Rund um Deutschland

Rund um Deutschland – Schleswig-Holstein

Das Land zwischen den Meeren. Zwischen Ost- und Nordsee. Ich bin in Schleswig-Holstein angekommen. Meine Umrundung der Bundesrepublik führt mich in das nördlichste Bundesland Deutschlands. Da ich gegen den Uhrzeigersinn fahre, werde ich entlang der Ostseeküste nach Norden, und dann entlang der Nordseeküste wieder nach Süden reisen.

Lübeck ist die Königin der Hanse, ein Paradies für alle Marzipanfans* und das Tor zum Norden. In den schmalen Altstadtstraßen mit prächtigen Kaufmannshäusern aus verschiedenen Epochen, krummen kopfsteingepflasterten Gassen sowie Gängen und Höfen, die sich hinter den Fassaden der Häuser verstecken, kann man herrlich bummeln. Schon von der Autobahn sehen wir die sieben Türme der Stadt. Insgesamt fünf Gotteshäuser stehen auf der Altstadtinsel und geben der Hansestadt ihr unverwechselbares Aussehen. Wer genau aufpasst, sieht die Unterschiede, denn jedes Bauwerk hat seinen ganz besonderen Turm. Mit Ausnahme von St. Marien und dem Dom, denn die beiden haben gleich zwei davon.

* Bereits seit dem 13. Jahrhundert lassen sich Menschen in hiesigen Breiten die süße Mandelmasse genüsslich auf der Zunge zergehen, zunächst als nahezu unerschwinglicher Luxus aus der Apotheke. Schon einige Jahrhunderte früher versüßte in den arabischen Ländern das “Haremskonfekt” den Kalifen und Haremsdamen das Leben. Hier liegt der Ursprung des Marzipans, das über Venedig Europa erreichte. Das Lübecker Marzipan hat eine ganz eigene Geschichte: 1407, so heißt es, herrschte in der Stadt eine Hungersnot. Die Bäcker hatten kein Mehl, um Brot zu backen, aber die Lager waren mit Zucker und Mandeln gefüllt. So wies der Senat der Stadt die Bäcker an, aus den Rohstoffen nahrhafte “Brote” herzustellen, um die Landsleute vor dem Hungertod zu retten. Die Bäcker fügten etwas Rosenwasser hinzu – das “Markusbrot” (lateinisch “Marci panis”) war erfunden.

Unser Bummel durch die Stadt dauert den ganzen Tag. Wir können alles zu Fuß erlaufen. Da die Altstadt nur rund drei Quadratkilometer groß ist, geht das problemlos. Als die Stadt gegründet wurde, dachte noch niemand an Autos. Die Parkflächen in den schmalen Straßen sind sparsam verteilt und sowieso nur für Anwohner freigegeben. Dafür gibt es am Stadtrand große Parkplätze auch für Wohnmobile. Zu Fuß entdecken wir die verborgenen Ecken der Stadt sowieso besser und schlüpfen in die schmalen Gänge, die hinter die Kaufmannshäuser führen. Herrlich!

Und natürlich gehen wir zum Kaffee trinken ins “Niederegger”, dem Stadtkaffee der gleichnamigen Marzipanmanufaktur. Das Kuchenbuffet ist umwerfend und alles schmeckt wunderbar. Und selbstverständlich nehmen wir auch eine “kleine” Portion Marzipan mit ins Wohnmobil!

Wer im Dezember nach Lübeck kommt, kann einen der schönsten Weihnachtsmärkte in ganz Deutschland besuchen. Das Ambiente auf den Plätzen der Altstadt ist unvergleichlich.

Lübeck – Holstentor
Lübeck
Lübeck
Lübeck – St. Marien
Lübeck – St. Marien – Kriegsschäden
Lübeck – St. Marien
Lübeck – St. Jakobi
Lübeck

Travemünde ist ein Stadtteil von Lübeck und liegt an der Mündung der Trave in der Lübecker Bucht der Ostsee. Es sind nur wenige Kilometer von unserem Übernachtungsplatz bis an die feine Uferpromenade. Als „Lübecks schönste Tochter“ wird Travemünde auch liebevoll bezeichnet. Der Ort hat eine schöne Strandpromenade, eine exklusive Shoppingmeile entlang der Uferstraße und einen kilometerlangen Sandstrand. Sehr mondän und exklusiv erscheint es uns insgesamt allerdings nicht. Die Shoppingmeile bietet alles, was andere Shoppingmeilen auch bieten, viel ausgefallener ist hier ehrlich gesagt nichts. Und die flanierenden Besucher unterscheiden sich auch nicht von den Touristen, die im Sommer in der Gegend überall anzutreffen sind. Viereinhalb Kilometer feinste Quarzkörner – der lange weiße Sandstrand von Travemünde ist allerdings ein Anziehungspunkt.

Bis 1990 gehörte ein kleiner Abschnitt des Priwalls (eine etwa drei Kilometer lange Halbinsel an der Travemündung) zur DDR. Dessen Grenze bildete den nördlichsten Teil der innerdeutschen Grenze. Im Kalten Krieg war sie militärisch und geopolitisch betrachtet ein Teil des Eisernen Vorhangs. Der Wachturm der Grenztruppen der DDR bot den Grenzern einen ungehinderten Blick auf den FKK-Strand im Westen!

Travemünde – ältester Leuchtturm Deutschlands
Travemünde – Hotelburgen

Fest am Priwall-Ufer in Travemünde vertäut, liegt das Museumsschiff „Passat“ – eines der Wahrzeichen des beliebten Ostseebades. Die inzwischen mehr als 100 Jahre alte Viermastbark lief 1911 in der Hamburger Werft Blohm & Voss vom Stapel. Zunächst als Frachtsegler zwischen Europa und Südamerika im Einsatz, diente das 115 Meter lange Schiff in den fünfziger Jahren als Frachtsegelschulschiff und umrundete bis zu seiner Außer-Dienst-Stellung insgesamt 39 Mal das Kap Hoorn.

Travemünde
Travemünde

Weiter entlang der Ostsee erreichen wir Timmendorfer Strand. Der Ort hat eine kilometerlange, sehr schöne Strandpassage immer am sanft abfallenden Ufer der Ostsee entlang. Die Strandkörbe sind alle ausgebucht, die Sommerurlauber sind angekommen. Und viele Besucher machen einen mondänen Eindruck. Es ist herrlich, am Strand entlang zu bummeln, die “Feinen und Schönen” zu beobachten, sich sündhaft teuren Kaffee und Kuchen zu gönnen und zu wissen: Wir haben es gut!

Timmendorfer Strand
Timmendorfer Strand
Timmendorfer Strand

Fehmarn ist nach Rügen und Usedom die drittgrößte Insel Deutschlands. Wir fahren bis Heiligenhafen, einem sehr angenehmen Ort noch auf dem Festland. Heiligenhafen ist touristisch sehr stark frequentiert. Das liegt wohl daran, dass sich der Ort einen wunderbaren norddeutsch-maritimen Charme bewahrt hat. Stilgerecht essen wir an der Strandpromenade Backfisch mit Remoulade im Brötchen aus der Hand. Lecker!

Die Fehmarnsundbrücke ist eine kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke, die die Insel Fehmarn in der Ostsee mit dem Festland bei Großenbrode verbindet. Die Brücke ist Bestandteile der “Vogelfluglinie”, die Hamburg via Puttgarden mit Kopenhagen verbindet. Die Überfahrt nach Dänemark dauert mit der Fähre etwa 45 Minuten. In Planung ist der Fehmarnbelttunnel, ein 17.6 Kilometer langer Straßen- und Eisenbahntunnel unter der Ostsee zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland. In Burg auf Fehmarn ist dazu ein sehr interessantes Informationszentrum zu besichtigen.

Heiligenhafen
Heiligenhafen
Brücke nach Fehmarn

Wir bringen heute das Wohnmobil auf den Stellplatz in Laboe, fahren mit dem PKW nach Kiel und parken das Auto in einem Parkhaus am Bahnhof. Dort soll es einige Tage stehen, damit wir zusammen im Wohnmobil fahren können und nicht mit zwei Fahrzeugen gleichzeitig unterwegs sind. Ende der Woche holen wir das Auto dort wieder ab und meine Frau muss leider wieder nach Hause fahren.

Laboe

Kiel ist groß und laut. Zumindest dann, wenn man wie wir von der Beschaulichkeit der Ostseestrände in die Großstadt kommt. Auch architektonisch wirkt Kiel auf uns wenig einladend. Das liegt besonders daran, dass die Stadt im 2. Weltkrieg komplett zerstört wurde (Kiel war wichtiger Stützpunkt der Kriegsmarine und Standort von drei Großwerften) und deshalb die alte Bausubstanz komplett erneuert werden musste. Und das wurde in den frühen 1950er Jahren leider nicht sehr behutsam gemacht. Die Fußgängerzone ist wie alle Fußgängerzonen in Deutschland. Hat man eine gesehen, kennt man alle.

Kiel ist übrigens die nördlichste Großstadt in Deutschland, Freiburg im Breisgau die südlichste.

Mit der Fähre fahren wir entlang der Kieler Förde zurück nach Laboe zum Wohnmobilstellplatz. Anscheinend hat sich diese Fähre zum Touristenmagnet entwickelt. Das Schiff ist rappelvoll mit Urlaubern, die eine preisgünstige Möglichkeit entdeckt haben, die Kieler Förde vom Wasser aus zu besichtigen.

Kiel
Kiel

Mach‘ Dich auf zum Glück, mach‘ Dich auf in die Eckernförder Bucht! So lautet der Wahlspruch der Menschen aus Eckenförde. Wir sind leider nicht ganz so glücklich, als wir von Laboe Richtung Eckernförde aufbrechen. Ein Mammutstau in Kiel verlangt uns ziemlich viel Geduld ab. Immer wieder schön zu beobachten: Beim Reißverschlusssystem auf der Autobahn dominieren die Rücksichtslosen und die Blöden! Entlang endloser Getreide- und Kohlfelder kommen wir aber trotzdem völlig entspannt in Eckenförde an. Die Stadt verdient einen besonderen Pluspunkt von Wohnmobilisten. Auf dem stadtnahen Großparkplatz ist ein Teil als Kurzzeitparkplatz für Wohnmobile reserviert. Und das scheint auch kontrolliert zu werden, denn ausnahmsweise sind diese Plätze nicht von PKWs zugeparkt!

Eckernförde liegt am Ende der Eckernförder Bucht auf halbem Weg von Kiel nach Schleswig. Die Stadt wurde von den Bomben des 2. Weltkriegs fast verschont, so dass die Altstadt mit ihren engen Gassen und restaurierten Fischerhäuschen sehr gut erhalten ist. Es macht Spaß, durch die engen Sträßchen von der Altstadt Richtung Hafen zu bummeln. Der Rathausmarkt ist der kulturelle Mittelpunkt der Stadt, der eine wunderbare historische Kulisse für den Wochenmarkt bietet (immer mittwochs und samstags).

Eckernförde
Eckernförde
Eckernförde
Eckernförde

Keine Autostunde entfernt ist das wunderschöne Städtchen Schleswig. Die malerische Altstadt von Schleswig lädt zu einem Spaziergang ein, samt Rathaus und Rathausmarkt, deren historisches Bild weitgehend erhalten geblieben ist. Es macht Spaß, die schöne Altstadt zu erkunden und vom Marktplatz aus durch die Fischersiedlung „Holm” an den Hafen zu bummeln. Wir empfinden Schleswig als bunt und lebendig, angenehm unaufgeregt und einfach liebenswert. Am Hafen sehen wir den Fischern dabei zu, wie sie ihren Fang direkt vom Kutter verkaufen. Das geschäftige Treiben fasziniert uns.

Schleswig
Schleswig – Ältestes Haus in Schleswig

Eines der Wahrzeichen der Stadt und eines der größten Kulturdenkmäler im Norden ist St. Petri, der Schleswiger Dom, dessen Ursprünge auf das frühe 12. Jahrhundert zurückgehen.

Leider ist der Dom eingerüstet, denn die Kirche wird innen und außen komplett renoviert und restauriert. Es sind im Wesentlichen Feuchtigkeitsschäden, die dringend beseitigt werden müssen. Die wertvollen Kunstwerke im Innenraum sind aufwendig geschützt*, das Kirchenschiff ist eine riesige Baustelle. Entgegen der Backsteingotik der Hansestädte an der Ostsee ist der Dom in Schleswig nicht aus gleichfarbigem, rotem Backstein erstellt, sondern es wechseln sich Steinreihen verschiedener Farbe ab. Das gibt dem Gebäude ein sehr interessantes und schönes, einmaliges Aussehen.

* Einer der Kunstschätze im Dom ist der 1521 fertiggestellte Bordesholmer Altar von Hans Brüggemann, ein zwölf Meter hohes Meisterwerk der Schnitzkunst mit fast 400 zum Teil lebensgroßen Figuren aus Eichenholz.

Weniger bekannt, aber nicht weniger bedeutend, ist das repräsentative Renaissance-Grabmal für König Friedrich I. von Dänemark, der im Dom begraben liegt. Mit dem Namen Friedrich I. verbindet sich der tiefste Einschnitt in der Geschichte des Domes: die Reformation. Nach den ersten tumultartigen Versuchen im Dom evangelische Gottesdienste zu feiern, sorgte Friedrich für ein pragmatisches Vorgehen. Im Kirchenschiff durfte schon evangelisch gepredigt werden, während im hohen Chor noch der letzte römisch-katholische Bischof mit seinen Chorherren die Heilige Messe feierte.

Schleswig – Dom St.-Petri (Foto von Frauke Feind)
Schleswig – Dom St.-Petri mit Bauarbeiten
Schleswig – Dom St.-Petri
Schleswig – Dom St.-Petri
Schleswig – Dom St.-Petri

Wir passieren Flensburg und kommen wenig nach Glücksburg. Hier wollen wir eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Schleswig-Holstein besuchen. Das um 1580 erbaute Wasserschloss Glücksburg zählt zu den bedeutendsten Renaissanceschlössern Nordeuropas. Es diente den herzoglichen Linien des Hauses Glücksburg als Stammsitz und war zeitweilige Residenz des dänischen Königshauses. Inmitten eines kleinen Sees und eines riesigen Parks steht das Schloss. Teile des Schlosses können besichtigt werden. In den nicht zugänglichen Etagen wohnen die Besitzer des Hauses Glücksburg.

Glücksburg

Nach einem herrlichen Spaziergang durch die Schlossanlage (und einem leckeren Mittagessen) geht unsere Reise weiter nach Flensburg. Die Stadt liegt idyllisch an der Flensburger Förde direkt an der deutsch-dänischen Grenze.

Wohl kaum ein Ort in Deutschland ist bei Autofahrern so berüchtigt wie Flensburg. Das Flensburger Punktesystem und die Flensburger Verkehrssünderkartei kennt vermutlich jeder Erwachsene. Sie sind zu einem Synonym für das Kraftfahrt-Bundesamt geworden.

Der erste Eindruck von Flensburg ist leider etwas trist. Das liegt vielleicht auch an der Lage des Wohnmobilstellplatzes. Mitten im Industriehafen in einer staubigen Sackgasse. Abends ergeben sich aber ein paar schöne Fotomotive vom Hafen und der untergehenden Julisonne.

Flensburg – Industriehafen

Der zweite Blick auf Flensburg ist großartig! Wir sind von dieser Stadt sofort begeistert! Da Flensburg im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört wurde, finden wir in der hübschen Altstadt noch viele Spuren der 700-jährigen Geschichte: Enge Gassen, große Plätze und traditionsreiche Kaufmannshöfe sowie Gebäude im Stil der Backsteingotik wie die St. Marien- und die St. Nikolai-Kirche. Die Entwicklung Flensburgs ist wegen der Lage an der Förde eng mit der Seefahrt verknüpft. Im 18. Jahrhundert besaß die Stadt einen der bedeutendsten Handelshäfen für die Schiffe der Westindien-Flotte. Sie brachten Rohrzucker und Roh-Rum von den Karibikinseln in ihre Heimatstadt, wo er zu Zucker und trinkbarem Rum verarbeitet wurde.

Wir starten unseren Bummel am Hafen mit einem phantastischen Panoramablick auf die Stadt, genießen ein wunderbares Frühstück in einem der zahlreichen Cafés in der Altstadt und flanieren durch die Fußgängerzone zwischen Nordertor und Südermarkt.

Viele Jahrhunderte gehörte Flensburg zum dänischen Hoheitsgebiet, ab 1864 zu Preußen. Die heutige Grenze besteht seit 1920, aber die Nähe zum Nachbarland ist noch immer zu spüren. In der Stadt gibt es mehrere dänische Schulen, dänische Kulturvereine und sogar eine dänische Tageszeitung.

Flensburg
Flensburg
Flensburg
Flensburg – Oluf-Samson-Gang

Vorbei an Niebüll (von hier aus sind die Inseln Sylt, Föhr und Amrum sowie die Halligen im Weltnaturerbe Wattenmeer gut zu erreichen) geht unsere Reise nach Husum. Wir empfinden Husum als wenig attraktiv. Die Geschäfte rund um den Hafen bieten den Touristen den üblichen Chinaschrott, die Stadt hat für uns kein besonderes Flair. Alles wirkt ein bisschen “billig”. Ich kenne von früher ein sehr gutes Restaurant in Husum, in dem wir essen gehen wollen. Aus dem Restaurant ist inzwischen ein “Pub” geworden, die Speisekarte und das Ambiente sind nicht besonders einladend. Die negative Krönung ist dann noch der absolut unterirdische Wohnmobilstellplatz in einem Hinterhof, aber zu einem stattlichen Übernachtungspreis.

Doch der Wohnmobilist ist ja flexibel und so bedarf es keiner langen Überlegung – wir fahren direkt weiter nach Friedrichstadt.

In ein puppenstubenartiges, holländisches Kleinstädtchen glauben wir uns in Friedrichstadt versetzt. Grachten und typisch holländische Architektur – die Holländerstadt Friedrichstadt ist etwas ganz Besonderes. Vor 400 Jahren kamen Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden hierher, brachten ihren Baustil, ihre Kultur und auch ihren Glauben mit. So entstand die Stadt der Toleranz, in der Lutheraner, Katholiken, Mennoniten, Juden und Remonstranten friedlich und harmonisch miteinander lebten. Kirchen aller fünf Glaubensrichtungen findet man heute noch im Stadtbild.

Wer möchte, kann mit einem Ausflugsboot eine schöne Rundfahrt durch die Kanäle und Grachten des Städtchens machen.

Friedrichstadt
Friedrichstadt
Friedrichstadt

Wir müssen heute noch einmal zurück an die Ostsee, der PKW meiner Frau steht ja noch im Parkhaus in Kiel. Von Friedrichstadt aus ist es nicht besonders weit zurück an die Kieler Förde. Die Fahrt über kleine Sträßchen quer durch Schleswig-Holstein ist für uns sehr interessant. Leider muss meine Frau morgen wieder zurück nach Freiburg, die drei Wochen Urlaub sind wie im Flug vergangen. Und ich werde meine Rundreise wieder alleine fortsetzen.

Von Kiel nach Rendsburg ist es nicht weit. Eine gute halbe Autostunde bin ich unterwegs. Und am Paradeplatz finde ich auch schnell einen passenden Parkplatz für das Wohnmobil.

Rendsburg liegt mitten im Land und doch direkt am Wasser: Dort, wo der Nord-Ostsee-Kanal sich mit der nur wenige hundert Meter entfernten Eider trifft, dem längsten Fluss Schleswig-Holsteins. Ich beginne meinen Stadtbummel am Paradeplatz zum Markt, vorbei an der sehenswerten St. Marien-Kirche. Der Stadtkern ist klein und überschaubar, fast heimelig.

Rendsburg – Paradeplatz
Rendsburg
Rendsburg

Wichtigste Sehenswürdigkeit Rendsburgs ist ein imposantes Baudenkmal: Die 42 Meter hohe und 2.486 Meter lange Eisenbahnbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal. Zwischen 1911 und 1913 erbaut ist sie noch heute eine der bedeutendsten und größten Brücken Europas. Zur Brücke gehört auch eine Schwebefähre, die an Stahlseilen hängend das Wasser überquert ohne es zu berühren. Sie wurde 1913 gebaut und brachte mehr als 100 Jahre lang Passagiere und bis zu sechs Fahrzeuge von einer Seite des Nord-Ostsee-Kanals auf die andere. Im Januar 2016 stieß ein Frachter mit der Schwebefähre zusammen. Dabei wurde sie so schwer beschädigt, dass der Betrieb eingestellt und die Fähre demontiert werden musste. Da eine Reparatur nicht möglich ist, wird sie derzeit neu gebaut.

Gleich neben der Eisenbahnbrücke am nördlichen Kanalufer liegt ein schönes Ziel für alle, die gern “große Pötte” bestaunen. Hier befindet sich eine Schiffsbegrüßungsanlage, ähnlich dem “Willkomm Höft” in Hamburg. Die Mitarbeiter heißen alle Schiffe, die die Brücke passieren, mit der passenden Nationalhymne willkommen und stellen sie ausführlich vor. Wie heißt das Schiff? Woher kommt es und wohin fährt es? Ich finde das äußerst interessant. Und es macht ein bisschen Fernweh!

Eisenbahnbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg
Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg
Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg

Der offizielle Wohnmobilstellplatz liegt direkt daneben. Und so beschließe ich spontan, einfach hier zu bleiben, denn so kann ich auch den ganzen Tag “Schiffe gucken”.

Der Nord-Ostsee-Kanal durchquert Schleswig-Holstein auf einer Länge von knapp 100 Kilometern. Mit rund 30.000 Schiffen pro Jahr gehört er weltweit zu den meist befahrenen künstlichen Wasserstraßen für Seeschiffe. Der Kanal verkürzt sich die Strecke je nach Abfahrts- und Zielhafen im Schnitt um 250 Seemeilen (rund 460 km). Die Benutzung kostet Containerschiffe bis zu 5.000 Euro.

Der Stellplatz heute Nacht hat seine Tücken. Ständig fahren über die Eisenbahnbrücke Güterzüge die einen Höllenlärm machen, und die vorbeifahrenden Containerschiffe sind auch nicht gerade leise. Das frühe Aufstehen fällt mir also nicht besonders schwer.

Über Heide (größter unbebauter Marktplatz Deutschlands) und vorbei am Eider-Sperrwerk (größtes deutsches Küstenschutzbauwerk zum Schutz vor Sturmfluten der Nordsee) geht die Reise weiter nach St. Peter-Ording, dem führenden Seebad Schleswig-Holsteins. Ich finde den Teilort Dorf recht nett, man versucht ein bisschen exklusiver zu wirken als die anderen Seebäder, aber es fehlen die zahlungskräftigen Besucher, die sich wohl eher auf Sylt tummeln. Was allerdings sehr exklusiv ist sind die Preise. Für ein mittelprächtiges Frühstück kann ich anderswo sehr üppig zu Mittag essen!

Mein Stadtbummel fällt nicht allzu umfangreich aus. Ich sehe mir noch die beeindruckenden Pfahlbauten am Strand an und mache mich, entlang der Nordsee, bald wieder auf den Weg nach Süden.

St. Peter-Ording
St. Peter-Ording
St. Peter-Ording

In Brunsbüttel schaue ich mir die Schleusenanlage an, welche die Schiffe auf das Niveau des Nord-Ostsee-Kanals heben. Von einer Aussichtsplattform ergibt sich ein sehr interessanter Blick über die Anlage. Fünf Schleusen werden abwechselnd eingesetzt, um den reibungslosen Schiffsverkehr auf dem Kanal zu gewährleisten. Wer wissen möchte, wann wieder ein Schiff in den Kanal einfährt, und ob es sich lohnt darauf zu warten, dem empfehle ich diese Webseite, die den gesamten Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal in Echtzeit darstellt.

Brunsbüttel – Schleusenanlage Nord-Ostsee-Kanal
Brunsbüttel – Schleusenanlage Nord-Ostsee-Kanal

Mit der Fähre setze ich über den Nord-Ostsee-Kanal und folge der Elbe bis nach Glückstadt. Ich finde mich in einem wunderschönen Städtchen wieder, in dem es Freude macht, zu bummeln und die Stadt zu erkunden.

Ein Binnenhafen mit prächtiger, historischer Häuserzeile verleiht Glückstadt eine charmante Atmosphäre. Die ganze Schönheit der Stadt zeigt sich aber erst bei einem Bummel durch die angrenzenden Straßen zum Marktplatz. Der stattliche Platz ist wunderschöner Mittelpunkt des Ortes, der im frühen 17. Jahrhundert auf dem Papier geplant wurde. Zwölf sogenannte Radialstraßen laufen schnurgerade aus allen Richtungen auf den Marktplatz zu und gliedern die Altstadt. Querverbindungen an den jeweiligen Endpunkten ergeben einen sechseckigen Grundriss, der noch heute sichtbar ist. Damit unterscheidet sich Glückstadt deutlich vom üblichen Gassengewirr mittelalterlicher Orte.

Glückstadt
Glückstadt
Glückstadt
Glückstadt

Von Glückstadt aus geht die Fähre über die Elbe von Schleswig-Holstein nach ins niedersächsische Wischhafen, dem nächsten Ziel meiner Umrundung von Deutschland.

Blick vom Stellplatz in Glückstadt auf die Elbe