser) in Lindenberg.

Das Städtchen wirkt auf uns herrlich verschlafen, ist aber mit seinen vielen kleinen Geschäften durchaus sehenswert und bestimmt der Einkaufsmittelpunkt der Region.

Für Käseliebhaber bietet sich ein Besuch im Verkaufsraum der Käserei Baldauf an. Für die Käseherstellung wird ausschließlich naturbelassene Heumilch verwendet, ggf. verfeinert mit regionalen saisonalen Kräutern. Einfach lecker! Und selbstverständlich decken wir uns hier für die weitere Reise mit ausreichend frischem Käse ein!

Lindenberg

Heute Morgen ist es zum ersten Mal herbstlich kalt. Auf den Wiesen liegt dichter Nebel. Eine wunderschöne Landschaft zieht an unseren Fenstern auf der Fahrt nach Oberstaufen vorbei.

Der Ortskern von Oberstaufen ist fest in touristischer Hand. Uns fallen die vielen Geschäfte mit Wanderausrüstungen und Wanderschuhen auf. Der ruhige Ort ist das Wanderparadies des Allgäus schlechthin. Die gleichen Geschäfte legen im Winter sicher passende Ausrüstungen für die Skifahrer aus.

Schon römische Verkehrswege führten an Oberstaufen vorbei. In der Neuzeit erfolgte mit der Eröffnung der Bahnlinie Immenstadt-Lindau der Anschluss Oberstaufens an das deutsche Eisenbahnnetz. Durch die Eisenbahnstation erlebt der Ort bis heute einen wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung.

Oberstaufen

Die kleine Residenzstadt Immenstadt liegt im Herzen des Allgäus und in unmittelbarer Nähe zum wunderschönen Alpsee und dem Naturpark Nagelfluhkette. Immenstadt hat es durch den Salz- und Leinenhandel zu einem gewissen Wohlstand gebracht, den man den historischen Gebäuden in der Altstadt mit der markanten Stadtpfarrkirche, dem Schloss und dem alten Rathaus am Marienplatz ansehen kann.

Das Städtchen wirkt auf uns ein bisschen mediterran. Wir genießen den Bummel durch die kleine aber feine Altstadt. Schöne Geschäftchen laden zum Flanieren ein und wir gönnen uns hier die erste “original bayrische Leberkässemmel”. Selbstverständlich mit süßem Senf. Lecker!

Immenstadt im Allgäu – Marienplatz
Immenstadt im Allgäu – Marienplatz

Wir planen heute in die Felsenschlucht Breitachklamm bei Oberstdorf einzusteigen. Am späten Morgen ist der Wanderparkplatz am Ausgang der Schlucht komplett belegt. Einige Kilometer bergauf Richtung Kleines Walsertal ist der Parkplatz zum Zugang von oben. Auch komplett belegt. Die letzte Ferienwoche und das schöne Wetter verlocken natürlich nicht nur uns zu dieser Wanderung. Dann gehen wir die Tour eben morgen!

Abends im Internet erfahren wir jedoch, dass die Wanderer in Coronazeiten besondere Regelungen beachten müssen: Die Klamm wurde zur Einbahnstraße umfunktioniert, damit sich die Besucher auf den sehr schmalen Stegen über dem Wildbach nicht begegnen. Eine sehr gute Idee! Das bedeutet aber auch, dass die komplette Schlucht durchwandert und vom Ausgang auch noch der Weg bis zurück zum unteren Parkplatz bewältigt werden muss. Da ich leider nicht mehr so “geländegängig” bin, ist mir diese Strecke zu weit. Das ist sehr, sehr schade, aber leider nicht zu ändern.

Wir starten also den Tag mit einem Besuch von Oberstdorf (die südlichste Gemeinde Deutschlands) und einem kleinen Rundgang durch den Ort. Leider sind nicht mehr sehr viele von den originalen Häusern erhalten, denn 1865 wütete eine Feuersbrunst, welcher die meisten der schönen historischen Voralpenhäuser zum Opfer fielen.

Oberstdorf

Im Anschluss beginnen wir den Aufstieg zum Oberjoch. Auf sechs Kilometern drängen sich 100 Kurven, Kehren und Serpentinen dicht aneinander. Das ist Fahrspaß pur! Oben angekommen sind wir auf fast 1.200 Metern. Wir halten uns an der Straßenkreuzung nach links Richtung Pfronten (rechts herum würde es ins Tannheimer Tal nach Reutte gehen) und erreichen bald den kleinen Ferienort Nesselwang.

Fahrt Richtung Oberjoch

In Nesselwang soll es einen großen Wohnmobil-Stellplatz geben. Aber der ist knallvoll und gibt wieder Anlass, sich über die Wohnmobil-Kollegen zu ärgern. Es ist zur großen Unsitte geworden, einen Platz mit einem Gegenstand zu blockieren, weil man einen kleinen Ausflug mit dem Fahrzeug machen will. Bei einem Stellplatz handelt es sich um einen ganz normalen Parkplatz für Wohnmobile. Und einen Parkplatz in der Stadt kann ich auch nicht blockieren, weil ich am Abend wiederkomme. Auch wenn ich bezahlt habe. Und dann die Egoisten, die sich möglichst ausladend hinstellen und dann noch ihre Markisen ausfahren müssen. Hauptsache man hat es selber gemütlich. Andere dürfen gerne weiterfahren, wenn der Platz durch diese Zeitgenossen belagert wird. Ich habe da eine klare Meinung: Wer eine Markise auf einem nicht parzellierten Platz ausfahren will oder einen reservierten Platz braucht, der darf gerne einen Campingplatz aufsuchen. Damit wäre allen geholfen.

Wir parken also erstmal am Straßenrand und sehen uns das Örtchen an. Leider leidet das Städtchen sehr durch den Verkehr, denn die Bundesstraße führt direkt durch den Ort. Aber die Bäckerei neben der Kirche hat einen wunderbaren, frischen Zwetschgenkuchen. Mit viel frisch geschlagener Sahne!

Nesselwang
Nesselwang

Wenige Kilometer weiter finden wir in Wertach an einem kleinen See ein herrliches Plätzchen zum Übernachten. Die Nacht ist sternenklar. Ums Wohnmobil herum bimmeln die Kuhglocken. Es riecht nach frischem Heu. Glückseligkeit.

Dichter Nebel liegt über den Wiesen, als wir uns aufmachen Füssen zu besuchen. Am Ortseingang gibt es einen großen Parkplatz für Busse und auch Wohnmobile. Und bei “Lucca” bekommen wir einen wunderbaren italienischen Cappuccino und italienische Brioche con marmellata. Der Tag fängt sehr gut an!

Mittelalterliche Gassen und Bürgerhäuser, barocke Kirchen und Klöster zusammen mit kleinen, feinen Geschäften schaffen in der romantischen Altstadt eine ganz besondere Atmosphäre. Die vielen Straßencafés zaubern ein fast italienisches Flair. Die Alpentransversale Via Claudia Augusta, die älteste Verbindung zwischen Italien und der Donau, brachte 500 Jahre lang römische Kultur nach Füssen.

Überragt wird die Stadt vom Hohen Schloss. Dies war einst Sommerresidenz der Augsburger Bischöfe. Im 19. Jahrhundert sollte es aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und zur Residenz für Kronprinz Maximilian, Vater des Märchenkönigs Ludwig II., ausgebaut werden. Aber es kam anders: Auf einer Alpenreise entdeckte Maximilian die nahe gelegene Burgruine Schwanstein und ließ dort sein Schloss Hohenschwangau errichten.

Füssen
Füssen

Nur wenige Kilometer sind es von Füssen bis zu den Königsschlössern. Schon von Weitem sehen wir zuerst Hohenschwangau und dann das “Märchenschloss” Neuschwanstein von König Ludwig II.

Ludwigs Vater Maximilian II. erwarb die Ruine Schwanstein im Allgäu und ließ sie restaurieren. Die Burg Hohenschwangau wurde Sommersitz der königlichen Familie. Ludwig II. verbrachte hier einen Großteil seiner Kindheit und Jugend. Hier wurzelt seine lebenslange Begeisterung fürs Gebirge und für die Welt der mittelalterlichen Sagen. Über die Schwanenrittersage wurde Ludwig zum Richard Wagner Fan.

Wunderschön liegen beide Schlösser hoch am Berg, eingebettet in herrliche Wälder und sattgrüne Wiesen. Ein wirklich königliches Idyll.

Mit dem Pendelbus fahren wir bis kurz vor das Schloss Neuschwanstein, denn die knappe Stunde zu Fuß und den teilweise steilen Anstieg gibt meine “Geländegängigkeit” nicht mehr her. Zur Marienbrücke ist es dann aber nur noch ein Katzensprung. Die Brücke über die Pöllatschlucht bietet uns im Morgennebel eine wunderbare Sicht auf Schloss Neuschwanstein. Märchenhaft!

Schloss Hohenschwangau
Schloss Neuschwanstein
Schloss Neuschwanstein
Schwangau – St. Coloman

In einer einsamen Gegend bei Steingaden steht ein prachtvolles Gotteshaus: die Wieskirche. Ein Wunder soll sich an dieser Stelle zugetragen haben, weshalb der Ort bald einen Anziehungspunkt für viele Pilger darstellte. 1754 wurde für die große Zahl der Gläubigen diese wunderbare Kirche geschaffen. Als wir am späten Vormittag dort ankommen, sind außer uns nur wenige Besucher da. In der Kirche probt der Organist seine Stücke. Eine wunderbare Ruhe und Harmonie liegt an diesem Ort und lädt zum Verweilen und zur Besinnung ein.

Wieskirche
Wieskirche
Ausblick von der Wieskirche

Ganz anders in Oberammergau. Hier wälzen sich die Touristenströme durch den Ort. Wer wie wir von der Ruhe und Beschaulichkeit der Wieskirche kommt, ist davon besonders irritiert und genervt. Den Ort selber finden wir auch nicht besonders attraktiv. Viele Nippesläden und Devotionalien-Geschäfte. Aber dazwischen immer mal wieder schöne alte Häuser mit herrlicher Lüftlmalerei.

Bekannt ist Oberammergau besonders durch die Oberammergauer Passionsspiele, die alle zehn Jahre aufgeführt werden. In einer mehrere Stunden dauernden Aufführung stellen die Dorfbewohner Oberammergaus die letzten fünf Tage im Leben von Jesus Christus nach. Erstmals wurde das Passionsspiel 1634 als Einlösung eines Versprechens nach der überstandenen Pest aufgeführt. Von 1680 an galt ein zehnjährlicher Rhythmus, in der Regel im letzten Jahr eines Jahrzehnts. Das nächste Mal finden die Passionsspiele allerdings erst 2022 wieder statt. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Veranstaltung um zwei Jahre verschoben werden.

Oberammergau
Oberammergau

Auf dem Weg zum Kloster Ettal biegen wir kurz vor dem Ort scharf rechts ab und kommen so nach wenigen Kilometern zum dritten der Königsschlösser von Ludwig II.: zum Schloss Linderhof. Schloss Linderhof in den Ammergauer Alpen ist das kleinste der drei Schlösser Ludwigs II. und das einzige, das noch zu seinen Lebzeiten vollendet wurde. Linderhof gilt als das Lieblingsschloss des „Märchenkönigs“, in dem er sich mit Abstand am häufigsten aufgehalten hat.

Das Schloss kann im Rahmen einer Führung besichtig werden. Wir begnügen uns mit einem Spaziergang durch den wunderbaren Landschaftspark. Dieser folgt den Vorbildern englischer Landschaftsgärten mit Baumgruppen und verschlungenen einsamen Wegen. Wir können uns gut vorstellen, wie der König hier “lustwandelte”.

Schloss Linderhof

Zwischen Oberammergau und Garmisch-Partenkirchen befindet sich das Benediktinerkloster Ettal. Majestätisch erhebt sich die Kuppel des Klosters vor den Gipfeln der umliegenden Berge. Gegründet 1330 von Kaiser Ludwig dem Bayern, blickt das barocke Kloster auf eine sehr abwechslungsreiche, fast 700-jährige Geschichte zurück. Den absoluten Mittelpunkt des Klosters bildet bis heute das vom Kaiser aus Italien mitgebrachte Marienbild, die sogenannte Ettaler Madonna. Diese Madonna bescherte dem Kloster im 17. und 18. Jahrhundert eine blühende Wallfahrt und machte Ettal zu einem der bedeutendsten Benediktinerklöster im Alpenraum.

Kloster Ettal
Kloster Ettal

Wir befinden uns ganz in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Bei den ungewöhnlich vielen Wohnmobilen, die uns den ganzen Tag begegnen, befürchten wir in Garmisch keinen Übernachtungsplatz zu bekommen.

Wir suchen also unterwegs nach einem geeigneten Schlafplatz. In Oberau finden wir ein schönes Plätzchen am Skilift und dem Eisstadion. Unter sternenklarem Himmel verbringen wir mutterseelen alleine eine ruhige Nacht. Merkwürdig nur, dass jemand mitten in der Nacht einen riesigen Bagger direkt neben unserem Wohnmobil abstellt!

Mit seiner Lage inmitten einer atemberaubenden Bergkulisse zu Füßen der 2962 Meter hohen Zugspitze ist Garmisch-Partenkirchen der Inbegriff für gewaltige und ursprüngliche Natur. Das Städtchen ist zweifellos das geschäftliche Zentrum des Werdenfelser Landes. Neben vielen kleinen Geschäften und Läden stehen mitten im Ort noch ein paar wunderbare alte, historische Häuser. Sogar einen ehemaligen Bauernhof mit Bauerngarten können wir bestaunen.

Garmisch lag schon zu Römerzeit an der Straße von Italien über den Brennerpass nach Augsburg. Heute ist der Ort für viele der Startpunkt zum Besuch des höchsten Deutschen Berges, der Zugspitze. Zuerst mit der Zugspitzbahn (Zahnradbahn), dann mit der Gletscherbahn (Seilbahn) und zurück mit der Seilbahn Zugspitze lässt sich eine wunderbare “Rundreise” zum Gipfel und zurück erleben. Ganz billig ist der Spaß allerdings nicht. Aber man sollte es einmal erlebt haben!

Garmisch
Garmisch
bei Garmisch-Partenkirchen

Immer weiter entlang der österreichischen Grenze und der Deutschen Alpenstraße erreichen wir das Örtchen Wallgau im Werdenfelser Land. Bayerischer kann ein Ort kaum sein. Umrahmt von Karwendel, Wetterstein und Estergebirge liegt der Ort friedlich in einem saftigen, sattgrünen Tal. Viele alte Bauernhäuser tragen wunderschöne Lüftlmalereien. Stattliche Gasthäuser laden zum Verweilen bei einem ausgiebigen Vesper ein.

Die in Garmisch-Partenkirchen geborene ehemalige Biathletin Magdalena Neuner lebt seit ihrer Kindheit in Wallgau.

Wallgau
Wallgau

Vorbei am wunderschönen Walchen- und Kochelsee im Zwei-Seen-Land fahren wir Richtung Bad Tölz. Der Walchensee liegt 800 Meter über dem Meeresspiegel und ist mit seinen über 16 km² und über 190 Metern Tiefe der größte Gebirgssee Deutschlands. Die Bäche der umliegenden Berge speisen die beiden Seen mit kristallklarem Wasser. Sie sind eingebettet in eine wunderbare Berglandschaft. Das Paradies!

Walchensee

Bad Tölz gefällt uns sofort. Eine schmucke Stadt mit einer historischen Altstadt und malerischen Marktstraße. In der historischen Innenstadt laden verwinkelte Gassen, kleine Geschäfte mit Tölzer Trachten und Kunsthandwerk aus der Region, Cafés, Restaurants und traditionelle Gastwirtschaften zum Bummeln ein. Und natürlich genießen wir die deftige und schmackhafte bayrische Küche. Ob Schweinekrustenbraten mit Knödeln oder Fleischpflanzl mit lauwarmem Kartoffelsalat – alles schmeckt!

Fernsehfreunde kennen Bad Tölz auch aus der Serie „Der Bulle von Tölz“ mit Ottfried Fischer in der Hauptrolle. Viele Szenen der einzelnen Folgen wurden in den Gassen von Bad Tölz gedreht. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet im kleinen aber feinen Museum “Der Bulle von Tölz” interessante Einzelheiten.

Bad Tölz
Bad Tölz
Bad Tölz

Wir folgen weiter der Deutschen Alpenstraße und kommen vorbei an Lenggries zum Silvenstein Stausee. Die Fahrt an einem Sonntagmorgen bei blauem Himmel und Sonnenschein ist herrlich. Am Stausee gabelt sich die Straße. Die Bundesstraße führt entweder in Richtung österreichische Grenze und Tegernsee oder weiter zum Achenpass. Eine kleine, schmale Mautstraße führt in den Isarwinkel und nach Wallgau. Eigentlich kommen wir ja von dort, aber egal … kurzerhand rechts geblinkt, abgebogen, die Maut bezahlt und wir erleben eine herrliche Landschaft entlang des breiten, ausgewaschenen Flussbetts mit einer wunderbar türkis schimmernden Isar. Auf schmalem Sträßchen (mit vielen Ausweichstellen, die auch notwendig sind) kommen wir wieder nach Wallgau. (Zur Erinnerung: Das ist der Ort von Magdalena Neuner.)

Isarwinkel

Nach einem sonntäglichen Mittagessen geht es wieder auf die Deutsche Alpenstraße und wieder vorbei am Walchensee, Kochelsee, Bad Tölz, Lenggries und bis zum Silvenstein Stausee. Nur biegen wir dieses Mal nicht rechts ab, sondern folgen der Bundesstraße bis nach Kreuth und Tegernsee.

Tegernsee bei Bad Wiessee

Wohnmobilplätze sind in dieser mondänen Gegend natürlich rar. Wir bekommen von der Park4Night-APP den Tipp, dass man in Tegernsee hinter dem Eisstadion übernachten kann. Also das Navi programmiert und los geht das Abenteuer. Wir werden in ein Sträßchen mit 24% (!) Steigung gelotst, gerade mal einen knappen Meter breiter als das Wohnmobil. Mit Vollgas fahre ich im 2. Gang eineinhalb Kilometer den Berg hoch. Jetzt nur nicht anhalten müssen. Ich könnte wahrscheinlich nicht mehr losfahren. Eine Wandergruppe rettet sich hinter die Leitplanken, als wir sie mit brüllendem Motor passieren. Hoffentlich kommt kein Gegenverkehr! Oben angekommen ist alles durch PKW zugeparkt. Gott sei Dank kann ich in einer Hofeinfahrt wenden. Und dann geht’s wieder runter, mit heißen Bremsen. Wir passieren wieder die Wandergruppe. Man winkt sich, denn wir kennen uns ja inzwischen.

Hier einen Schlafplatz zu suchen ist müßig. Aber unser “Schlafplatz-Spürsinn” führt uns wenige Kilometer weiter zu einem kleinen, feinen Parkplatz. Ohne Steigung, einfach so …

Vorbei an Bayrischzell (mit dem bisher mit Abstand besten “Zwetschgendatschi” der Reise) und dem Wendelstein, dem 1838 Meter hohen, wohl imposantesten Berggipfel Bayerns, geht unsere Fahrt entlang der Sudelfeldstraße. Der Anstieg auf 1100 Meter ist noch recht gut ausgebaut, aber die Talfahrt ins Inntal führt über ein kleines, schmales und kurviges Sträßchen mit beachtlichem Gefälle.

In Neubeuern finden wir einen prima Übernachtungsplatz am Fußballstadion. Und das Städtchen selbst ist wirklich sehenswert. Der Abstecher lohnt sich auf jeden Fall.

Bayrischzell mit Wendelstein
Blick ins Kaisergebirge

Wir fahren heute Morgen zeitig los, denn wir wollen in Aschau im Chiemgau frühstücken gehen, bevor wir zum Chiemsee fahren. Auf Besucher scheint dieser Ort aber nicht eingerichtet zu sein, denn im ganzen Stadtbereich finden wir nur eine Handvoll Parkplätze und keiner davon ist für ein Wohnmobil geeignet. Schade. Überragt wird der Fremdenverkehrsort von der 1669 Meter hohen Kampenwand und dem mitten im Priental thronenden Schloss Hohenaschau aus dem 12. Jahrhundert.

Schloss Hohenaschau

Von Prien am Chiemsee gehen die Fahrgastschiffe zur Insel Herrenchiemsee und zur Fraueninsel. Oder man macht gleich eine Rundfahrt um den ganzen See – übrigens dem größten See Bayerns.

Da wir die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau Ludwigs II. ja gerade erst besucht haben, möchten wir uns auch sein Schloss Herrenchiemsee ansehen. Also parken wir am Hafen von Prien (ein großer, auch für Wohnmobile geeigneter Parkplatz ist vorhanden), kaufen zwei Schiffskarten und nehmen eines der im Viertelstundentakt verkehrenden Fahrgastschiffe zu den Inseln.

1873 erwarb König Ludwig II. von Bayern die Herreninsel als Standort für sein neues Schloss Herrenchiemsee, ein Abbild von Versailles. Als König Ludwig II. 1886 starb, war das Schloss noch nicht vollendet.

Nach all den “König Ludwig-Eindrücken” schauen wir uns am Abend noch den Film über den Monarchen mit einem wunderbaren O.W. Fischer in der Hauptrolle an (gibt’s bei YouTube). Der bayrische Monarch war wirklich ein wunderbarer und zugleich sehr sonderbarer Mensch.

Chiemsee bei Prien
Schloss Herrenchiemsee

Von Inzell sind wir maßlos enttäuscht. Überall, wirklich überall sind Parkplätze ausnahmslos für Wohnmobile gesperrt. Nur PKW dürfen parken. In Inzell gibt es gerade einmal einen (!) Übernachtungsplatz für drei (!) Wohnmobile. Und der ist auch noch privat geführt. Unterirdisch.

Ramsau mutet da besser an. Das Dörfchen ist idyllisch gelegen und eingebettet in eine malerische Landschaft zwischen mythischen Bergen. Naturliebhaber aus aller Welt reisen schon seit Generationen in dieses kleine Dorf, um sich an der atemberaubenden Natur zu erfreuen. Maler fanden hier unzählige Motive.

Ramsau

Über Ramsau geht es weiter bis Berchtesgaden. (Fast) Dem Ende der Deutschen Alpenstraße. Aber eben noch nicht ganz! Das eigentliche Ende der Alpenstraße wurde in den 30er Jahren geplant, aber erst in den 50er Jahren vollendet: die Roßfeldstraße. Die höchstgelegene Panoramastraße Deutschlands führt uns unmittelbar in die einmalige, hochalpine Bergwelt des Berchtesgadener Landes. Auf der Mautstraße geht es mit bis zu 13 % Steigung auf 1570 Meter. Auf der Scheitelstrecke sind große Parkplätze vorhanden. Dort erwartet uns ein herrlicher Rundblick über das gewaltige Bergmassiv und über das Berchtesgadener und Salzburger Land.

Roßfeldstraße
Roßfeldstraße

Heute Nacht gab es einige kräftige Gewitter. Das ist in den Bergen immer besonders eindrucksvoll, weil der Donner von den hohen Felswänden vielfach reflektiert wird. Für den Besuch des Königssees ist die Stimmung am Morgen nach dem Gewitter phantastisch. Die Gewitterwolken hängen in den Bergen, aber auch die Sonne zeigt sich schon wieder. Wunderschön und fast ein bisschen märchenhaft.

Und hier haben wir das Ende der Deutschen Alpenstraße und das Ende eines wunderbaren Streckenabschnitts der Umrundung von Deutschland nun tatsächlich erreicht!

Königssee